Gießens Sportkreisvorsitzender Prof. Dr. Heinz Zielinski kandidiert 2021 für das Amt des Präsidenten des Landessportbundes Hessen. FOTO: IMAGO
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Gießens Sportkreisvorsitzender Prof. Dr. Heinz Zielinski kandidiert 2021 für das Amt des Präsidenten des Landessportbundes Hessen. FOTO: IMAGO

Landessportbund Hessen

Prof. Dr. Heinz Zielinski kandidiert 2021 für das Präsidentenamt

  • Ralf Waldschmidt
    vonRalf Waldschmidt
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Wachablösung an der Spitze des Landessportbundes Hessen. Im Sommer 2021 stellt Präsident Dr. Rolf Müller sein Amt zur Verfügung. Der Lindener Prof. Dr. Heinz Zielinski erklärt seine Kandidatur.

Seit dem Sportbundtag 1997 steht der ehemalige Studienrat Dr. Rolf Müller aus Gelnhausen an der Spitze der größten Personenvereinigung Hessens. Nach sieben Legislaturperioden soll 2021 Schluss sein für den 72-Jährigen, der bis 2014 auch Abgeordneter des Hessischen Landtags war.

Für die Nachfolge gibt es aktuell zwei Kandidaten. Zuerst hatte Juliane Kuhlmann, die Vorsitzende der Sportjugend Hessen, Anfang Oktober ihre präsidialen Ambitionen öffentlich gemacht. Die 42-jährige Diplom-Agraringenieurin aus Hammersbach in Südhessen gehört dem lsb h-Vorstand bereits seit 1999 an.

In dieser Woche hat sich auch Prof. Dr. Heinz Zielinski zu einer Kandidatur entschlossen. "Ich bin mir meines Alters durchaus bewusst", schiebt der 73-jährige Lindener gleich voran, "ich fühle mich aber fit, gesund und engagiert genug, um der Verantwortung dieser Position gerecht zu werden." Zielinski verfügt über jahrzehntelange nationale und internationale ehrenamtliche Erfahrung auf Vereins-, Sportkreis-, Verbands- und Stiftungsebene.

Welche Motivation haben Sie, für das Amt des Präsidenten des Landessportbundes Hessen zu kandidieren?

Zielinski: "Ich halte diese Aufgabe für die attraktivste im hessischen Sport überhaupt. Ich möchte meinen Beitrag dazu leisten, den Sport in Hessen gestalterisch von der Gegenwart in die Zukunft zu führen."

Welche Aufgaben inhaltlicher Art stellen sich?

Zielinski: "Den Sport in der Pandemie neu, d. h. anders aufzustellen, halte ich für eine notwendige und deshalb umso anspruchsvollere Aufgabe. Da gibt es Dutzende Themenbereiche wie z. B. den gegenseitigen Nutzen des organisierten und des nicht-organisierten Sportes aufzuzeigen. Die Förderung des Ehrenamtes einhergehend mit mehr Hauptamtlichkeit ist ebenfalls einer. Weitere Stichworte sind Finanzierungsfragen, neue Wege in der Zusammenarbeit der Vereine und die Nachwuchsförderung."

Welche Programmatik ergibt sich für Sie?

Zielinski: "Ich habe eine klare Programmvorstellung. Ich bin durch meine längjährige Tätigkeit im Präsidium ja mit allen Themenbereichen vertraut und aktiv an vielen Prozessen beteiligt. Ich bin überzeugt, die Sportkreisebene wieder stärken, die Vereinsförderung intensivieren sowie mehr für den Sportstättenbau und die Sportstättensanierung tun zu müssen. Das sind einige von vielen Dinge, die auf meiner Agenda stehen. Es gilt, sich auf der einen Seite seiner Kernaufgaben und der Basisarbeit zu besinnen; andererseits aber auch die Kraft des Sportes zu nutzen und ihn über seinen größten Verband stärker gegenüber der Politik zu positionieren."

Der Sportbundtag ist Mitte 2021, Corona noch immer Gegenwart. Welche Erkenntnisse haben sich für den Sport hierzulande aus nun fast acht Monaten Pandemie ergeben?

Zielinski: "Die große Bedeutung des Sportes im sozialen Sinne ist untermauert worden, der Vorbildcharakter des Sportes hat sich bestätigt. Das ist sehr positiv. Das andere aber, was wir beobachten, ist: wir haben und bekommen noch größere Schwierigkeiten im Ehrenamt. Wir haben zudem sehr unterschiedliche Entwicklungen in den Vereinen, von denen einige sehr fortschrittliche Angebote machen, andere sich damit aber schwer tun. Wir haben im Schulsport eher eine rückläufige Tendenz, mittlerweile liegt er erneut nahezu still. Da mache ich mir große Sorgen, dass hier immer weniger Sport in der Schule stattfindet. Bei den Mitgliedern sind wir im Moment noch gut aufgestellt, werden aber erst Anfang nächsten Jahre valide Zahlen haben, die uns sagen: bleiben die Leute im organisierten Sport, bleiben sie im Verein oder verlieren wird sie und sie machen individuell Sport. Dieser Trend könnte sich verstärken. Worüber ich mir aber die meisten Sorgen mache, ist der Wettkampfsport, insbesondere im Mannschaftsbereich. Da werden wir mit strukturellen Konsequenzen zu kämpfen haben, was die Anzahl der Spieler, der Mannschaften, der Vereine anbelangt, die Mannschaftssport betreiben wollen. Auch den Nachwuchs-Leistungssport sehe ich als ganz schwierigen Bereich, da immer öfter jungen Sportler und Sportlerinnen sagen: Ich mache jetzt was anderes. Ich komme auch ohne Leistungssport aus. Mein Fazit dieser außergewöhnlichen Zeit: Wir werden den Sport ab dem kommenden Frühjahr neu und anders aufstellen müssen. Wir werden viele Herausforderungen haben. Es wird wenig so sein, wie es vorher war."

Was muss sich ändern? Welche Lösungsansätze, welche Ideen gibt es? Kann der Sport der Politik eine Hilfestellung geben?

Zielinski: "Ich sehe das nicht nur negativ. In einer Krise steckt immer eine Chance. Das gilt auch für den Sport. Wir werden neue Wege in der Zusammenarbeit der Vereine gehen, die Verwaltung professionalisieren müssen. Auch mehr Kooperationen, was die Angebote betrifft, muss es geben. Online- und Präsenzangebote werden durch die Bank überdacht und neu justiert werden müssen. Wir werden aus dieser Krise neue Ideen und Modelle entwickeln müssen, da führt kein Weg vorbei. Es darf dabei auch keine Denkverbote geben."

Muss der Sport bei all den Problemstellen auf die Politik zugehen?

Zielinski: "Wir müssen aus der Sicht des Sportes unsere Kompetenz einbringen. Wir müssen die Power unserer zwei Millionen Mitglieder in Hessen bzw. der 100 000 Mitglieder im Sportkreis nutzen. Die Politik wird diese Kompetenz nicht einfordern, wir müssen sie aktiv einbringen."

Welche Prozesse müssen hauptsächlich vorangetrieben werden?

Zielinski: "Der Prozess, mehr Aufgaben aus dem Ehrenamt in das Hauptamt zu verlagern, muss beschleunigt werden. Auf allen Ebenen. Diesen Vorgang müssen wir aktiv aufnehmen und weiterentwickeln."

Lässt sich das überhaupt finanzieren?

Zielinski: "Es wird kurzfristig höherer Finanzmittel und Investitionen bedürfen, mittelfristig wird das eher entlasten. Wenn es uns durch die Digitalisierung gelingt, Arbeitsprozesse zu vereinfachen, wird sich das langfristig wirtschaftlich positiv auswirken."

Mit welchem Zeitraum rechnen sie für die Umsetzung?

Zielinski: "Ich würde dafür mindestens einmal fünf Jahre veranschlagen. Bei der Digitalisierung muss ich selbstkritisch sagen, da ist der Sport ein schwer zu manövrierender Tanker. Veränderungen durchzuführen wird dauern, da sind wird eher schwerfällig."

Aber die Jugendoffensive auf vielen administrativen Ebenen ist ja schon lange gestartet.

Zielinski: "Ja. Diese werden wir auch fortsetzen. Jugend, Nachwuchs im Ehrenamt - das ist schon heute einer unserer Schwerpunkte für die Zukunft des Sportes."

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