Der TV Trais-Horloff nimmt seit knapp 20 Jahren in einer SG mit Utphe und Inheiden am Spielbetrieb teil. Unser Bild zeigt eine Szene aus 2008 mit Ruben Neunobel (vorne). FOTO: ARCHIV
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Der TV Trais-Horloff nimmt seit knapp 20 Jahren in einer SG mit Utphe und Inheiden am Spielbetrieb teil. Unser Bild zeigt eine Szene aus 2008 mit Ruben Neunobel (vorne). FOTO: ARCHIV

Die Relegationskönige

  • vonConstantin Hoppe
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Die Fußballer des TV Trais-Horloff blicken zurück auf ein halbes Jahrhundert. Sportliche Höhepunkte sind die Aufstiege in die Bezirksliga. Für die Zukunft wünscht man sich im Hungener Stadtteil, dass der Trainerstuhl nicht mehr so heiß ist.

Vor fünf Jahrzehnten war das Interesse am Fußball in Trais-Horloff dann doch so groß, dass sich einige Sportler zusammenfanden und gemeinsam die neue Abteilung des TV Trais-Horloff gründeten. In nun über 50 Jahren gab es Höhen und Tiefen. Am 12. Juli 1969 fand das erste Spiel auf der eigens für den Fußball angelegten Sportstätte statt. Ein Freundschaftskick gegen den FC Ober-Widdersheim bildete den Auftakt für den Fußball im Hungener Stadtteil.

Die erste Saison 1969/70 schloss man mit einem hervorragenden fünften Platz ab. In der Spielzeit 1974/75 gelang den Fußballern der große Wurf. Im Entscheidungsspiel um den Aufstieg in die A-Klasse besiegte man den benachbarten TSV Utphe. Fast zeitgleich fand der TV im neuen Klubheim endlich auch eine Heimat. Die Freude an der höheren Spielklasse währte jedoch nur eine Saison, da man direkt wieder abstieg.

Bis zum Ende der 1980er fand sich der Verein stets im Mittelfeld der Kreisliga B wieder, was sich erst zum Ende dieser Dekade änderte: Durch personelle Probleme beiderseits wurde für das Spieljahr 1988/89 die Spielgemeinschaft SG Utphe/Trais-Horloff gegründet. Man startete in der Kreisliga A Gießen, stieg allerdings prompt wieder in die Kreisliga B1 ab. Im Folgejahr schaffte die SG die Qualifikation zur neuen Kreisliga A II Gießen. Größter Erfolg der noch jungen SG war lange Zeit der Sieg bei der Hungener Stadtmeisterschaft 1992.

Die "Zwei-Minuten-Meisterschaft"

In den Folgejahren kamen einige Traiser Eigengewächse zurück zu ihren Wurzeln. Ein zusätzlich starker Nachwuchs legte den Grundstein für eine erfolgreiche Zukunft. Immer wieder mal war man auf den oberen Tabellenplätzen unterwegs, aber oft auch im Mittelfeld. Oft reichte es sogar für den Relegationsplatz "nach oben" - doch ein Aufstieg blieb lange aus. Erst in der Saison 1997/98 war es so weit. Mit 15 Punkten Vorsprung wurden die Fußballer aus Trais-Horloff und Utphe Meister der Kreisliga A Gießen-Süd - pünktlich zum zehnjährigen Bestehen der Spielgemeinschaft.

Als Aufsteiger in der Bezirksliga Gießen lieferte man sich bis zum letzten Spieltag ein Fernduell mit Großen-Buseck um den erneuten Aufstieg. Das dramatische Saison-Finale ist in Trais-Horloff als "Zwei-Minuten-Meisterschaft" in Erinnerung. Die Busecker erzielten im Fernduell kurz vor Schluss noch das entscheidende Tor. Die anschließende Relegation verlief wieder einmal nicht zufriedenstellend.

Im Folgejahr endete auch die nächste Relegation negativ - jedoch ging es dabei um den Abstieg. Und so verließ die SG die Bezirksliga wieder. 2000/2001 und in der Folgesaison verließen einige Spieler die SG. Da es dem SV Inheiden ähnlich erging, entstand die SG Utphe/Trais-Horloff/Inheiden. An der sportlichen Talfahrt änderte dies zunächst nichts.

Erst 2005/2006 kam der Erfolg zurück: Man erreichte einen hervorragenden zweiten Tabellenplatz in der A-Liga. Fast schon traditionell ging es zum Saisonende in die Relegation - diesmal aber mit Erfolg. Der zweite Bezirksliga-Aufstieg der Vereinsgeschichte war perfekt. Die folgenden Jahre brachten dann einige Veränderungen bei den Trainern mit sich: 2007/2008 engagierte die SG mit Tim Schlosser einen talentierten Kicker aus dem Kreis Büdingen als Coach. 2010/2011 folgte Thomas Keil, und in den nächsten drei Spielzeiten stand Andreas Seum an der Seitenlinie.

Die abgelaufene Saison sollte hoffnungsvoll beginnen: Mit Benjamin Lock wurde ein neuer Trainer gefunden - der jedoch eine Woche vor Saisonbeginn überraschend von seinem Posten zurücktrat. Doch innerhalb einer Woche sprang Oliver Hofmann in die Bresche - eigentlich als Coach im Ruhestand. Sportlich war es erneut ein ständiges Auf und Ab. In mehreren Gesprächen wurde schnell klar, dass Hofmann nicht über den Winter hinaus Trainer der SG sein würde. Und so mussten sich die Verantwortlichen erneut auf die Suche machen und wurden bei einem alten Bekannten fündig: Mit Andy Seum startete die Mannschaft nach der Winterpause erneut durch und beendete die "Corona-Saison" auf Platz elf.

"Sportlich mussten wir uns in den letzten Jahren eher nach unten orientieren. Das Trainerkarussell hat sich kräftig gedreht. Langweilig war es aber nie", berichtet der heutige Abteilungsleiter beim TV Trais-Horloff, Dennis Schindler. "Jetzt hoffen wir auf einen längeren Zeitraum Ruhe bei der SG ›UTI‹, denn im Schnitt mehr als ein Trainer pro Saison über die letzten fünf Jahre ist doch etwas heftig."

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