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Auch die Stuttgarter Kickers wollen klagen.

Oberligisten schöpfen Rechtsmittel aus

  • VonRalph Görlich
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(goe). Die Auf- bzw. Abstiegsfrage in der Regionalliga Südwest wird vor Gericht geklärt. Die potenziellen Aufsteiger in die Südwest-Staffel haben sich verbündet, Anwälte kontaktiert und ihre Ansichten geäußert. In den kommenden Wochen wird sich zeigen, ob das Vorgehen gegen den Beschluss der Gesellschafterversammlung der Regionalliga fruchten kann.

Fünf gegen die Regionalliga: Neben der SG Barockstadt Fulda-Lehnerz, zu der Gießens Johannes Hofmann im Sommer wechselt, als Hessenliga-Tabellenführer hat sich mittlerweile auch das Baden-Württemberger Spitzenduo Freiberg und Stuttgarter Kickers für den rechtlichen Weg entschieden, ebenso wie Wormatia Worms und Eintracht Trier, die in Rheinland-Pfalz die beiden Oberliga-Staffeln anführten.

Durch den Regionalliga-Beschluss, dass es durch die früh abgebrochenen Oberligen keine Aufsteiger geben soll, hat der FC Gießen dank nur zwei Absteigern frühzeitig den Klassenerhalt feiern können - endgültige Gewissheit herrscht aber erst nach der Abwehr der Klagen der Oberligisten.

»Wir waren permanent im Austausch und in intensiven Gesprächen«, verrät Fuldas Manager Sebastian Möller. »Das schon seit Anfang des Jahres.« Der Weg ist daher kein überraschender, aber ein gemeinsamer aller Clubs: Es kommt zum Rechtsstreit. Professor Dr. Rainer Lorz, Präsident der Stuttgarter Kickers, erklärt dazu in einer Vereinsmitteilung, »dass die Vorgehensweise der Regionalliga Südwest GbR […] nicht in Ordnung ist und wir deswegen zur Klärung den Weg vor die ordentlichen Gerichte beschreiten.«

Der SGV Freiberg plädierte als Spitzenreiter für eine sportliche Lösung ab Mitte Mai. »Schaut man die jetzige Situation an, wären Spiele im Juni nicht unrealistisch und eine sportliche Beendigung der Hinrunde absolut möglich gewesen«, so Präsident Emir Cerkez, der über die Entscheidung, keine Aufsteiger in die Regionalliga zuzulassen und nur zwei Teams absteigen zu lassen, sagt: »In einer Pandemie, die allen zu schaffen macht, sollte es oberste Priorität sein, so viele Interessen wie möglich zu befriedigen und so wenig Verlierer wie möglich zurückzulassen - verloren hat der Sport sowieso schon genug.«

Die fragwürdige Kommunikationspolitik des Verbandes habe ein »sehr einseitiges Interesse offenbart, die Regionalligisten allein in dieser Ausnahmesituation zu begünstigen. Kleinere Vereine, die ebenfalls von der Pandemie getroffen sind und ohne Schuld um den Lohn ihrer Arbeit gebracht worden sind, allein zu lassen, finden wir enttäuschend.«

Worms spricht von »willkürlichem Beschluss«

Die Enttäuschung könne durch ein Gerichtsverfahren nicht beseitigt werden, aber es gebe den Clubs die Möglichkeit, die Entscheidung von einer dritten Instanz zu überprüfen.

Eine Beschwerde hat das Berufungsgericht der Regionalliga Südwest GbR auch vom VfR Wormatia Worms bekommen.

Der Verein beantragt die Durchführung einer mündlichen Verhandlung bis spätestens 24. Mai. Die Wormser argumentieren »nach eingehender rechtlicher Prüfung, dass es die sportliche Qualifikation als Aufsteiger in die Regionalliga im Sinne der Zulassungsordnung und der Spielordnung nicht erfordert, mindestens 50 Prozent der [..] Spiele absolviert zu haben«.

Der VfR würde auch Aufstiegsspiele spielen, die aber nach hinten verschoben werden sollen, weil die Stuttgarter Kickers als möglicher Gegner bereits schon länger wieder trainieren dürften.

Der VfR Wormatia bezeichnet den Beschluss der Regionalliga formell als satzungs- und damit rechtswidrig, sogar willkürlich, weil er keine Rechtsgrundlage habe. »Eine Regeländerung während der laufenden oder nach der abgeschlossenen Saison verstößt fundamental gegen den Gedanken des Fairplays.«

Vorgeprescht war vergangene Woche der SV Eintracht Trier, der die Entscheidung als »nicht anwendbar und unwirksam« bezeichnete. Man hatte ursprünglich ob der Informationslage mit einem »guten Gefühl« die Ergebnisse der Gesellschafterversammlung erwartet, doch dann kam die Enttäuschung.

Insgesamt habe sich Trier in beiden zuletzt abgebrochenen Saisons wiederholt für eine sportliche Fortsetzung ausgesprochen. »Wir hätten uns gewünscht, den großartigen Start zu Saisonbeginn fortführen zu dürfen. Nun werden wir ein zweites Mal mit einer Situation konfrontiert, in der wir als Team an der Tabellenspitze einen klaren Nachteil bei einem Abbruch der Saison haben«, schreibt der Verein, den damit ein ähnliches Schicksal wie Fulda ereilt.

Auch die Eintracht betont: »Wir sind es allen Fans, Mitgliedern, Partnern, Sponsoren und Spielern, die uns im ganzen letzten Jahr so treu begleiten und in der Krise Halt geben, schuldig, jedes uns mögliche Mittel auszuschöpfen, um für den Aufstieg in die Regionalliga zu kämpfen.«

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