Ralf Neumann beim Akkuaufladen in Dangast, ehe er am 1. Juli bei den Gießen Pointers das Amt des Basketball-Jugendkoordinators übernimmt. FOTO: PRIVAT
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Ralf Neumann beim Akkuaufladen in Dangast, ehe er am 1. Juli bei den Gießen Pointers das Amt des Basketball-Jugendkoordinators übernimmt. FOTO: PRIVAT

Basketball

Ralf Neumann reizt das Coach-Monitoring

  • Wolfgang Gärtner
    vonWolfgang Gärtner
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Ausspannen in Dangast am Jadebusen. Ralf Neumann lädt die Akkus für seine neuen Aufgaben auf, ehe er am 1. Juli die Stelle des Jugendkoordinators beim Regionalligisten Gießen Pointers antritt.

Ralf Neumann kehrt zu seinen Wurzeln zurück: Der 56-jährige gebürtige Gießener kümmert sich wieder um den mittelhessischen Basketball-Nachwuchs. Wie schon von 2006 bis 2009, als er beim TV Wetzlar eine komplette Jugendabteilung installierte, und während seiner Trainertätigkeit beim TSV Krofdorf-Gleiberg. In Wetzlar hatte Neumann unter anderem Dominik Lockhart in der C-Jugend unter seinen Fittichen, der aktuell für die BG Göttingen in der Bundesliga spielt. Der ehemalige Headcoach des RSV Lahn-Dill, Ex-Zweitligaspieler als "Fußgänger" und Meistertrainer verschiedener Ligen freut sich auf die neue Herausforderung Jugendkoordinator bei den Gießen Pointers. Im Interview verrät er, warum ihn gerade diese Aufgabe reizt.

Was war für Sie der ausschlaggebende Grund, bei den Pointers als Jugendkoordinator zu fungieren?

Die Pointers sind in allen Jugend-Altersklassen vertreten. Die Teams sind für die Spieler ein gutes Sprungbrett, um im eigenen Verein später in der Oberliga- oder in der ersten Regionalliga-Mannschaft Spielminuten zu bekommen. Das ist doch besser, als in anderen Clubs später nur auf der Bank zu sitzen.

Was genau ist Ihre Aufgabe?

Ich widme mich speziell der männlichen U14, U16 und U18. Das Hauptaugenmerk werde ich vorerst auf die Trainer legen, sie mit Coach-Monitoring fördern und zusätzlich ausbilden. Ich muss mir einen Überblick in den Trainingseinheiten verschaffen. Gemeinsamer Austausch mit den Jugend-Trainern wird folgen, in dem ich ihnen Anregungen gebe. Ich werde aber auch bei dem einen oder anderen Jugendspiel anwesend sein, um zu sehen, wie sich die Coaches und die Spieler verhalten. Natürlich wird sich daran auch ein Briefing anschließen.

Das mit dem Coach-Monitoring hört sich spannend an.

Das Coach-Monitoring ist unheimlich wichtig. Denn nur, wenn du gute Jugendtrainer hast, kannst du auch gute Jugendspieler ausbilden, die es dann bis in die Leistungsspitze schaffen können. Das Auftreten der Coaches außerhalb des Feldes ist aber ebenfalls von Bedeutung - wie die Einbeziehung der Eltern in den komplexen Gesamtprozess.

Wie sehen Sie grundsätzlich die Basketball-Jugend in Gießen aufgestellt?

Man muss die Jugend in Gießen noch viel breiter aufstellen, damit später ganz oben etwas herauskommt. Es darf nicht nur eine Übermannschaft geben, in der sich 14 Topleute um Einsatzzeiten streiten. Gibt es zum Beispiel mehrere Oberliga-Teams im Umfeld, erhält jeder mehr Spielanteile und kann sich weiterentwickeln. Das meine ich mit breit aufstellen. Das ist aber ein Prozess von mehreren Jahren.

Dazu müssen die Clubs aber mehr an einem Strang ziehen?

Ich hoffe, dass die Grabenkämpfe zwischen den Clubs aufhören und dass man endlich miteinander statt gegeneinander agiert. Die Gießen 46ers müssen sicherlich nach dem aktuellen finanziellen Hickhack und der Auswirkungen der Corona-Pandemie mehr denn je auf die Jugend schauen. Das ist die große Chance für unseren Nachwuchs. Und wenn ich mit meiner Arbeit einen kleinen Anteil dazu beitragen kann, umso besser.

Das Potenzial der Jugend muss noch viel mehr genutzt werden.

Klar - nur so geht es. Man sieht es doch an Bjarne Kraushaar, Alen Pjanic und Tim Uhlemann. Alles Jungs aus unseren Region, die nun bei den Gießen 46ers spielen.

Haben Sie sich in den letzten Jahren auf Jugendebene weitergebildet?

Ja. Ich besitze die B-Lizenz, war im vergangenen Jahr beim Final-Four der NBBL (Anm. d. Redaktion: U19-Bundesliga-Bereich) in Jena und bin sogar zwei Tage eher angereist, um mich dort mit Jugendtrainern auszutauschen und Trainingseinheiten anzubieten. Zudem gab es dort eine Trainerfortbildung, bei der unter anderem der ehemalige Gießener Bundesliga-Trainer Björn Harmsen ein Referat hielt.

Wer nahm bei den Pointers mit Ihnen Kontakt auf?

Die Pointers Verantwortlichen Günter Sikorski, Horst Wiegard und Andre Cornus, der mich schon in der vergangenen Saison angesprochen hat.

Beeinflusst das Pointers-Engagement Ihre Arbeit als Damen-Oberliga-Trainer des TSV Krofdorf-Gleiberg?

Nein. Ich stehe in Krofdorf im Wort. 2012, als wir mit den Frauen in der Regionalliga spielten, hatte ich bereits als Trainer für eine weitere Saison die Zusage gegeben. Dann kam aber das außergewöhnliche Angebot von den Rollis vom RSV Lahn-Dill, das ich annahm. Die Krofdorfer Verantwortlichen legten mir keine Steine in den Weg. Ich gab ihnen mein Wort, wenn ich wieder in den "Fußgängerbereich" zurückkomme, habt ihr drei Trainer-Jahre bei mir gut. Ein Jahr bin ich noch daran gebunden - das wussten aber auch die Pointers bei meiner Verpflichtung.

Werfen Sie noch ein Auge auf den RSV Lahn-Dill, bei dem Sie sechs Jahre tätig waren und mit dem Sie als Co-Trainer unter anderem die Champions League gewannen sowie als Headcoach in der Saison 2017/18 den Pokal holten?

Klar. Aber dass sie in den letzten beiden Jahren eine 0:9-Bilanz gegen die Thuringia Bulls vorweisen - das ist für mich schon ganz schön heftig gewesen. Damals unter mir haben wir wenigstens zweimal in der Saison gewonnen. Der Kontakt zu einigen RSV-Spielern ist noch vorhanden. Mit Tommy Böhme und Mike Paye habe ich mich schon mehrmals getroffen. Rückblickend war es für mich eine geile Zeit beim RSV Lahn-Dill. Jetzt freue ich mich auf die Gießen Pointers.

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