Ganz stark: Benjamin Lischka überzeugt beim 77:67-Sieg der Gießen 46ers in Chemnitz unter anderem mit 13 Punkten und sieben Rebounds. Hier zieht er an Walter Simon (l.) vorbei. (Foto: Seidel)
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Ganz stark: Benjamin Lischka überzeugt beim 77:67-Sieg der Gießen 46ers in Chemnitz unter anderem mit 13 Punkten und sieben Rebounds. Hier zieht er an Walter Simon (l.) vorbei. (Foto: Seidel)

Der Plan der Gießen 46ers geht in Chemnitz auf

(mv) Mit einem Sieg sind die Basketballer der Gießen 46ers in das Jahr 2015 und zeitgleich auch in die Rückrunde der 2. Basketball-Bundesliga ProA gestartet. Bei den Chemnitz 99ers feierten TJ DiLeo, Björn Schoo und Co. einen 77:67 (37:36)-Auswärtserfolg – und das, obwohl mit Besnik Bekteshi (Patellasehne) und Neuzugang Aaron Hawley (fehlende Spielberechtigung) zwei wichtige Spieler nur zusehen konnten.

So richtig glücklich wirkte Denis Wucherer, der Cheftrainer der 46ers, am Sonntag nicht. Das hatte nur bedingt mit der Leistung seiner Mannschaft am Vortag in Chemnitz zu tun; vielmehr lag es am Gesundheitszustand des 41-Jährigen, der die Reise nach Sachsen gesund angetreten und mit Erkältungssymptomen zurückgekehrt war. Doch auch bei der Bewertung des Spieles an sich grummelte Wucherer etwas: "Das war standesgemäß – obwohl ich dieses Wort gar nicht gern verwende", analysierte der Headcoach den Auftritt seiner Schützlinge. "Wir sind als Favorit da hingefahren und haben dann das erwartete Resultat geholt." Gegen den Tabellen-13. der ProA taten sich die 46ers in der ersten Hälfte dennoch schwer, was für Gießens Trainer nicht überraschend kam: "Die Trainingswoche war alles andere als optimal nach der Woche Weihnachtsurlaub, und so lief die erste Halbzeit entsprechend. Jeder hat sein eigenes Ding durchgezogen, wir haben ungeduldig gespielt und konnten froh sein, dass es zur Halbzeit noch so ausgeglichen war – das hätte da auch schon anders aussehen können. Uns fehlte da der Rhythmus."

Die Freiwürfe zur knappen Pausenführung kamen ausgerechnet vom letztjährigen Chemnitzer Eric James Palm: Dem Guard war allerdings über weite Strecken des Spiels die Aufregung deutlich anzumerken. "Bei so einer Rückkehr an eine alte Wirkungsstätte ist es meistens entweder genial oder ein Desaster. In den ersten drei Vierteln sah das bei Eric eher nach letzterem aus, er wollte viel, war aufgedreht und voller Emotionen – da kannst du dann auch als Coach wenig machen. Er musste aufgrund unserer Personalsituation viel spielen, und im Schlussviertel haben wir es dann auch geschafft, ihn in gute Positionen zu bringen, sodass er das Spiel für sich drehen konnte." Fünf Punkte von Palm waren es, die Gießen eine 64:57-Führung einbrachten (33.) und den 46ers erstmals ein kleines Polster verschafften.

Vor allem die großen Spieler der Wucherer-Truppe überzeugten am Samstagabend: Björn Schoo kratzte mit 14 Punkten und neun Rebounds an einem Double-Double, Benjamin Lischka zeigte mit 13 Zählern und sieben eingesammelten Abprallern seine vielleicht beste Saisonleistung. und Jonathan Malu blieb zwar punktlos, konnte sich aber immerhin sieben Abpraller sichern. Das Spiel über die großen Positionen war von Anfang an von Wucherer vorgesehen, hatte der Gießener Trainer doch bereits im Vorfeld dort die Schwachstelle des Chemnitzer Kaders ausgemacht: "Es ist vieles so eingetreten, wie wir das im Vorfeld geplant hatten: Dass uns in der ersten Hälfte noch der Rhythmus fehlen würde, dass wir am Brett Vorteile haben würden – wir haben mit Björn aus der Halbdistanz und Benni direkt am Brett agiert, das hat vor allem in der zweiten Halbzeit gut geklappt."

Unterdessen steht für 46ers-Pointguard Besnik Bekteshi am heutigen Montag ein weiterer Arzttermin an, der endgültige Klarheit über die Verletzung des 21-Jährigen bringen soll. "Der Rehaplan mit Kräftigungsübungen von unserem Physiotherapeuten Lukas Lai steht soweit. Wir rechnen derzeit mit zwei bis drei Wochen Ausfall und hoffen, dass Besnik danach wieder schmerzfrei ist. Aber das endgültige Okay von unserem Doc steht da noch aus", so Wucherer. Früher, nämlich schon in der kommenden Woche, soll Neuzugang Aaron Hawley auf dem Osthallenparkett stehen. Bis zur Partie in Chemnitz lagen noch nicht alle Unterlagen, die für die Erteilung der Spielerlaubnis benötigt werden (dazu gehören unter anderem die Arbeitserlaubnis, Freigabe der US-Collegeliga NCAA und weiteres) vor, sodass der Flügelspieler nur von der Bank aus sein erstes Spiel als 46ers-Spieler verfolgen konnte. "Ich gehe davon aus, dass das bis zum Sonntag geregelt ist – alles andere wäre doch sehr ungewöhnlich", sagte Wucherer.

Für die Partie gegen die Kirchheim Knights, die – wie alle ProA-Spiele am kommenden Wochenende – zum ungewohnten Termin am Sonntag um 17 Uhr stattfinden wird, hofft Gießens Trainer selbst auch wieder völlig fit zu sein. Sollten allerdings wieder zwei Punkte dabei herausspringen, wird auch Denis Wucherer über einen kleinen Schnupfen hinwegsehen können – und vielleicht auch seinen Frieden mit dem Wörtchen "standesgemä? machen.

Gießen 46ers: Marhold (3), Bilski, Polas Bartolo (12), DiLeo (8), Palm (12), Lischka (13), Malu, Wells (15), Schoo (14).

Chemnitz 99ers: Wilson (10), Matthews (14), Mixich (7), Heide (n.e.), Calvin (8), Simon (5), Bassl, Osborne (2), Knutson (16), Bellscheidt (3), Cardenas (2).

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