Jean Claude Günther kam in der abgebrochenen Saison auf 29 Tore in 17 Partien für die TSG Wieseck. Er ist ein Grund dafür, dass seine Mannschaft in der kommenden Kreisoberliga-Runde so hoch gehandelt wird. FOTO: RAS
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Jean Claude Günther kam in der abgebrochenen Saison auf 29 Tore in 17 Partien für die TSG Wieseck. Er ist ein Grund dafür, dass seine Mannschaft in der kommenden Kreisoberliga-Runde so hoch gehandelt wird. FOTO: RAS

Noch mehr Offensivpower

  • vonMartin Ziehl
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Die TSG Wieseck gilt unter den Konkurrenten als ein Kandidat auf die Plätze ganz vorne in der Fußball-Kreisoberliga. Klassen-Rückkehrer FSG Bessingen/Ettingshausen/Langsdorf muss sich zunächst einmal orientieren.

Die Fußball-Kreisoberliga startet am kommenden Wochenende in die Spielzeit 2020/21. Alle Vereine hoffen, von einem erneuten Abbruch verschont zu bleiben. Sportlich traut man der TSG Wieseck einiges zu.

Wieseck lehnt die Favoritenrolle ab

Aktuelle Situation: An der Seitenlinie in Wieseck steht weiterhin Matthias Günther, der damit in sein zweites Jahr bei der TSG geht. Genau so wie der Sportliche Leiter Jörg Hildebrand sieht aber Günther sein Team nicht ganz vorne an der Spitze. "Nur weil mein Sohn Jean Claude ein Topstürmer ist, heißt das nicht automatisch, dass unsere Mannschaft der Überflieger ist". Weiterhin betont Matthias Günther, dass der Kader dem normalen Ligadurchschnitt entspricht.

Nach holprigem Start 2019/20 etablierte sich Wieseck zu Beginn der Restrunde auf dem dritten Platz hinter dem TSV Lang-Göns und der SG Treis/Allendorf und wurde zumindest für den Relegationsplatz gehandelt. Durch den Abbruch stand der dritte Platz im Klassement unterm Strich. Maßgeblich beteiligt war dabei eben jener Jean Claude Günther, der mit 29 Toren in 17 Spielen fast die Hälfte der Wiesecker Treffer erzielte. Nicht zuletzt aufgrund dessen sehen die meisten anderen Vereine die TSG als Favorit.

Kommen/Gehen: Verstärkt hat sich die TSG mit Yannic Koch von der SG Eschenburg. Der 23-jährige Stürmer kommt mit einer Bilanz von über 60 Toren in vier Spielzeiten in der Kreisoberliga West und ist damit eine weitere Gefahrenstelle in der TSG-Offensive. Zudem ergänzt Erdem Memis von Türk Ataspor Wetzlar den Kader. Demgegenüber stehen die Abgänge von Patrick Walldorf und Joel del Sol Gonzales, die sich dem TSV Klein-Linden angeschlossen haben, während Jannis Clement berufs- bedingt pausiert.

Stärken/Schwächen: 60 Tore in 17 Spielen und damit die beste Offensive der letzten Saison sprechen für sich. Die Verstärkung mit Stürmer Koch verspricht noch größere Gefahr vor dem Tor der Gegner. Auch wenn eines der ersten Testspiele gegen Gruppenligist SG Lahnfels knapp mit 3:4 verloren ging, erzielte wieder Jean Claude Günther zwei von drei Wiesecker Toren. Anschließend wurde Gruppen- ligist SG Kesselbach/Odenhausen/Allertshausen mit 4:2 besiegt - bei drei Günther-Toren. Nur beim 5:5 gegen Gruppenligist MTV Gießen traf der Torjäger, der hier nur in der zweiten Halbzeit eingesetzt wurde, nicht. Dennoch gerade gegen die vermeintlich schwächeren Teams ließ die TSG in der vergangenen Saison wichtige Punkte liegen. Sollte dieses Manko in der neuen Runde nicht zum Tragen kommen, wäre der Verein sicher ganz oben zu finden.

Prognose: Als offizielles Ziel gab die Sportliche Leitung der TSG aus, im oberen Tabellendrittel mitspielen zu wollen. Wenn anschließend auch noch ergänzt wird "möglichst viel gewinnen", fühlt sich der neutrale Beobachter doch dazu verleitet, die Gießener Vorstädter im Kreis der Favoriten zu sehen. Zumal die anderen Kandidaten - wie zum Beispiel die SG Treis/Allendorf - qualitativ eher ein wenig schlechter aufgestellt sind als in der Vorsaison. Neben Günther hat die Offensivabteilung noch Kian Feriduni als torgefähr- lichen Stürmer aufzubieten. Neuzugang Koch konnte in den Testspielen erst einmal treffen, was in einem neuen Team nicht verwunderlich ist. Im Kampf um den Aufstieg in die Gruppenliga ist in jedem Fall mit der TSG zu rechnen.

Gute Mischung aus Jung und Alt

Aktuelle Situation: Als Zweiter der Kreisliga A Gießen nimmt die FSG Bessingen/Ettingshausen/Langsdorf als dritter Aufsteiger die Kreisober- liga in Angriff. Ebenso wie die SG Birklar war die Spiel- gemeinschaft in der zurückliegenden Saison fast konkurrenzlos, und das Kopf-an-Kopf-Rennen wurde durch den Corona-Abbruch zugunsten von Birklar entschieden. Für Thorsten Schultheis, der viele Jahre an der Seitenlinie der FSG agierte, ist nun Steffen Becker im Traineramt. Für Becker, der zuvor den A-Ligisten SG Ulfa/Langd in der Kreisliga A Büdingen betreute, ist dies die Rückkehr in den Fußballkreis Gießen. Schultheis wird, wenn nötig, weiter als Spieler und im Umfeld tätig sein. Im Spielausschuss stehen Thomas Pröhl (Langsdorf) und Oliver Heil (Bessingen) an der Spitze.

Kommen/Gehen: Die FSG setzt auf den eigenen Nachwuchs, der von Leon Asmus, Nico Lotz, Dennis Nagel, Leon Baumann, Laurin Sondermann und Valentin Hofmann vertreten wird, die teilweise noch bei den A-Junioren spielen können. Zudem verstärken Benedikt Keck und Dominik Bender von der FSG Villingen/Nonnenroth/Hungen den Kader. Als Abgang steht Sebastian Schäfer (zu Ligarivale SG Obbornhofen/Bellersheim) fest.

Stärken/Schwächen: Die mannschaftliche Geschlossenheit und die gute Mischung aus Jung und Alt bezeichnet Trainer Becker als Stärke der Mannschaft. Zudem steht eine solide Defensive einer variablen Offensive gegenüber. Spieler wie Christoph Gröbl, Hans Sonntag, Pascal Markloff und die Brüder Robert und Ralph Theiss zählen schon seit der Jugend zu den Leistungsträgern der FSG, auch wenn sie zum Teil nur noch aushelfen wollen. Zudem hinterließ Neuzugang und Stürmer Dominik Bender einen guten Eindruck in den Testspielen. Der Aufsteiger verfügt über einen soliden Spielaufbau und drängt immer wieder überfallartig in die Sturmspitze, um dort mit schnellen Stürmern seinen Erfolg zu suchen. Im Testspiel gegen die SG Ulfa/Langd (0:0) zeigten sich aber einige Abschlussschwächen, denn zum Ende hätte sich der Aufsteiger auch über einen deutlichen Sieg freuen können. Wie auch bei der SG Birk-lar sind keine genauen Defizite zu deuten. Sicher wird sich die FSG - wie die anderen Aufsteiger - zunächst an die leistungsstärkere neue Liga gewöhnen müssen.

Prognose: Für Trainer Becker steht der Klassenerhalt an vorderster Stelle. Falls mehr möglich ist, soll dies natürlich mitgenommen werden. Nach dem Abstieg 2016/17 möchte sich die FSG aber wieder längerfristig in der Kreisoberliga etablieren. Zuvor konnte die Dreier-SG drei Jahre lang in der Klasse spielen, und an diese Zeit möchte man nun anknüpfen. Die 5:1-Testspielniederlage gegen den Vertreter der Kreisoberliga West, die SG Oberbiel, zeigte schon, dass es kein Selbstläufer wird.

Schwalmtal muss sich steigern

Aktuelle Situation: Zu Beginn der Restrunde 2019/20 stand die SG als Aufsteiger mit sechs Punkten auf dem letzten Platz. Damit hätte das Team von Trainer Daniel Schöppner ein kleines Wunder für den Ligaerhalt benötigt. Trotz des drohenden Abstiegs stand Schöppner nie in Frage. Unterstützt wird er von Torwarttrainer Pascal Philippi.

Kommen/Gehen: Clemens Rupp wechselte zur FSG Ohmes/Ruhlkirchen, während Jan Ermel beruflich nach Hanau geht. Neu im Team sind Nick Springer (TSC Neuendettelsau), Hannes Hergert (FC Bechtelsberg), Hakan Yüksel (SV Müs), Jonas Apitz (TuS Hiltrup) und David Cloos (SG Romrod/Zell). Aus der eigenen Jugend kommen Antonio Gischler, Felix Sauer und Jannik Schmidt.

Stärken/Schwächen: Trotz der schwierigen letzten Saison ist der Kader bis auf zwei Spieler zusammen geblieben. Kein Spieler musste besonders überzeugt werden. Mit diesem Zusammenhalt will die SG die kommenden Aufgaben lösen. Alle Verletzten sind wieder an Bord, nur auf Rami Al Mudafer muss man länger verzichten. Es bleibt die Bilanz der abgebrochenen Vorsaison, mit der zweitschlechtesten Offensive und der schwächsten Abwehr.

Prognose: Die SG hat nichts zu verlieren und hofft auf mehr als den Klassenerhalt.

Andreev fehlt zum Start bei Hattendorf

Aktuelle Situation: Auch der SV Hattendorf hätte im unteren Tabellendrittel große Mühe gehabt, den Klassenerhalt zu schaffen. Zu unbeständig waren die Leistungen 2019/20, die nur 16 Punkte aus 17 Spielen ergaben. Nach drei Jahren kehrte nun Boris Loch als Spielertrainer an seine alte Wirkungsstätte zurück, von 2015 bis 2017 trainierte er den Sportverein als A-Ligisten. Zudem war der 36-Jährige als Spieler unter anderem für die Spvgg. Leusel am Ball. Unterstützt wird er vom bisherigen Co-Trainer Anton Rudzek.

Kommen/Gehen: Marcel Küster (FSG Ohmes/Ruhlkirchen), Yves Kutzschbach, Markus Fitler, Hikmet Han Ankinci (SG Romrod Zell), Hamse Abdiwali (JFV Alsfeld), Brian Mitchell (CSC 03 Kassel), Egzon Arifi (TSV Mengsberg), Sebastian Kropf (SG Immichenhain/Ottrau), Nils Thurow (FSG Bessingen/Langsdorf), Boris Loch (FSG Wartenberg) zeigen die beachtliche Anzahl an Neuzugängen des Vereins auf. Dem stehen die Abgänge von Edgar Klaus und Dominik Donath (SG Zella/Loshausen) sowie Pascal Rösner (FC Bechtelsberg) gegenüber.

Stärken/Schwächen: Für Trainer Loch ist die Mannschaft spielstark genug, um eine gute Rolle in der Liga zu spielen. In der Breite ist das Team gut aufgestellt und hat in der Offensive die meisten Qualitäten. Zudem stabilisiert Rückkehrer Egzon Arifi die Defensive, und Junioren-Zugang Hamse Abdiwali hat großes Talent. Acht Neuzugänge in die Mannschaft zu integrieren und zudem gerade in der anfälligen Defensive neue Spielsysteme einzuführen, sieht Loch als seine Hauptaufgabe. Trotz verschiedener Spielsysteme möchte er variabel auf den jeweiligen Gegner reagieren.

Prognose: Der SV steht vor einem Neustart mit einer erhofften Kehrtwende in eine ruhigere Saison, in der das Team möglichst rasch nichts mit dem Abstieg zu tun haben will. Nach guten Testspielergebnissen verlor der SV Hattendorf zuletzt das Halbfinale des Kreispokals gegen den TSV Burg-/Nieder-Gemünden in der Verlängerung. Christian Andreev sah dabei "Rot" und wird zum Saisonstart fehlen.

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