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Fabian Hambüchen, überzeugter Cross-Fitter. FOTO: PV

Kraft- und Ausdauersport

Olympiasieger Hambüchen überzeugter Cross-Fitter

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Reck-Olympiasieger Fabian Hambüchen hat sich während Corona zu Hause in Wetzlar lange in seiner "Box" cross-fit gehalten.

Ein, zwei Tage war Fabian Hambüchen etwas zittrig, er wusste daheim, in seinem Haus nahe Wetzlar, in den Tagen nach dem Shutdown kaum etwas mit sich anzufangen. Geplant waren für 2020: Ein großer Job als TV-Experte bei den Olympischen Spielen, dazu zahlreiche Motivationsvorträge vor bis zu 1000 Personen. Geblieben davon ist: Erst mal wenig.

"Komplett durcheinander gewirbelt hat es meinen Jahresplan", erzählt der 32-Jährige. Aber weil Hambüchen niemand ist, der gerne die Füße still hält, fuhr er noch mal schnell in die Turnhalle. Ein paar Hanteln, dazu das eine oder andere kleine Trainingsutensil borgte er sich, damit er ausgerüstet war. "Fitnessstudio" nennt er der Raum mit Terrasse in seinem Eigenheim. Man kann aber auch "Box" sagen - wenn man weiß, was Hambüchen dort so treibt.

"Ich gehe jeden Tag an meine Grenze. Eine Stunde Training - und danach bin ich zerstört", sagt der Reck-Olympiasieger. Man kann ihm das glauben, denn Hambüchen macht doch mehr als der normale Freizeitsportler, er hat sich vom Weltklasse-Turner zu einem ambitionierten Cross-Fit-Athleten entwickelt. "Ja, ich habe den Sport nach dem Sport gefunden", sagt er, also die Aktivität, für die er Tag für Tag gerne seinen inneren Schweinehund überwindet. Natürlich hat er in diesem Sport, der gerne als "das härteste Workout der Welt" bezeichnet und von Millionen Deutschen in tausenden Trainings-Boxen betrieben wird, Lieblingsübungen und solche, die ihm nicht sonderlich gut liegen. "Dass man aber so schnell Fortschritte macht, spornt mich an", sagt er.

Mehr Muskeln

Besondere Herausforderung: Kniebeugen mit der Langhantel, bis zu 120 Kilo lädt Hambüchen da auf. Nicht überall profitiert er von Schnellkraft und Körperbeherrschung, einige Übungen muss er sich erarbeiten. Trotzdem hat der einstige Vorturner "das Gefühl, dass ich körperlich noch ausgeglichener bin als bisher in meinem Leben". Er bringt mehr Gewicht auf die Waage, aber das gehört dazu, wenn man Muskeln aufbaut. Noch mehr Muskeln.

Wenn Hambüchen erzählt, merkt man, wie sehr er sich für diesen Sport begeistert. Er spricht von "Liebe auf den ersten Blick" in jenem Moment, als er eigentlich nur für ein Fotoshooting in einer Cross-Fit-Box zu Gast war. Die Athleten dort beeindruckten ihn, er suchte sich also eine Anlaufstelle in der Nähe seines gemeinsam mit Bruder Christian gebauten Doppelhauses. Als er nach der ersten Einheit "mausetot am Boden lag", fragte er den Inhaber: "Wo kann ich unterschreiben?" Der tägliche Gang in die Box wurde so selbstverständlich wie das Training in der Turnhalle.

In den vergangenen Wochen war alles geschlossen, sowohl Box als auch Turnhalle. Hambüchen sah sich aber als "privilegiert" an, weil er zu Hause für sich (und manchmal mit Bruder und Schwägerin) trainieren konnte. Die Trainingspläne seines Coaches hat er strikt befolgt, auch wenn Übungen dabei waren, die er nicht so gerne macht. Und seit ein paar Tagen ist das Leben sowieso wieder ein bisschen normaler: Nach der Turnhalle in Wetzlar machte auch die Box wieder auf.

Hambüchen wird vor Ort sein, sein "Homeoffice" mal verlassen. Und er freut sich genauso wie auf jenen Moment, an dem er gemeinsam mit den leistungsorientierten Sportlern wieder seine geliebte Turnhalle betreten konnte. Daheim trainieren ist auch effektiv, "aber", sagt Hambüchen, "wenn ich aber sehe, mit was für einem Strahlen die Kleineren in die Halle kamen, dann ist das schon noch mal etwas anderes". Da spricht der Vereinssportler aus ihm, der klassische Turner.

Die rund 90 000 Sportvereine in Deutschland bezeichnet er als "Heimat für viele Menschen, ein Stück Familie". Und er hat es sich zur Aufgabe gemacht, sie zu unterstützen. Gemeinsam mit unter anderem Katharina Witt, Britta Heidemann, Kristina Vogel und Boris Becker steht er für die Kampagne "Support your Sport" des DOSB. Die ehemaligen Stars erinnern daran, wo ihre Erfolge begonnen haben - und rufen zu Solidarität und Unterstützung auf.

Hambüchen hat keine Angst, dass "die Bindung der Menschen zu den Vereinen abbricht", je länger der Breitensport in den Vereinen ruht. Aber ihn umtreibt die Sorge, "dass sie finanziell in Schieflage geraten". Sein Sport ist da anders verortet als zum Beispiel der Fußball, auf den Hambüchen aber nicht neidisch blickt: "Irgendwo muss man anfangen. Und Fußball ist Nummer eins in Deutschland." Er will also helfen, wo er helfen kann. Für ihn steht auch außer Frage, dass er seine Box-Beiträge aus den letzten Monaten lückenlos bezahlt - obwohl er im "Homeoffice" war. Hanna Raif

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