Profiligen hoffen, ihr Programm durchziehen zu können

Auf dem Weg in das letzte Saisondrittel wird die Sorge in der 1. und 2. Handball-Bundesliga vor Coronainfektionen und -folgen größer, welche zur Folge hätten, dass der Spielbetrieb möglicherweise nicht regulär zu Ende geführt werden kann. Noch dazu kommen die gesundheitlichen Folgen für die Infizierten und teils unklaren Auswirkungen für die Betroffenen.

Ganz akut trifft die Corona-Pandemie vor allem den TuS Ferndorf. Mit erst 17 absolvierten von 36 Saisonspielen steht die zeitliche Durchführung der offenen Zweitliga-Partien stark auf der Kippe. Ab dem heutigen Dienstag stehen die entscheidenden medizinischen Untersuchungen an, denn die Mannschaft aus dem Siegerland befindet sich bereits in ihrer dritten Quarantäne. Besonders schwer wiegt die dritte Quarantäne, weil es den Kader mit voller Wucht erwischte. Acht Spieler und ein Mitglied des Betreuerstabes wurden Anfang März positiv getestet. »Alle Betroffenen hatten auch Symptome«, wie Dirk Stenger, einer von zwei Geschäftsführern des Vereins, mitteilt. Bis zum heutigen Tag befinden sich die betroffenen Personen nicht zurück im Trainingsbetrieb, dafür ist das Ergebnis der sportmedizinischen Untersuchungen ausschlaggebend. Das Positionspapier »Return to Sport« des Deutschen Olympischen Sportbundes zur Rückkehr in den Trainingsbetrieb sieht nach einer Infektion mit Symptomen eine sportmedizinische Untersuchung zwingend vor. Diese darf vierzehn Tage nach einer letztmals positiven Testung durchgeführt werden. Im schlimmsten Fall und schlechten Untersuchungsergebnissen droht dem betroffenen Spieler ein Sportverbot von mindestens drei Monaten!

Erstmals erwischte es den aktuellen Tabellen-18. der 2. Handball-Bundesliga Mitte Oktober 2020, als ein positiver Test zu einer Quarantäne-Anordnung des Gesundheitsamtes Siegen führte. Nach 14 Tagen durfte der TuS wieder in die Halle zurückkehren. »Saisonstart 2.0« nannte der Verein es damals. Unwissend, bereits eine Woche später wieder am selben Punkt zustehen. Ein »schwach positiver und mutmaßlich falsch-positiver Test« sorgte für die zweite Anordnung. Aufgrund des mutmaßlich falsch-positiven Verdachtes und den ansonsten negativ ausgefallenen Testergebnissen erteilte das Siegener Gesundheitsamt nach einwöchiger Quarantäne wieder die Freigabe. Beide Szenarien sind mit dem aktuellen jedoch nicht wirklich vergleichbar. »Wir haben Spieler, die nach fünf Minuten spazieren gehen pausieren müssen. Deshalb werden wir sehr behutsam auf alles achten und sind in ständigem Austausch«, berichtet Stenger weiter.

Zu den organisatorischen und gesundheitlichen Aufgaben gesellt sich auch die immer schwerer werdende sportliche Aufgabe. Mit noch 17 offenen Spielen, der Hoffnung auf einen Wiedereinstieg in den Ligabetrieb am 9. April gegen Hamm-Westfalen und einer Saison, die spätestens am 30. Juni enden soll, lässt sich leicht erahnen, was dort auf den TuS Ferndorf zukommt. In enger Abstimmung mit Andreas Wäschenbach, dem Leiter der Spielorganisation der Handball-Bundesliga, wurde nun ein Spielplan für die Ferndorfer inklusive der acht nachzuholenden Spiele erstellt, der mit den betroffenen Vereinen noch abgestimmt werden muss. Nach diesem hätte das Team von Trainer Robert Andersson ab dem 9. April 82 Tage bis zu besagtem 30. Juni, um die Saison regulär zu Ende zu bringen. Gleichbedeutend damit wäre aber, dass absolut keine Infektion mehr auftritt. Weder bei Ferndorf noch bei einem anderen Team.

Auch der mittelhessische Zweitligist TV 05/07 Hüttenberg hat am vorletzten Spieltag noch ein Duell gegen den TuS ausstehen. »Wenn du fünf Wochen komplett aus dem Training raus bist, besteht ein hohes Verletzungsrisiko. Das ist eine riesengroße Sorge unserer sportlich Verantwortlichen. Wir werden genau checken müssen, wer welche Belastung wie verträgt, wenn wir quasi im vier Tage-Rhythmus spielen müssen über fast zwei Monate«, gibt Stenger noch einmal Einblicke in die Gedanken der Verantwortlichen.

Neben dem TuS Ferndorf waren auch die SG BBM Bietigheim und der EHV Aue von teils mehreren Quarantäneanordnungen betroffen. Im schwersten Infektionsfall traf es den Cheftrainer des EHV Aue, Stephan Swat. Der 44-jährige musste im November im Auer Helius Klinikum für zwölf Tage ins künstliche Koma verlegt werden, verbrachte insgesamt 47 Tage auf der Intensivstation. Mit 20 Prozent bezifferten die Ärzte zwischenzeitlich seine Überlebenschance, inzwischen befindet er sich wiederholt in der Reha und zumindest zeitweise wieder im Kreise seiner Familie. Der Mitteldeutsche Rundfunk sprach vor zwei Wochen ausführlich mit ihm. Bereits Ende Oktober hatte es einen seiner Spieler mit einem positiven Befund getroffen, um dann vier Wochen später selbst mit zahlreichen anderen Spielern positiv getestet zu werden. Gleichbedeutend damit war die zweite von ebenfalls drei Quarantäneanordnungen während der laufenden Saison für das Team des EHV Aue. Insgesamt erwischte es 14 Spieler des EHV mit sehr unterschiedlichen Verläufen, zum Glück aller aber kein weiterer im Ausmaß dessen, was Trainer Swat erleben musste. Für ihn sprang ab Dezember Ex-Trainer Sigtryggsson ein, der - sollte Swat bis dahin vollständig genesen sein - vorerst bis Saisonende übernehmen soll. Unter diesem hat sich Aue auf Platz acht der Tabelle in eine komfortable Situation gebracht und kann - auf wie neben dem Feld - auf einige gewonnene Kämpfe zurückblicken in einer turbulenten und ungewöhnlichen Saison.

Es bleibt aus Sicht aller Liga- und Vereinsverantwortlichen zu hoffen, dass die aktuell steigenden Zahlen nicht auch auf die Liga überschwappen. Für den Fall, dass die Saison nicht wie geplant zu Ende durchgeführt werden kann, sieht die Liga aller Voraussicht nach vor, die Quotientenregelung anzuwenden, mit der dann eine Endtabelle erstellt werden soll. Bis es jedoch soweit ist, wird mit den bekannten Hygienekonzepten alles versucht werden, weitere Infektionen zu vermeiden. JONAS SPÄTH

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