Rolf Scholz, Trainer der Gießen 46ers Rackelos, hofft in Bezug auf Corona auf eine zeitnahe Positionierung der Liga. FOTO: HF
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Rolf Scholz, Trainer der Gießen 46ers Rackelos, hofft in Bezug auf Corona auf eine zeitnahe Positionierung der Liga. FOTO: HF

Rackelo-Trainer Scholz mahnt Vernunft an

  • vonSebastian Kilsbach
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(sks). Über Sportliches will Rolf Scholz vor dem ersten Heimspiel seiner Rackelos gegen Dresden nicht sprechen. Dafür hält sich der Coach mit klaren Statements zur Gesamtsituation nicht zurück.

Läuft es wie geplant, empfangen die Drittliga-Basketballer am Sonntag (18.00 Uhr) in der heimischen Osthalle die Dresden Titans. Nach einem halben Jahr Pause, die durch positive Fälle beim vermeintlich ersten Gegner Ulm um eine weitere Woche verlängert wurde, wäre das normalerweise Anlass zu Freude. Normal ist in diesen Tagen aber wenig.

"Wir bereiten uns vor wie auf ein Testspiel", erklärt Anne Leinweber, die Team-Managerin, mit Verweis auf die Geisterkulisse. Zuschauer sind nicht zugelassen. Den gesamten Sinn, Ligaalltag und semiprofessionellen Sport aufrechtzuerhalten, stellt Scholz infrage: "In Profiligen mag das noch darstellbar sein, aber nicht in der ProB. Wir sind nicht die NBA." Reihentestungen gibt es nicht, weshalb alles mehr oder weniger nur auf den nächsten positiven Fall warte.

Wenn gegnerische Teams wie nun die Titans durch die halbe Republik fahren müssten, stünde dies in keinerlei Maß zur Gesamtsituation in der zweiten Corona-Welle: "Wir haben da auch eine gesellschaftliche Verantwortung. Wir sollten die Leute lieber in die Kitas und Schulen schicken, anstatt über die ProB zu reden." Testungen vor jedem Spieltag oder alternative Modi mit weniger Kontakten hätten laut Scholz eine Lösung sein können. Vor allem mit Blick auf mehr Tests versteht er aber, dass sich die unteren Ligen da hinten anstellen müssen.

"Wir müssen Vernunft walten lassen, auch mit Blick auf die Zuschauersituation. Vor leeren Rängen zu spielen, ist, als ob im Wald ein Baum umfällt und keiner kriegt es mit." Einen Stream bietet der Club vorerst nicht an. Mit Sorge blickt Scholz auch auf die private Situation seiner Spieler, darunter Schüler, Studenten und Berufstätige, die sich und ihre Familien schützen müssen. "Spieler müssten sich eigentlich überlegen, ob sie Sonntag zur Oma essen gehen wollen", wenn tags zuvor gespielt wurde, exerziert er exemplarisch durch: "Oder soll ich ihnen sagen, dass sie darauf ein halbes Jahr verzichten sollen?"

Auch sportlich habe der Status quo denkbar wenig Sinn. Schon am ersten Spieltag fielen mehrere Partien in ProA und ProB aus, die Quaran- tänen nach sich zogen. Dies gehe gegen jeden normalen Ablauf im Sportgeschäft, wenn es um Teamentwicklung, Finetuning und spielerische Abläufe gehe. "Ein fairer sportlicher Wettkampf ist so nicht mehr gewährleistet", so Scholz, der sich damit nicht gegen Quarantänemaßnahmen ausspricht, sondern auf eine klare Positionierung der Liga hofft.

Dresden durfte den vergangenen Spieltag bereits austragen und feierte einen Sieg über Karlsruhe. Die talentgespickte Truppe besticht durch ihre Kontinuität: Ein immenser Teil des Vorjahreskaders konnte gehalten werden.

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