Nikolai Weber will auch in seinem letzten aktiven Jahr zwischen den Pfosten alles für den TV Hüttenberg geben. FOTO: RAS
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Nikolai Weber will auch in seinem letzten aktiven Jahr zwischen den Pfosten alles für den TV Hüttenberg geben. FOTO: RAS

Handball

Nikolai Weber: Ein Mann, zwei Ziele

Weber steht vor seiner letzten Saison als aktiver Handball-Torwart. Dabei hat er sich mit seinem Verein TV Hüttenberg einiges vorgenommen. Aber auch für die "Tage danach" sind die Pläne konkret.

Handball-Zweitligist TV 05/07 Hüttenberg hat am heutigen Freitagabend um 18.45 Uhr unter Ausschluss der Öffentlichkeit den Ligarivalen DJK Rimpar zu Gast. Im Vorfeld dieser Partie haben wir uns mit Torwart Nikolai Weber in dessen Café in der Wetzlar Altstadt getroffen. Dabei sprach der Routinier über sein letztes Jahr im Handball-Tor, über Ausbilder und Wegbegleiter sowie seine Rolle im Umbruch der Hüttenberger.

Herr Weber, Sie haben jetzt 20 Jahre Karriere in einer ersten Mannschaft hinter sich. Wie sehen Sie ihre persönliche, aber auch die generelle Entwicklung des Handballs?

Mit 20 Jahren damals habe ich mir nicht große Gedanken darüber gemacht, wenn man von Münzenberg aus der Landesliga in das Haifischbecken 1. Liga in Wetzlar geworfen wird. Ich wurde dort dann sofort ins Krafttraining geschickt, weil ich mit alldem zuvor absolut nichts zu tun hatte. Entsprechend sind mir bei den ersten Würfen alle Bälle durch die Beine und Arme durchgeflogen, weil mein Körper einfach null bereit war für die Wurfstärken. Bis auf die Basics habe ich quasi neu angefangen. Dabei kam mir dann immer zugute, dass ich von älteren Torwartkollegen profitiert habe. Sei es Waldemar Strelecz, Michael Rocksien, Andrzej Mientus, Jasmin Camdzic oder mein russischer Trainer Sergej Budanov später in Gelnhausen. Ich hatte dadurch aus vielen verschiedenen Ländern Inhalte aus der typischen Torwartschule vermittelt bekommen und habe mir da dann die für mich passenden Dinge rausgepickt. Mit der Entwicklung wurde alles technischer, schneller, athletischer und einfach viel komplexer im Torwartspiel.

Aufgrund der Corona-Pandemie wird seit Monaten auf den Tag X hin trainiert, an dem die Saison starten soll. Aktuell ist der 3. Oktober geplant mit einem Heimspiel gegen Aufsteiger Wilhelmshaven. Wie war diese Phase für Sie und die Mannschaft?

Total komisch, wie für uns alle. Im März/April mit der Trainingsempfehlung war das vom Gefühl her eher wie die fünf, sechs Wochen trainingsfrei, um irgendwie über die Pause hinweg fit zu bleiben. Im Normalfall sind wir jetzt mit einer achtwöchigen Vorbereitung gestartet, wie das früher oft in der 2. Liga gehandhabt wurde. Eben mit dem aktuellen Ziel 3. Oktober, ohne aber zu wissen, ob es dann auch wirklich losgeht. Durch die Testspiele jetzt noch gegen Rimpar und Ferndorf haben wir zumindest die Möglichkeit, unseren Leistungsstand zu testen und sind froh, dass dies überhaupt uns ermöglicht wurde. Ich bin sehr gespannt, wie und wer den Schalter dann bei einem Saisonstart auf den Punkt umlegen kann.

Nun gehen Sie in das letzte Jahr, Ihr Vertrag endet zum 30. Juni 2021. Was haben Sie für Erwartungen an das Jahr, das sicher ein spezielles in vielerlei Hinsicht sein wird?

Jetzt ist da Licht am Ende des Tunnels, es gibt diesen festen Termin, an dem ich weiß, dass es vorbei sein wird. Natürlich möchte ich noch mal alles raushauen und mich bestmöglich von der Bühne verabschieden. Es ist eine ganz neue Herausforderung jetzt, wenn wir davon ausgehen müssen, dass keine oder nur wenige Zuschauer dabei sein werden, neue Motivationspunkte zu finden. Diese Menge wird fehlen, die uns nach vorne peitscht, an der man sich hochzieht. Dazu wird es eine ganz andere Herangehensweise geben. Jetzt geht es nicht mehr darum, das Torwartspiel zu verändern, sondern eher darum, mit dem Gegner zu spielen. Das wird eine sehr spannende Nummer, bei der ich voller Vorfreude bin, so es denn dann im Oktober auch losgeht.

Das Ende - steht das für Sie wirklich fest oder schließen Sie nichts aus?

Also es heißt ja, "Sag niemals nie", aber an sich steht das für mich fest. Es gibt genügend junge Talente, die bereit sind, auf die Bühne zu treten - und ich bin weit entfernt davon, diesen den Platz verwehren zu wollen. Nach 21 Jahren ist es dann auch Zeit, den Jungen das Tor zu überlassen. In den drei, vier Monaten jetzt habe ich bereits erlebt, wie es ist, nicht mehr jeden Samstagabend in der Halle zu stehen, sondern die Zeit mit der Familie zu haben. Ich habe das Gefühl, dass es der richtige Zeitpunkt ist, und ich bin dankbar dafür, bislang ohne große Verletzung oder Operation durch die Zeit gekommen zu sein. Durch das feststehende Ende nehme ich jedes Training und jedes Ereignis bewusster wahr, was ich sehr genieße.

Jetzt sitzen wir hier in Ihrem Café, in dem Sie sich bereits viermal die Woche aufhalten. Wird das auch die Karriere nach der Karriere sein?

Wir sind eigentlich bereits jetzt an einem Punkt, dass es mit unserem kleinen Team zu viel Arbeit ist, um das als Nebenjob auszuführen. Da kommen viele neue Aufgaben, darauf freue ich mich total. Auch weil ich weiß, dass ich abends nach Hause komme und meiner Frau bei unseren beiden Kindern etwas abnehmen kann. Ganz eventuell, sollte ich nach einer Zeit die Lust nach einem Ausgleich verspüren, werde ich mich vielleicht an die Torwarttrainerausbildung wagen. Darüber habe ich mich bereits mit Matthias Andersson (Torwarttrainer DHB und THW Kiel; Anm. d. Red.) vor Kurzem unterhalten, der diese leitet. Da könnte ich mir in seinem Team eventuell etwas vorstellen. Aber das ist derzeit kein Muss. Der Fokus wird also klar auf dem Café liegen.

Kommen wir zum TV Hüttenberg. Eine sehr junge Mannschaft und ein großer Umbruch. Wo sehen Sie Ihre Rolle im Team und wie schätzen Sie die Truppe ein?

Ich sehe mich als ersten Ansprechpartner für Trainer Frederick Griesbach. Mit meinem Blick aus dem Tor habe ich ja noch einmal einen anderen Blick auf das Spiel, als er von der Seitenlinie. Ansonsten habe ich immer ein offenes Ohr für die Jungs. Dazu sind die jungen Spieler extrem wissbegierig. Es gibt ja immer wieder mal junge Spieler, die in eine Mannschaft kommen und denken, sie wüssten schon, wie das alles funktioniert. Unsere Jungs aber saugen alles auf wie ein Schwamm, und das ist auch für mich sehr begeisternd. Die Entwicklung der letzten vier Wochen macht mir große Hoffnung. Vor allem beeindruckt mich aber auch Johannes Klein, der aus meiner Sicht noch mal einen Schritt nach vorne gemacht hat und im Normalfall ja auch im Rückraum unser ältester Akteur ist. Er trägt eine Verantwortung, die er aber auch annimmt, und versucht, die anderen mitzuziehen. Für mich kann er nun unser tragender Akteur im Angriff werden.

Abschließend zum Test gegen Rimpar heute. Worauf liegt das Augenmerk in der Partie? Es geht ja jetzt in die heiße Phase der Vorbereitung.

In den ersten Tests war unser Augenmerk auf die Abwehr gelegt, jetzt wird der Blick in Richtung Angriffsspiel gehen. Außerdem sollten wir die Körpersprache aus dem Spiel gegen Friesenheim verinnerlichen und als Mannschaft verstehen, dass wir um jeden Ball gemeinsam kämpfen müssen. Dann werden wir auch erfolgreich Spiele bestreiten. Für den Test steht die Entwicklung vor dem Ergebnis.

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