Die Siegerfaust beim überragenden Benjamin Lischka, der nach dem 74:69 gegen den MBC das Bad in der Menge genießt. 	(Foto: Vogler)
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Die Siegerfaust beim überragenden Benjamin Lischka, der nach dem 74:69 gegen den MBC das Bad in der Menge genießt. (Foto: Vogler)

Olaseni und Lischka bärenstark beim 74:69 der 46ers

(gae) Als Benjamin Lischka seinem Teamkollegen Gabriel Olaseni die Buchstaben der »Humba« ins Ohr flüsterte, standen die beiden Brettspieler der Gießen 46ers wieder im Rampenlicht. Wie zuvor beim hart umkämpften 74:69 gegen den Mitteldeutschen BC.

Die Gießen 46ers mussten gestern Abend Schwerstarbeit verrichten. Erst in den letzten Sekunden gab sich der Mitteldeutsche BC vor 3385 Zuschauern in der Osthalle mit 69:74 (39:38) geschlagen. Bei den Lahnstädtern ragten Gabriel Olaseni mit einem Double-Double (21 Punkte/13 Rebounds) und Benjamin Lischka mit seinem unbändigen Siegeswillen heraus. Zwei Tage vor Weihnachten erlebten die 46ers-Fans eine Achterbahn der Gefühle, aber auch der Leistungen.

»Wir müssen so schnell wie möglich unseren Rhythmus in der Offensive finden«, sagte der sich in Reha befindende TJ DiLeo kurz vor dem Spiel. Und als hätte der Kapitän der 46ers die Probleme erahnt, denn seine Teamkollegen übertrafen sich im ersten Durchgang an Harmlosigkeit im Angriff und im Vorbeiwerfen. Nach acht Angriffen ohne Punkte erlöste Powerforward Lischka endlich die stehenden Zuschauer: Der Langgönser traf beide Freiwürfe zum 2:10. Da waren knapp sechs Minuten Spielzeit schon vorbei. Das Highlight des mit mehr Lowlights gespickten ersten Viertels war aber das Auswechseln aller fünf 46ers-Starter in der vierten Minute. Spätestens zu diesem Zeitpunkt hatte Coach Denis Wucherer die Schnauze voll von dem völlig misslungenen und verkrampften Auftritt von Karsten Tadda, Braydon Hobbs, Gabriel Olaseni, Suleiman Braimoh und Yorman Polas Bartolo.

Großartige Besserung trat aber nicht ein. Erst in der achten Minute erzielte Braimoh die ersten Punkte aus dem Feld für die 46ers, die mit dem 8:19 das Katastrophenviertel beendeten. Zwischenzeitlich hatte der angesäuerte Wucherer ins Feld gebrüllt: »Ihr müsst mehr miteinander reden!«

Das hatten sich seine »Jungs« zu Herzen genommen, die nun fokussierter und vor allem treffsicherer zurückkehrten. Der Dreier des stärker werdenden Tadda zum 23:31 (15.) startete eine furiose Aufholjagd der Gießener, die die Zuschauer immer wieder von ihren Sitzen riss. Nun klappten auch die Anspiele. Jetzt stand ein Team auf dem Feld, das an sich glaubte. Allen voran Energizer Lischka, der erst unter dem tosenden Beifall zum 25:34 per Dunking abschloss und anschließend noch ein Drei-Punkt-Spiel nachlegte. Den Sonderapplaus hatte sich der Langgönser redlich vedient, als er für Ethan Wragge weichen musste. Nun stand die Osthalle Kopf – und die 46ers spielten sich in einen wahren Rausch, den der bärenstarke Center Olaseni mit einem beidhändigen Dunking zum 38:39 beendete.

Begeistert von den zweiten zehn Minuten der 46ers waren nicht nur die sich dem Moderator von »Telekom-Basketball« zur Halbzeitanalyse stellenden Volker Bouffier (Hessischer Ministerpräsident) und Heiko Schelberg (46ers-Geschäftsführer).

Die Pause war aber nicht gut für die 46ers, die zu Beginn des dritten Viertels erneut nicht ihren Rhythmus im Angriff fanden. Dafür lief es aber in der Defensive, in der Tadda und Co. die Intensität erhöhten und Ballgewinne verzeichneten. Das Miteinander vorne wie hinten wurde gekrönt durch die erste Führung der 46ers, als Palm den zum Korb schneidenden Bartolo mustergültig bediente und er das 46:45 erzielte (25.). Lischka, wer sonst, erhöhte auf 48:25 (27.). Doch der MBC ließ nicht locker, sodass es mit dem 53:53 in die finalen zehn Minuten ging.

Dort waren die Weißenfelser den Gießenern vorerst immer einen kleinen Schritt voraus, ehe der große Auftritt von Olaseni folgte. Sechs »Bigpoints« hintereinander des 2,08-m-Mannes – und es stand auf einmal 64:61 (36.) für die 46ers, die das Momentum zu haben schienen. Doch der MBC legte nach, vor allem durch den oft mit Skyhook agierenden Chris Otule und die gefährlichen Schützen Marcus Hatten und Nikola Dragovic, sodass ein Herzschlagfinale anstand. Beim 72:69-Vorsprung und Ball MBC entschied sich Wucherer für das Verteidigen des Dreiers. Hatten verwarf dann auch diesen, sodass Tadda an der Linie den Sieg perfekt machte. Überglücklich war Benjamin Lischka: »Ich habe probiert, alles zu geben, weil es ein ganz wichtiges Spiel für uns war. Ich habe versucht, unsere Leute mit meiner Energie wachzurütteln.« Und Coach Wucherer fügte hinzu: »Mich hat das erste Viertel nicht wirklich überrascht, die letzten Spiele haben uns verunsichert. Die Art und Weise, mit der wir dann aber zurückgekommen sind und gekämpft haben, wie Gabriel und Benni am Brett gearbeitet haben, war richtig gut. Das macht mich sehr glücklich.«

Zeit zur Besinnung haben die Mannen von Trainer Wucherer nicht. Bereits am Sonntag geht es nach Bonn zu den Baskets, die gestern ihren Trainer Mathias Fischer, der in der Saison 2012/13 mit den 46ers abgestiegen war, entlassen haben. Eine Trainingspause gibt es auch nicht. Der Coach bittet jeden Tag zu den Einheiten, am 24. um 11, am 25. um 17 und am 26. um 12 Uhr – damit am 27. wieder gefeiert werden kann...

Gießen: Hobbs (10), Olaseni (21), Tadda (10), Bartolo (7), Braimoh (6), Wells (5), Lischka (11), Palm (4), Wragge, Zazai, Schoo.

Mitteldeutscher BC: Hatten (11), Massenat (5), Thomas (10), Otule (13), Johnson (8), Dragovic (13), Jeter (4), Haukohl (5), Zinn.

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