Statt eines Heimspiels gegen die HSG Wetzlar in der Weidig-Sporthalle müssen die SG Kleenheim und Trainer Johannes Wohlrab nach Coburg fahren, um gegen den Nachbarn aus Mittelhessen die erste Runde im DHB-Pokal zu absolvieren. 	(Foto: ras)
+
Statt eines Heimspiels gegen die HSG Wetzlar in der Weidig-Sporthalle müssen die SG Kleenheim und Trainer Johannes Wohlrab nach Coburg fahren, um gegen den Nachbarn aus Mittelhessen die erste Runde im DHB-Pokal zu absolvieren. (Foto: ras)

Pokalmodus der Handballer wird zum Bumerang

(sid/fk) Die Großen stöhnen, die Kleinen motzen: Die Reform des DHB-Pokals stößt vielen Vereinen übel auf. Während die Topklubs über die zusätzliche Belastung im ohnehin schon proppevollen Terminkalender klagen, verzichten unterklassige Teams wegen des hohen wirtschaftlichen Risikos auf ihr Heimrecht und kritisieren die sportliche Chancenlosigkeit.

So wird der neue Modus für die Handball-Bundesliga (HBL) schon vor der 1. Runde zum Bumerang.

»Schon in der Champions League kommen mehr Begegnungen auf uns zu, jetzt auch im Pokal. Die seit Jahren angestrebte Entlastung der Spieler bekommen wir so nicht hin«, sagte Manager Lars Lamadé vom deutschen Vizemeister Rhein-Neckar Löwen dem »Mannheimer Morgen«. Grundsätzlich stehe man der Neuerung zwar offen gegenüber. »Aber ich sehe die Reform eben auch mit einem weinenden Auge.«

In der Vergangenheit reichten den Spitzenklubs dank eines Freiloses in der ersten Runde drei Siege für den Einzug ins Final Four in Hamburg – jetzt sind es vier. »Dass wir als Champions-League-Teilnehmer nicht glücklich über weitere Spiele in unserem ohnehin überfüllten Kalender sind, ist sicher allen klar«, sagte Geschäftsführer Thorsten Storm vom Branchenprimus THW Kiel dem Blatt. Allerdings hätte man die Diskussion führen müssen, als der neue Modus beschlossen wurde, und nicht jetzt nach der Auslosung, so Storm.

Vor allem bei den kleinen Vereinen herrscht Skepsis und auch Enttäuschung vor: »Für uns Amateurvereine ist der neue Modus ziemlich schwierig, da er mit hohen Kosten verbunden ist. Ich denke, auch für die Drittligisten wäre es schöner, Heimrecht zu haben«, erklärte Johannes Wohlrab, Trainer des Oberligisten SG Kleenheim, der mit seiner Truppe in Coburg auf Nachbar HSG Wetzlar trifft. Wirtschaftlich eine ganz bittere Pille für die Kleenheimer, auf die nun statt Zuschauereinnahmen Fahrt- und Übernachtungskosten zukommen.

»Der Modus führt dazu, dass die Drittligisten zu 99 Prozent in Runde eins ausscheiden – und das nun sogar noch ohne die Chance zu haben, eine volle eigene Halle zu haben, wie wir sie mit unserem Los gegen Lemgo sicherlich gehabt hätten«, sagte indes Holger Löhr, sportlicher Leiter des Drittligisten SG Leutershausen.

Der frühere Nationalspieler, der mit Leutershausen im 450 Kilometer entfernten Aue (Zweitligisten haben Heimrecht) gegen den Erstligisten TBV Lemgo antreten muss, spricht den vielen unterklassigen Klubs aus der Seele. Weil die 1. Runde in diesem Jahr erstmals in Form von 16 Final-Four-Turnieren (15./16. August) ausgespielt wird, in denen sich nur die Sieger für das Achtelfinale qualifizieren, tendieren die Chancen der Außenseiter auf ein Weiterkommen gegen null. Schon in der Runde der letzten 16 dürften die Bundesligisten unter sich sein.

Zusätzlicher Kritikpunkt ist der fehlende finanzielle Anreiz der Austragung des Vierer-turniers. Mit dem SV Henstedt-Ulzburg, dem VfL Bad Schwartau und dem TV Neuhausen haben bereits drei Zweitligisten als Gastgeber zurückgezogen. Auch Zweitliga-Absteiger TV Hüttenberg, nach Neuhausen mit Austragungsrecht »gesegnet«, hat bereits abgesagt. Angesichts der erheblichen Fixkosten (u. a. erhält jeder Gastverein zwei Euro Fahrtkosten pro gefahrenen Kilometer) werden wohl noch weitere Vereine folgen.

Trotz aller Kritik – die HBL verteidigt die Reform, die vor allem die Attraktivität des Pokalwettbewerbes für Klubs, Fans und Medien erhöhen soll, vehement. »Wir sehen den neuen Modus nicht als gescheitert an«, sagte HBL-Geschäftsführer Frank Bohmann.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare