Umtriebig auch mit 79 Jahren: Erwin Mengel, Ansprechpartner für Schule und Verein im Sportkreis Vogelsberg. FOTO: PM
+
Umtriebig auch mit 79 Jahren: Erwin Mengel, Ansprechpartner für Schule und Verein im Sportkreis Vogelsberg. FOTO: PM

ERWIN MENGEL

Offen sein für Kooperationen

  • Michael Schüssler
    vonMichael Schüssler
    schließen

Dass Sport unverzichtbar ist für die Gesellschaft, ist nichts Neues. Erster Anlaufpunkt sind die Vereine, die alle möglichen Sportarten anbieten. Aber es gibt außerdem auch Kooperationen zwischen Schulen und Vereinen. Davon profitieren beide.

In den letzten Jahren haben sich vermehrt Stimmen gemeldet, die sich mehr Sport in den Schulen wünschen. Die Kinder und Jugendlichen würden sich insgesamt zu wenig bewegen - Abhilfe soll her. Zumal auch die Vereine von solch einer Zusammenarbeit profitieren. Ein Instrument dafür ist der jeweilige Sportkreis. Wir haben mit Erwin Mengel (Schotten) gesprochen, der quasi als Bindeglied zwischen Schule und Verein dient.

Herr Mengel, seit wann sind Sie für den Sportkreis Vogelsberg tätig?

Seit 2006, ich war aber vor der Auflösung von Büdingen (Schotten nach Lauterbach) bereits Schriftführer im Sportkreis Büdingen von 1966 bis 1968.

Sie sind Ansprechpartner für Schule und Verein, Marketing. Was genau ist Ihre Aufgabe?

In Sachen Marketing habe ich die Flyer mit den Vorstandskollegen und ihren Aufgabenfeldern, den Terminkalender, das Werbeprospekt für den Spiele-Anhänger plus Plakate, die großen Werbe-Flags und Rollos des Sportkreises entworfen. Zudem habe ich die Facebook-Seite des Sportkreises mit Fotos und Berichten bis vor drei Monaten betreut, die vorletzte Webseite mitgestaltet und -gepflegt, den Messestand des Sportkreises entworfen und organisiert, die Präsentationen für die Sportlerehrungen erstellt. Ebenso die Präsentationen mit vielen Sportbildern bei der Herbstmesse, Präsentation mit Fotos und Ablaufplan für die Sportkreistage, Berichte mit Bildern für "Sport in Hessen" oder auch Zeitungen. Bei Schule und Verein informiere ich die Vereine über die Möglichkeiten von Kooperationen, Antragstellung, "kämpfe" bei den alljährlichen Sitzungen im Staatlichen Schulamt in Gießen, um möglichst viele Genehmigungen für den Sportkreis Vogelsberg zu erzielen. Auch für die Informationen bei Sitzungen von Schulsportleiter/innen über Sinn und Zweck der Kooperationen von Vereinen mit den Schulen bin ich Ansprechpartner. So haben wir einen Crosslauf in Schotten mit perfekter Zeitnahme für die Schulen in der Region Schotten (300 Teilnehmer/innen) - das Ganze auch für die 6. bis 9. Klassen des Sportkreises Vogelsberg - vor ein paar Jahren in Homberg organisiert. Die genehmigten Kooperationen wurden in der Vergangenheit auch hin und wieder von mir besucht, um mir ein Bild von der jeweiligen Arbeit vor Ort zu machen.

Auf der Homepage des Sportkreises Vogelsberg ist zu lesen: "Die Mittel aus dem Topf des Landes Hessen müssen sich Stadt- und Landkreis Gießen und der Vogelsbergkreis teilen, was oft dazu geführt hat, dass nicht alle Anträge berücksichtigt werden konnten." Was bedeuten diese Ausführungen - wie geht man mit Rückschlägen um - und wer entscheidet über die Vergaben?

Es kam in der Regel in früheren Jahren vor, dass mehr Anträge vorliegen, als es Geld für die Kooperationen gab. Beispiel: 20 Anträge lagen vor, aber nur elf konnten genehmigt werden. Dann gab es bei den Sitzungen im Staatlichen Schulamt mit den Schulsportkoordinatoren der Kreise Gießen Stadt, Gießen Land und Vogelsbergkreis sowie Vertretern der Sportkreise und natürlich der Schulverwaltung Diskussionen um die Verteilung der Zuschläge. Ich habe dann für den Vogelsbergkreis einen Ausweg entworfen, wie die Kooperationen des Vogelsbergkreises, die nicht berücksichtigt werden konnten, trotzdem arbeiten konnten. Wir haben Mittel des Landessportbundes Hessen für unsere Arbeit umgeschichtet und in diese Bezuschussungen fließen lassen. In einer Größenordnung von circa 5000 Euro.

Gab es in der Vergangenheit vielleicht auch Vergaben, in denen Sie den Sportkreis Vogelsberg benachteiligt sahen?

Wenn man gut genug argumentiert und sich kräftig wehrt, kann man schon einiges auch gegenüber einer personellen "Übermacht" durchsetzen. Wenn natürlich - wie vor ein paar Jahren geschehen - die Vergabe von Kooperationen stillschweigend ohne die übliche Einladung aller Kreise erfolgt, muss man hinterher mit den Entscheidungen klarkommen.

Wie klappt die Zusammenarbeit mit Vereinen und Schulen im Sportkreis Vogelsberg - welche Probleme tauchen auf?

Leider muss ich feststellen, dass es immer weniger Schulen, aber auch Vereine gibt, die Anträge beim Staatlichen Schulamt stellen. Viele Schulen haben leider kein Interesse, mit den Übungsleiter/innen der Vereine eng zusammenzuarbeiten. Das war vor einigen Jahren schon besser. Andererseits haben die Vereine zu wenige Übungsleiter, die es sich zeitlich überhaupt einrichten können, in den Schulen etwas anzubieten. In der augenblicklichen Corona-Zeit leiden diese Kooperationen natürlich besonders - viele Veranstaltungen dürfen ja gar nicht stattfinden.

Was geben Sie Vereinen und Schulen mit auf den Weg für die Zukunft?

Offen sein für die Bildung von Kooperationen! Die Vereine finden den Zugang zum Nachwuchs und die Talente nur über die Kindergärten und Schulen! Die Schulen sollten es den Vereinen aber auch leichter machen, sie nicht von oben herab behandeln. Vereinsübungsleiter mit langer praktischer Erfahrung sind auch in der Schule perfekt einsetzbar. Ihr Können ist in der Regel mindestens genauso gut - meist besser - als das von jungen, gerade von der Uni kommenden Referendaren.

Der verheiratete Familienvater (drei Kinder) ist 79 Jahre alt. Aktuell schreibt er an einem Buch über den Skilauf im Vogelsberg. Mengel selbst wurde 1959 hessischer Jugendmeister in der Nordischen Kombination, 1966 deutscher Hochschulmeister. Ab 1967 war er 1. Vorsitzender des TGV Schotten, 2011 hat er sich von diesem Amt zurückgezogen. Er war 40 Jahre Trainer im Skilanglauf-Stützpunkt, aber auch der Leistungsgruppe Ski an der Vogelsbergschule Schotten. Circa 20-mal war er mit der Schulmannschaft beim Bundesfinale "Jugend trainiert für Olympia" dabei - 1979 Bundessieger. An der Vogelsbergschule Schotten war er bis 2004 als Lehrer tätig, unterrichtete die Fächer Mathe, Chemie, Physik und Sport. Ab 2004 war er wieder in dem Leistungssport Skilanglauf aktiv und 15 Jahre lang nahm er an den Senioren-Weltmeisterschaften (2005 Silbermedaille mit der deutschen Staffel in Moskau) teil. 2019 bestritt er sein letztes Rennen in Beitosthoelen/Norwegen. Auf zahlreiche Ehrungen kann Mengel blicken, darunter die Sportplakette des Landes Hessen, Ehrenbrief des Landes Hessen und das Bundesverdienstkreuz am Bande (2008).

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare