Paulding kontra Lischka

(mv) Wer nicht weiß, dass die Ewe Baskets Oldenburg inzwischen zu den Teams mit dem größten Etat der Basketball-Bundesliga gehören, muss seine Augen vor der Realität verschließen. Neben Topspielern wie Jason Gardner und Ruben Boumtje Boumtje sticht vor allem Flügelspieler Rickey Paulding ins Auge. Doch auch er muss am heutigen Samstag um 20 Uhr in der Gießener Osthalle erst beweisen, dass er besser ist als der ebenfalls auf der Drei spielende 46ers-Youngster Johannes Lischka.

(mv) Wer nicht weiß, dass die Ewe Baskets Oldenburg inzwischen zu den Teams mit dem größten Etat der Basketball-Bundesliga gehören, muss seine Augen vor der Realität verschließen. Neben Topspielern wie Jason Gardner und Ruben Boumtje Boumtje sticht vor allem Flügelspieler Rickey Paulding ins Auge. Doch auch er muss am heutigen Samstag um 20 Uhr in der Gießener Osthalle erst beweisen, dass er besser ist als der ebenfalls auf der Drei spielende 46ers-Youngster Johannes Lischka.

Als die Niedersachsen 2007 bekannt gaben, Paulding für drei Jahre unter Vertrag genommen zu haben, weiteten sich bei vielen Fans und Experten die Augen. Der Forward, der 2004 von den Detroit Pistons in der zweiten Runde des NBA-Drafts gezogen worden war und seitdem bei Teams wie Hapoel Jerusalem und Asvel Lyon-Villeurbanne gespielt hatte, war damals der Auftakt des Aufrüstens in Oldenburg und wurde allgemein als Zeichen zum Angriff gewertet.

Als die LTi Gießen 46ers drei Monate vorher bekannt gegeben hatten, dass sie Youngster Johannes Lischka ebenfalls bis zum Ende der Saison 2009/2010 unter Vertrag genommen hatten, wurde dies eher nur zur Kenntnis genommen. Es erschien logisch, dass der amtierende Nachwuchsspieler des Jahres der zweiten Liga nun den nächsten Schritt in Richtung Erstligabasketball machen müsste. Der damalige 46ers-Headcoach Thorsten Leibenath kommentierte die Verpflichtung mit den Worten: "Johannes hat in der abgelaufenen Saison eindrucksvoll unter Beweis gestellt, dass er in seiner Altersklasse zu den besten Spielern in Deutschland gehört. Er macht jetzt den nächsten Schritt in seiner Entwicklung."

Bereits vor seinem Abgang in den Profibasketball konnte Paulding überzeugen. Nach seiner Highschoolzeit in Detroit (Michigan) ging der 1,96 m große Flügelspieler an die University of Missouri, die sich in der Folgezeit zum Ausgangpunkt vieler BBL-Karrieren entwickelte: Unter anderem spielte Paulding bei den Tigers mit Jason Conley (Telekom Baskets Bonn), Jimmy McKinney (Skyliners Frankfurt) sowie den heutigen NBA-Profis Kareem Rush (Philadelphia 76ers) und Kenyon Dooling (New Jersey Nets) zusammen.

Doch Anführer des Teams war Paulding, der in seinem dritten Jahr am College in der zweiten Runde des NCAA-Turniers überragende 37 Punkte gegen den späteren NBA-Star Dwyane Wade erzielte, aber zusehen musste, wie Wade und sein Team einen 101:92-Sieg nach Verlängerung einfuhren. Anstatt sich direkt für den Draft anzumelden, entschied sich Paulding für eine weitere Saison an der Universität - im Nachhinein wohl eine Entscheidung, die eine NBA-Karriere eher behinderte.

Nachdem "Jo" Lischka bereits in jungen Jahren für die Regionalligamannschaft des VfB 1900 Gießen für Furore gesorgt hatte, ging der Forward 2005 zum TV Lich in die zweite Bundesliga. Schnell entwickelte sich Lischka zu einem der Topspieler des Teams und erzielte bereits in seiner zweiten Saison 15,7 Punkte und 9,4 Rebounds im Schnitt. Herausragende Werte für einen 20-Jährigen, die 2007 mit dem Erstligavertrag in Gießen belohnt wurden.

Nachdem ihn das Team aus seiner Heimatstadt nach der Summer League nicht für gut genug befunden hatte, ging Paulding zunächst nach Israel, wo er im Uleb-Cup und der Liga gute Statistiken auflegte. Nach einem Jahr in Lyon wechselte der Amerikaner zu Gravelines, ebenfalls in Frankreich, bevor er in Oldenburg anheuerte. Bereits in seiner ersten Saison wurde der mit viel Athletik ausgestattete Paulding Allstar und erzielte durchschnittlich knapp 13 Punkte und fast vier Rebounds pro Spiel. Entsprechend groß war die Freude an der Hunte, als er bekannt gab, seine Ausstiegsklausel nach dem ersten Jahr in Oldenburg nicht zu nutzen. Auch 2009 lief Paulding wieder als Allstar in der SAP-Arena in Mannheim auf.

Für Johannes Lischka war die erste BBL-Saison ungleich schwerer. Hinter Rouven Roessler und Seamus Boxley kam er von der Bank, konnte sich aber mit Auftritten wie den 16 Zählern in Quakenbrück oder den elf Punkten im Heimspiel gegen Alba auch einige Überraschungsmomente sichern. Den Titel des "Rookie des Jahres" holte sich Kölns Phillip Schwethelm, Lischka ging leer aus, startete aber herausragend in die Saison 2008/2009. Gleich im ersten Spiel netzte er elf Punkte ein, Gegner: Die Ewe Baskets Oldenburg.

Wenn am Samstag um 20 Uhr das Spiel beginnt, dürfte Ricky Paulding also gewarnt sein: Gegen den blonden Youngster, mit dem er vielleicht mehr gemeinsam hat, als er denkt, werden 80 Prozent Einsatz nicht reichen.

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