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Ein wichtiger Bestandteil des Bamberger Kaders - der deutsche Combo-Guard Maurice Stuckey (r.).

Resetknopf gedrückt

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Der Resetknopf bei Brose Bamberg ist endlich richtig gedrückt: Im zweiten Jahr nach der Ära Trinchieri hat sich das Gesicht der BBL-Mannschaft komplett verändert: Anstelle von Italienern haben nun Belgier in Oberfranken das Sagen.

Die Fans müssen sich mit der neuen Rolle des ehemaligen Serienmeisters noch anfreunden: Im letzten Jahr rutschte der Zuschauerschnitt erstmals seit 2011 wieder unter die Marke von 6000 Fans pro Spiel. Dabei spielen die Bamberger nicht mehr in der Euroleague, sondern nur noch in der Basketball-Champions-League, in der sie letztes Jahr das Final Four erreichten und auch dieses Jahr wieder zu den Favoriten zählen.

Die Lage:Roel Moors ist der dritte Trainer bei Brose Bamberg in diesem Jahr - damit haben die Oberfranken im Jahr 2019 in 171 Tagen so viele Übungsleiter verbraucht wie zwischen 2001 und 2018. Auch wenn die Bamberger noch immer eines der besseren Teams in der Liga sind, den Status als Branchenprimus mussten die Oberfranken in den vergangenen zwei Jahren abgeben. Keine einfache Umstellung.

Das Team:Die Großverdiener mussten gehen: Ricky Hickmann weg, Augustine Rubit abgegeben, Tyrese Rice ebenso. Patrick Heckmann ging nach Ulm, Nikos Zisis nach Badalona. Mit Louis Olinde, Elias Harris, Bryce Taylor und Maurice Stuckey durften nur vier Deutsche bei den Bambergern bleiben. Dafür kamen viele Spieler mit Upside: Christian Sengfelder spielte sich in Braunschweig bis in die Nationalmannschaft, Kameron Taylor (Pecs, HUN) schaffte es aus der ProB in die BBL, und TreMcLean kam vom russischen Mittelfeldklub BC Perm. Den neuen Pointguard Paris Lee brachte Coach Roel Moors aus Antwerpen mit, und die beiden Guards Nelson Weidemann (Bayern München) und Aleix Font (FC Barcelona, ESP) wurden mit der Aussicht auf Spielzeit von ihren Klubs ausgeliehen. Immerhin: Mit dem Ägypter Assem Marai (Izmir, TUR) holten die Bamberger einen BBL-erfahrenen Center, der in Bayreuth zwei Jahre lang zu den besten großen Spielern der Liga gehörte. Dazu soll die Mannschaft vor Saisonbeginn noch weiter verstärkt werden - Flügelspieler Coty Clarke fiel durch den Medizincheck, ein Ersatz war bei Redaktionsschluss noch nicht verpflichtet.

Der Coach:In der fast ausschließlichen Anzahl der Fälle ist das Spiel um Platz drei bei einem Finalturnier unnütz. Unvergessen - oder beziehungsweise gerade doch - das Final Four um den BBL-Pokal 2016, als in München aufgrund des undichten Daches das Spiel um Bronze einfach ausfiel und es keiner vermisste. Für Roel Moors dagegen war das 72:58 der Antwerpen Giants über Bamberg beim Finalturnier der Champions League im Mai eine Bewerbung. Gemeinsam mit Sportdirektor Leo De Rycke und Pointguard Paris Lee wechselte der ehemalige belgische Nationalspieler nach Franken, wo er eine Mannschaft zusammenstellen soll, die trotz finanzieller Unterlegenheit auch die Großen ärgern kann. So wie er Bamberg mit Antwerpen - damals, im Mai.

Stärken und Schwächen:Die Bamberger haben sich eine hungrige Mannschaft zusammengestellt, die mit viel Talent unterwegs ist und über den Verlauf der Saison hin noch besser werden sollte. Das Team wird sich aber erst finden müssen: So fand beispielsweise Bryce Taylor in der gesamten Vorbereitung offensiv kaum statt, der spanische Youngster Aleix Font bekam von Sportdirektor De Rycke attestiert, er habe "Stand heute noch nicht das Niveau, das es braucht, um bei uns einen festen Platz in der Rotation zu haben".

Der "Player to watch":Kameron Taylor hat sich den Platz bei einem Topklub wie Bamberg hart erarbeitet: Nach dem College ging es für den Flügelspieler zu Ehingen in die ProA. Dort spielt er 20 Minuten pro Saison, ist aber unglücklich mit seiner Rolle. Er geht den Schritt zurück, wechselt in die ProB nach Rhöndorf. Dort dominiert er die Liga, trainiert halbtags beim Kooperationspartner in Bonn. Die Baskets sehen in ihm keinen BBL-Spieler - andere Klubs schon: Er wechselt nach Würzburg, macht acht Spiele und schenkt im ersten Spiel Berlin 16 Punkte ein. Vor der letzten Saison wechselt der Allrounder nach Ungarn, überzeugt auch dort. Nun der Schritt nach Bamberg: Taylor dürfte das spannendste Projekt in Reihen der Franken in dieser Spielzeit sein.

Die Prognose:Bamberg schielt auf das Heimrecht und dürfte in dem Fall auch die erste Runde überstehen. Im Halbfinale ist aber Schluss: An den Platzhirschen aus München und Berlin ist für den ehemaligen Serienmeister kein Vorbeikommen.

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