Thomas Hockauf von der RSG Gießen und Wieseck ist beim Dünsberg-Marathon in der Senioren-III-Klasse unterwegs und hat knapp 56 Kilometer zu absolvieren. Diesen Anstieg tritt er im Stehen. FOTO: FRIEDRICH
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Thomas Hockauf von der RSG Gießen und Wieseck ist beim Dünsberg-Marathon in der Senioren-III-Klasse unterwegs und hat knapp 56 Kilometer zu absolvieren. Diesen Anstieg tritt er im Stehen. FOTO: FRIEDRICH

Mountainbike

Noah Jung im Spitzentrio

  • vonHarald Friedrich
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Kämpfen bis die Krämpfe kommen - so lautete die Devise beim 14. Dünsberg-Mountainbike-Marathon. Auch oder ganz besonders für diejenigen, denen eine Favoritenrolle anhaftete.

Der 14. Dünsberg-Marathon des AMC Rodheim-Bieber stand am Sonntag für über 600 Mountainbike-Enthusiasten auf dem Plan. Obendrein lockte für Junioren, Senioren III / IV und Frauen auf der Kurzdistanz sowie für U 23-Fahrer, Elite, Senioren I und II auf der Langstrecke die Hessenmeisterschaften.

Der 14. Auflage voraus ging in Zeit der Corona-Pandemie eine wochenlange Hängepartie mit einem erheblichen Mehraufwand an Planungen für Orga-Chef Thomas Gerlach und sein Team. In diesem Zuge richtete Biebertals Bürgermeisterin Patricia Ortmann stellvertretend einen Dank an den Landkreis Gießen, der für die Genehmigung der Veranstaltung verantwortlich war: "Ich freue mich, dass das Konzept aufgegangen ist. Es ist schön zu sehen, wie positiv die Sportler auf die Regeln reagiert haben und wir solch eine Veranstaltung in der aktuellen Zeit auf die Beine stellen konnten." So stand der bislang größten Sport-Veranstaltung des Kreises Gießen im Jahre 2020 nichts im Wege.

Die Großsporthalle Biebertal - Start und Ziel der Rennen - war im Vorfeld coronagerecht hergerichtet worden. "Der hohen Disziplin der Fahrer ist es zu verdanken, dass alles reibungslos über die Bühne ging", so Gerlach.

Eben diese Rennen wurden in vier Startzeiten und drei Distanzen gegliedert. Die 86 Teilnehmer der Langstrecke über 84,8 Kilometer und 2008 Höhenmeter wurden als erste auf die Strecke geschickt. Eine Minute vor dem Start durften die Fahrer ihren Mundschutz abnehmen, um gestaffelt die Strecke anzugehen. Mit dabei auf der Langstrecke war auch der frisch gekürte deutsche Meister der Mastersklasse, Mathias Frohn (Team Firebike Handelshof). Nach etwas mehr als drei Stunden überquerte er die Ziellinie und heimste damit in der Kategorie 1 Herren auch den Hessentitel ein. Zu den Bedingungen unterwegs sagte Frohn: "Durch den Regen war die Strecke perfekt und sehr griffig. Im Vergleich zur DM war es mit weniger Höhenmetern durch den stärkeren Wind kräftezehrend."

Kurz nach ihm folgte Nachwuchshoffnung Noah Jung von der RSG Gießen und Wieseck, der sich nach 3:19 Stunden als Dritter hinter Frohn und Joris Massaer (Team 8s MTB Team) ausgesprochen achtbar platzierte. "Lange waren wir zu viert auf der Strecke. An der Abfahrt am Dünsberg konnte ich mich dann erstmal absetzen, habe die anderen aber wieder heranfahren lassen. Alleine wäre eine Fahrt zu früh gewesen. Die letzten zwei Kilometer musste ich abreißen lassen und hatte es mit leichten Krämpfen zu tun. Aber U 23-Hessenmeister hört sich auch gut an", lächelte Jung.

Organisationsleiter Gerlach führte die Pulks mit dem Vorausfahrzeug in neutralisierter Fahrt vom aufgrund der Corona-Hygieneauflagen für Zuschauer gesperrten Start an der Großsporthalle bis etwa einen Kilometer vor den Anstieg hinauf zur Burg Vetzberg. Dort wurde das Rennen offiziell freigegeben, und ein Motorrad setzte sich vor die Führenden.

Das Knattern der Cross-Maschine möglichst lange zu hören, hatte sich auf der Kurzstrecke auch Niclas Zimmer zum Ziel gesetzt. Der gebürtige Vetzberger von der RSG Gießen und Wieseck ist mit dem Dünsberg-Marathon von Haus aus vertraut, doch war er beim Kampf um den Tagessieg über die 55,9 Kilometer nicht alleine. Kurz hinter dem Vetzberg hatte sich Zimmer mit fünf Mitstreitern aus dem 211 Fahrer starken Feld abgesetzt. Unter ihnen auch der in Wieseck wohnende Sean Feldhaus vom MSV Essen-Steele. Auf dem Anstieg zum Dünsberg wurde die Gruppe kleiner - Feldhaus und Zimmer waren fortan mit Jan-Ole Zilse vom Rose Racing Team als Trio unterwegs. "Ole war am Berg einfach zu stark. Ich dachte, bergab könnte ich ihn durch meine Streckenkenntnis vielleicht wieder einholen, aber er war zu stark", sagte Zimmer, der Zweiter zwischen Zilse und Feldhaus wurde.

Seine aufsteigende Form stimmte auch Thorben Jost vom RSC Grünberg im Trikot des Stop & Go Marderabwehr MTB Team zufrieden: "Ich kam am Vetzberg noch mit der Führungsgruppe mit, bis sie sich geteilt hat. Dann hab ich mich mit zwei Verfolgern zusammengetan, die hinter mir in Sichtweite waren und gut Tempo gemacht haben. 15 Kilometer vor dem Ziel habe ich gemerkt, dass die Distanz lang wird und die Beine anfangen zuzumachen. Dann habe ich Krämpfe bekommen. Ich konnte bergab noch mal wegfahren, aber am letzten Wiesenanstieg wurde ich noch von einem Fahrer eingeholt", schilderte der Atzenhainer seine Kräfte zehrende Fahrt auf Rang 18.

Nicht nur körperlich gut vorbereitet hatte sich Leonhard Schneider von der RV Gießen-Kleinlinden. Einen Ersatzschlauch dabei zu haben, war für den Juniorenfahrer ein Muss, nachdem er in den Vorjahren zwei Mal in Folge von einem Reifenschaden ausgebremst worden war. Auch in diesem Jahr hielt seine Pechsträhne, doch der platte Reifen in der letzten Kurve fiel nicht weiter ins Gewicht. Platz 26 auf der Kurzstrecke und Rang vier bei den Junioren sprangen heraus. Seine an sich gute Verfassung brachte Marcel Meßmer vom RSC Grünberg kein besseres Resultat als Platz 42.

Ein etwas kurioses Rennen erlebte Erik Büchele vom ausrichtenden AMC Rodheim-Bieber im Trikot des Team Delta-bike.de, der als ein Favorit für den Minimarathon gehandelt wurde. "Ich bin ein bisschen spät hergekommen und stand ziemlich weit hinten", sagte der Lokalmatador über seinen Platz in der Startaufstellung, die dreiseitig umlaufend bis hinter die Großsporthalle reichte. So war es an Büchele, fast das gesamte Feld der 273 Starter von hinten aufzufahren, was ihm während der 28,9 Kilometer eindrucksvoll gelang. Einzig zum Gesamtsieger Mika Schöpplein (SKG Bauschheim) fehlten nach 1:07 Stunde noch zehn Meter bzw. zwei Sekunden. Mit Platz zwei vor Julian Huber (MTB Club Karlsruhe) war Büchele aber sehr zufrieden.

Eine positive Bilanz nach ihrem ersten Mountainbike-Wettkampf zog auch die in Gießen wohnende Davina Bohn (TuS Deuz). Sie war mit dem Mountainbikekurs der THM Mittelhessen am Start und feierte als Zweite der Frauenklasse eine gelungene Premiere.

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