Start frei für die erste Jedermann-DM in Nidda. (Foto: Nici Merz)
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Start frei für die erste Jedermann-DM in Nidda. (Foto: Nici Merz)

Rad-DM: Der Erste ist nicht automatisch der Sieger

Die erste "Jedermann"-DM für Straßenrennfahrer in Nidda sorgte kurzzeitig für Verwirrung. Nicht der, der als Erster über die Ziellinie fährt, hat auch gewonnen. So geschehen beim Gießener Kai Miebach.

(htr) In Juniorentagen war er noch als Lizenzfahrer unterwegs, seit Jahren allerdings ist es ihm ein Hobby, auf dem Rennrad Kilometer für Kilometer abzuspulen. Und am Samstag sollte seine große Stunde schlagen, auch wenn die Freude wenig später ein wenig in Enttäuschung umschlug. Die Rede ist von Kai Maibach, dem 32-jährigen Gießener, der sich bei der ersten Auflage der Jedermann-DM am Wochenende in Nidda nach vier Runden auf dem 22,8 Kilometer langen Rundkurs für kurze Zeit als Elite-Sieger fühlte, um dann nach einiger Verwirrung "wenigstens" als Zweiter das Siegerpodest besteigen zu dürfen.

Der Medizinstudent hatte sich mit 200 weiteren Jedermännern auf die über 90 km lange Reise von Nidda über Geiß-Nidda, Dauernheim, Blofeld, Ranstadt und zurück nach Nidda gemacht, um den ersten Deutschen Meister in dieser Disziplin zu ermitteln. Die bis auf ein Stück zwischen Ranstadt und Nidda komplett abgesperrte Strecke hatte mit einem knackigen Anstieg hinauf nach Blofeld einen "Scharfrichter" im Angebot, und auf dem halbseitig gesperrten Stück in Richtung Nidda flogen schon bei der ersten Durchfahrt einige Pylonen durch die Gegend. Ende der zweiten Runde wurde es Miebach zu bunt, er startete einen Ausreißversuch und löste sich vom Feld.

"Nach und nach fuhren weitere Ausreißer auf, und in der dritten Runde waren wir vier Mann stark", erinnert sich der Medizinstudent, der nun schon darauf spekulierte, dass "wir als Gruppe durchkommen". Denn die Nachführarbeit blieb im Gegensatz zu Rennen mit kompletten Mannschaften aus, niemand wollte sich umsonst "blaufahren".

In der letzten Runde fuhr Miebach den Sprint von vorn und überquerte als Erster die Ziellinie in Nidda, 2:13:45 Stunden bedeuteten einen 41,2er Schnitt. Groß war die Freude, aber auch die Enttäuschung. Im Ergebnis fehlten Miebach zehn Sekunden auf Ricardo Schlemonat (RadMitte Straßenteam/2:13:35). Da Schlemonat in der Elitegruppe von einer hinteren Position aus ins Rennen gegangen war, sprach die über Transponder ermittelte Nettozeit für den RadMitte-Fahrer. "Das ist schon unglücklich. Dann wollen das nächste Mal alle aus einer hinteren Position starten, um so wertvolle Sekunden zu gewinnen." In der Tat, was bei extrem großen Starterfeldern noch sinnvoll erscheint, ist bei einem 54er Block einfach nur unsportlich. Und doch: "Hätte ich vorher Platz zwei angeboten bekommen, hätte ich sofort unterschrieben", zeigte sich Miebach am Tag danach schon wieder etwas versöhnlich.

Die von BDR-Präsident Rudolf Scharping eröffnete erste Jedermann-DM in Nidda durften die Organisatoren sportlich als Erfolg werten, zumal am Sonntag die Schüler und Junioren wie schon im Vorjahr ihre deutsche Meister ermittelten und für große Starterfelder auf der Strecke sorgten. Der Zuspruch am Freitag und Samstag bei den Jedermännern litt ein wenig unter den starken Regenfällen, besonders am Samstagmittag stand das Wasser regelrecht auf dem Asphalt.

Davon betroffen war auch das Teamrennen, bei dem der RV Germania Lollar aus dem Radbezirk Lahn den sechsten Platz belegte. Am Freitag startete das Rennwochenende mit einem Einzelzeitfahren über eine Runde. Dabei zeigte Dirk Keßler von der RVG Rockenberg als Fünfter mit einem 42,3er Schnitt eine sehr starke Leistung. Hinter Axel Goers (RSG Gießen und Wieseck/34.) und Marco Dohle (RVW Gambach/39.) platzierte sich Florian Vornlocher aus Hungen, der am Freitag nach seiner Arbeit schnell nach Nidda fuhr, nachfragte, ob er noch starten dürfte, und schnell zurück nach Hause fuhr. "Dort setzte ich mich aufs Rad, habe mich bis nach Nidda warmgefahren und bin dann ins Rennen gegangen", freute sich Vornlocher über einen 37,8er Schnitt und Platz 42.

Weitere starke Platzierungen vermeldeten Peter und Erik Büchele (Biebertal) als Fünfte und Oliver Böll/Alexander Nies (Team delta-bike.de) als Sechste des Generationenrennens, bei dem zwischen beiden Startern ein Altersunterschied von mindestens 15 Jahren Voraussetzung war.

Doch noch einmal zurück zu den Einzelrennen am Samstag. Stärkste Mittelhessin war Susanne Link vom ASC Licher Wald als Fünfte. Bei den Masters I zeigte sich Alexander Koop von der RV Gießen-Kleinlinden sehr zufrieden mit dem Rennverlauf: "Am Hauptfeld dranbleiben, das war mein wichtigstes Ziel. Für einen Angriff auf die Spitzengruppe hatte ich keine Ambitionen", sagte der Facharzt für Innere Medizin aus dem Butzbacher Ärztezentrum. Runde für Runde wurde das Hauptfeld kleiner, doch Koop, zuletzt bei Rund um Köln unter 400 Masters-I-Fahrern auf Rang 35., ließ nicht abreißen und rollte als starker Zwölfter über die Ziellinie.

Nur wenige Sekunden später hatte auch Vereinskollege Mike Pommerening als 17. den Marktplatz in Nidda erreicht. Florian Anders aus Gießen war ebenfalls in dieser Hauptgruppe vertreten, für ihn stand am Ende Platz acht in der Eliteklasse zu Buche. Nach und nach erreichten dann kleine Felder und Solisten das Ziel, für ein komplettes "Auseinanderfallen des Feldes war die Strecke allerdings nicht selektiv genug, weil die am Berg weggeplatzten Fahrer in der Abfahrt wieder ranfahren konnten", gab Koop zu Protokoll, der allerdings mit Marc Santo aus Niedergirmes, Anders und Pommerening sowie Vizemeister Miebach einen starken heimischen Zug bilden konnte, denn sie alle sind auch regelmäßige Fahrer beim Gießener Mittwochstreff, bei dem ambitionierte Hobbyradler in verschiedenen Leistungsgruppen regelmäßig Ausfahrten unternehmen.

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