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Die pure Lebensfreude

(sno) Und wieder faszinierte das Feuerwerk der Turnkunst die voll besetzte Rittal-Arena. Wie das Event am Montag ankam, wie die Show funktioniert und wer den Stamm der Athleten bildet.

Das Feuerwerk der Turnkunst erzeugt eine Lebensfreude, die ansteckend ist. 70 Sportler und insgesamt 120 Mitwirkende von einer in Deutschland einzigartigen Turnshow verblüfften das Publikum in der ausverkauften Wetzlarer Rittal-Arena auch am Montagabend wieder. Körperbeherrschung, Beweglichkeit, Gefühl für den Raum – man kann im Nachhinein viele Wörter finden für das, was einen beim Zuschauen sprachlos zurücklässt. Vor allem ein Wort aber passt: Lebensfreude. "Die wird beim Turnen gelebt. Turnen ist eben nicht nur reiner Sport, sondern in gewisser Art und Weise auch eine Lebensform", meint Ingrid Hubing, Vorsitzende des Turngaus Mittelhessen.

Der Montagabend bot viel mehr als "nur" Turnen: Es war eine nahezu perfekt inszenierte Show aus Sport, Comedy und Musik. "Wir haben mittlerweile einen Stellenwert erreicht, sodass sich viele Akteure bei uns mit Video bewerben", erklärt Pressesprecher Michael Bauer. Produktionsleiter und Regisseurin der Show sichten und casten in ganz Europa. "Wir suchen und finden", sagt Bauer. "Oft werden die Akteure schon zwei Jahre im Voraus unter Vertrag genommen.

" Weitaus weniger Vorbereitungszeit gibt es beim Einstudieren der Abläufe und Übergänge. Erst am 27. Dezember, einen Tag vor dem ersten Auftritt der Deutschland-Tournee, fanden sich die Sportler zum gemeinsamen Training zusammen. Trotzdem wirkt alles wie eine harmonische Einheit.

"Das ist ein absolutes Highlight in meinem Jahr", schwärmte Ingrid Hubing. Waghalsig, wenn das Showteam Salti auf dem Schwebebalken machte. Lustig, wenn Tobias Wegner ("Wall Clown") für die perfekte Illusion sorgte. Und erotisch, wenn Viktoria Gnatiuk durchnässt aus der Wasserschüssel auftauchte und auf den Händen ihres Partners ästhetische Übungen ausführte.

Asiaten hauptberuflich aktiv

Die Kraft des Turnens wurde in diesem Jahr besser als je zuvor mit Showelementen verbunden. Die Band "Foxos" spielte live, Bass und Schlagzeug ertönten und die austrainierten Athleten rannten an die Geräte, flogen durch die Lüfte und zelebrierten die Turnkunst. Partystimmung kam auf, als fünf Breakdancer in die Mitte der Rittal-Arena traten und kopfüber auf der Mütze über das Parkett rutschten. Wie oft dachte man sich: In dieser Situation wäre ich völlig überfordert, an den Seilen in fünf Metern Höhe hängend, gleichzeitig einen Reifen scheinbar kinderleicht mit den Füßen schwingen.

Die Antwort liegt in Talent und Fleiß der Akteure. Viele von ihnen sind Profis. "Bis auf das Showteam ist alles eingekauft", räumt Bauer ein. "Im Fall von Rosa Tyyskä mit dem Cyr-Ring ist es zum Beispiel so: Du kaufst eine Nummer, die steht mit der Musik. Nun musst du sie nur passend in das Programm einbauen." Während das Showteam, bestehend aus Berufstätigen, Schülern und Studenten, dreimal wöchentlich in Hannover trainiert, nutzen die asiatischen Künstler ihre sportlichen Fähigkeiten, um hauptberuflich als Turnkünstler zu arbeiten. Das Programm für die "2together"-Tour im nächsten Jahr steht zum Großteil bereits. Am 17. Januar 2017 kommen die Turnkünstler wieder nach Wetzlar. Bis dahin bleibt genug Zeit, die Eindrücke als Inspiration und Ansporn zu mehr sportlicher Aktivität zu nehmen.

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