Das 24:24-Unentschieden steht. Der Freiwurf bei abgelaufener Uhr von Magdeburgs Piotr Chrapkowski (3) überwindet das Wetzlarer Abwehr-Bollwerk mit Torhüter Tibor Ivanisevic dahinter nicht mehr. FOTO: VOGLER
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Das 24:24-Unentschieden steht. Der Freiwurf bei abgelaufener Uhr von Magdeburgs Piotr Chrapkowski (3) überwindet das Wetzlarer Abwehr-Bollwerk mit Torhüter Tibor Ivanisevic dahinter nicht mehr. FOTO: VOGLER

Handball

HSG Wetzlar: Ein Punkt der Moral

  • Daniela Pieth
    vonDaniela Pieth
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Die HSG Wetzlar hat dem SC Magdeburg nach einem 5:12-Rückstand noch ein 24:24-Unentschieden abgerungen - und damit einen Punkt der Moral unter den Weihnachtsbaum gelegt.

Wir sahen wie der sichere Verlierer aus", konstatierte Trainer Kai Wandschneider im Interview bei Sky nach dem 24:24 (10:12) seiner HSG Wetzlar in der Handball-Bundesliga, um nachzuschieben: "Ein Punkt gegen den SC Magdeburg ist toll, für unsere Verhältnisse richtig geil." Seine Mannschaft lag in der ersten Halbzeit fast schon am Boden und mit 5:12 zurück, bewies aber wieder einmal große Moral und Kampfgeist und hatte sich die Punkteteilung redlich verdient.

Das fast schon obligatorische Loch im Spiel der Wetzlarer tat sich bereits in der ersten Halbzeit auf. Nach der 4:3-Führung in der fünften Minute durch einen Siebenmeter von Maximilian Holst wollte den Grün-Weißen kaum mehr etwas gelingen. Entweder stand Yannick Green im Gehäuse der Gäste im Weg, leistete man sich Ballverluste im Spielaufbau oder rannte sich in der agilen Deckung der Magdeburger fest.

Der SCM hingegen spulte sein Pensum herunter und profitierte dabei von einer viel zu defensiv agierenden HSG-Abwehr. Omar Ingi Magnusson tanzte die Lindskog, Rubin und Co. ein ums andere Mal aus, traf im Anschluss am liebsten selbst oder schaffte somit Raum für seine Mitspieler.

Nach einer guten Viertelstunde hatte Trainer Wandschneider genug gesehen und zitierte seine Mannschaft beim Stand von 5:10 an die Seitenlinie. "Wacht mal auf", lautete der erste Appell, gefolgt von der Ermahnung, endlich mit Überzeugung am Spiel teilzunehmen. Der Schalter kippte bei den Grün-Weißen erst mit Verzögerung. Denn zunächst komplettierte der SCM seinen 9:1-Lauf und erhöhte in der 22. Minute auf 12:5. Zwei verwandelte Siebenmeter von Holst waren der Startschuss einer furiosen Aufholjagd der Wetzlarer, die in der Abwehr nun deutlich besser standen und vor allem die technischen Fehler der Magdeburger gnadenlos ausnutzten. Selbst eine Zeitstrafe gegen Ivan Srsen hielt die Gastgeber nicht davon ab, sich ein 10:12 zur Pause zu erkämpfen.

Viel dazu beigetragen hatte der nach 20 Minuten für Till Klimpke eingewechselte Tibor Ivanisevic im Tor, der in den letzten beiden Minuten vor der Pause zwei Bälle hielt. In der letzten Sekunde senste Lindskog den Ball weit über das Tor und verspielte somit den Ein-Tor-Rückstand. "Wir haben dort weiter Chancen, machen zwei, drei technische Fehler zu viel, vor allen Dingen auch im Gegenstoß, wo wir gleich wieder einen Konter bekommen", war SCM-Coach Bennet Wiegert frustriert ob der verspielten deutlichen Führung.

Im zweiten Durchgang knüpfte die HSG Wetzlar nahtlos an die erste Hälfte an und erarbeitete sich in der 39. Minute durch Stefan Cavor den 16:16-Ausgleich. Die Abwehr agierte sehr viel griffiger und trat früher auf die quirligen, im Eins-gegen-Eins starken Magdeburger Rückraumspieler heraus.

Jetzt war Spannung im Spiel und die Thermik auf dem Parkett nahm Fahrt auf. Bis zum 23:22 legten die Gäste regelmäßig vor, ehe es Lindskog in der 59. Minute gelang, per Gegenstoß die 24:23-Führung zu erzielen. In seiner zweiten Auszeit fünf Minuten zuvor hatte Wandschneider sein Team noch einmal kräftig aufgebaut: "Ihr seid richtig klasse, wir sind hier klar besser in der zweiten Halbzeit." Und er hielt, wie auch Wiegert, nicht damit hinter dem Berg, was er von der Leistung der beiden Unparteiischen hielt: "Wir werden hier verpfiffen. Sch… drauf!"

Beide Abwehrreihen lieferten sich einen Schlagabtausch am Rande des erlaubten. Und so hatte die HSG in der letzten Minute im Ballbesitz sogar die Chance, einen Sieg einzufahren. Doch die Anweisung Wandschneiders in die Eins-gegen-Eins-Situationen zu gehen, bekam seine Mannschaft nicht mehr auf die Platte, sondern verlor den Ball im Zeitspiel. Magdeburg hat mit einem direkten Freiwurf nach dem Schlusspfiff durch Piotr Chrapkowski zwar ebenfalls noch die Chance auf den Sieg, der Ball landete nach Blockberührung aber in den Armen von Ivanisevic.

"Wir haben leider in der zweiten Halbzeit nur noch eine Parade, deswegen kommen dann auch 14 Tore zustande", haderte Wiegert hinterher, während Wandschneider seine Erfolgsformel auf den Punkt brachte: "Die Wechsel Filip Mirkulovski, Philip Henningsson und Tibor Ivanisevic, das waren die Jungs, die das Signal zur Aufholjagd durch ihre Körpersprache, ihre Emotionen reingebracht haben."

HSG Wetzlar: Klimpke, Ivanisevic; Feld, Srsen, Henningsson, Björnsen (1), Mirkulovski, Weissgerber, Holst (8/5), Fredriksen, Forsell Schefvert, Gempp, Mellegard, Rubin (4), Lindskog (7), Cavor (4).

SC Magdeburg: Thulin, Green; Musa (2), Chrapkowski, Kluge, Steinert, Kristjansson, Pettersson (3), Magnusson (6/1), Hornke (4/4), Mertens (4), O’Sullivan (3), Bezjak (1), Damgaard, Preuss (1).

Im Stenogramm / Schiedsrichter: Köppl/Regner (Düsseldorf/Nieder-Olm). - Zeitstrafen: 10:12 Minuten. - Siebenmeter: 6/5:7/5.

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