Der 17-jährige Niklas Theiß hat eine enorme Entwicklung hinter sich und ist beim Zweitligisten TV 05/07 Hüttenberg in den Fokus gerückt. FOTO: THÜRMER
+
Der 17-jährige Niklas Theiß hat eine enorme Entwicklung hinter sich und ist beim Zweitligisten TV 05/07 Hüttenberg in den Fokus gerückt. FOTO: THÜRMER

Handball

Niklas Theiß - Ein Handball-Talent im Höhenflug

Es sind wilde Monate für Niklas Theiß, die ihm selbst noch unwirklich vorkommen. Er gab sein Debüt der U18/U19-Nationalmannschaft und im Zweitliga-Team des TV 05/07 Hüttenberg.

Ich weiß gar nicht mehr genau, wann ich mit dem Handball begonnen habe. Mit fünf oder sechs Jahren", erzählt Niklas Theiß von seinen Anfängen. Diese beginnen - bleibend bis heute - auf dem Handballfeld des Sportzentrums in Hüttenberg. Wo er Spieler wie die Hüttenberger Urgesteine Florian Laudt oder Andreas Scholz als Kind selbst anfeuerte, fegt er heute selbst über die Platte.

Parallel übte er aber auch noch Leichtathletik aus, und schon dort zeigten sich die Allround-Qualitäten des heute 17-jährigen Theiß. "Ich konnte gut werfen, springen und laufen", sagt er schmunzelnd, "und mein Vater war ein guter Hochspringer. So wäre ich vermutlich auch einer geworden." Doch mit zwölf Jahren fiel die Entscheidung für den Handball. Warum? "Ich glaube, es war der Mannschaftsgedanke, der mich dann eher zum Handball zog." So steht der in Wetzlar geborene Mittelhesse seit seinem 13. Lebensjahr im Kader der Hessenauswahl. Begleitet auf seinem Weg in der Jugend haben ihn allen voran seine Trainer Michael und André Ferber. Ersterer ist aktuell sein Coach in der U19-Bundesliga-Mannschaft, und Michael Ferber schildert die Zeit, als er erstmals ins Blickfeld der höchsten Jugendklasse rückte: "Niklas durfte bereits in seinem ersten B-Jugend-Jahr schon erste Erfahrungen im Trainingsbetrieb der U19-Mannschaft sammeln. Schon dort begeisterte er uns mit seiner Schnelligkeit und Explosivität."

Neben dem Handballtraining eben in dieser Entwicklung gefördert wurde der Linkshänder von Dirk Lösel, seines Zeichens Gründer des "Athletikteams", das talentierte, ehrgeizige, junge Sportler aus Mittelhessen in ihrer athletischen und gesundheitlichen Förderung unterstützt. Seit vier Jahren begleitet Lösel mit seinem Team nun Theiß. "Zu Beginn musste man Niklas immer wieder mal anstoßen, dass er seine Trainingspläne auch durchzieht, was in dem Alter aber normal ist. Irgendwann hat es dann Klick gemacht, und seit dem macht er eine tolle Entwicklung ohne große Verletzungssorgen", berichtet Lösel.

Stück für Stück fügte sich so zusammen, dass Emir Kurtagic, auf dessen Team TuS N-Lübbecke Theiß am Freitag (19.30 Uhr/Rittal-Arena Wetzlar) mit dem TVH trifft, in seiner Amtszeit von 2017 bis 2019 als Trainer des TV Hüttenberg den Rückraumrechten erstmals an einem Training der ersten Mannschaft teilnehmen ließ. Ende 2019 wurde Theiß dann von DHB-Trainer Erik Wudtke in die U18-Nationalmannschaft berufen, beim Sparkassen-Cup in Merzig gegen Italien gab er sein Debüt. Im Nationalteam wird der Hüttenberger allerdings auf der Rechtsaußen-Position eingesetzt - und nicht wie im Verein im rechten Rückraum.

"Wenn ich mir ansehe, wer da mit fast zwei Metern bei uns im Rückraum unterwegs ist, habe ich da einfach Größennachteile. Letztendlich bin ich aber glücklich, Nationalspieler zu sein, und würde dafür auf jeder Position spielen", lacht Theiß. "Niklas bringt eine Positivität und seine sympathische Art mit in die Mannschaft ein. Es ist sicher derzeit eine schwere Situation für ihn, weil er im Verein im Rückraum gefördert wird, ich aber perspektivisch seine größeren Chancen auf Rechtsaußen sehe", schätzt Wudtke seine Qualitäten ein. Die Teilnahme an den Lehrgängen sorgte bei dem sonst so zurückhaltenden und ruhigen Abiturienten der Goethe-Schule in Wetzlar für einen Schub seines Selbstbewusstseins. Dies ist auch Michael Ferber aufgefallen, der seinen Schützling in einer WhatsApp-Nachricht "Theiß the Machine" nannte - und dabei auf eine Szene vor dem Sportzentrum Hüttenberg vor wenigen Wochen anspielte, als nach dem letzten DHB-Lehrgang das Auto der Familie Theiß zum Training vorfuhr und der 1,90-Meter-Mann mit breiter Brust aus dem Fahrzeug stieg. "Er zeigt sich aktuell nicht nur in der Jugend-Bundesliga als treffsicher, sondern durch seine Beinarbeit und Dynamik als fairer und ausgezeichneter Abwehrspieler", meint Ferber.

Die aktuell gute Form und das gestiegene Selbstbewusstsein warf der Blondschopf vor drei Wochen für die Zweitliga-Mannschaft beim Auftritt in Eisenach in die Waagschale. Zuvor hatte er lediglich einige Sekunden gegen Elbflorenz auf der Platte gestanden. In Thüringen musste er aber ins kalte Wasser. "Schwimmen lernen", nennt das TVH-Coach Griesbach gerne. Offenbar fällt ihm dieses "Schwimmen lernen" recht leicht, wenn es drauf ankommt. Mit sechs Treffern trug er entscheidend zum Sieg des TV Hüttenberg in Eisenach bei. Im Freudentaumel danach fragte er seine Mutter, ob sie sich jemals hätte vorstellen können, dass er Teil im Konzert der Großen sein würde - was sie stolz verneinte. Niklas Theiß ist aber noch etwas anderes in Erinnerung geblieben: "Ich glaube, ich habe nur zwei Eins-gegen-Eins verloren, ansonsten hat das in der Abwehr erstaunlich gut funktioniert. Dabei konnte ich mir vor einigen Monaten noch gar nicht vorstellen, auf halb zu verteidigen", sagt er. Es ist ihm anzumerken, wie viel Freude es ihm macht, über die letzten Wochen und Monate zu sprechen. Dabei sind sich seine Trainer ja nicht einig, auf welche Position er denn künftig seinen Entwicklungsschwerpunkt legen soll. Nationaltrainer Wudtke sieht "sein größeres Potenzial wegen seiner enormen Sprungkraft und seinem guten Handgelenk auf Rechtsaußen", während er beim TVH die tragende Rolle im Rückraum spielt. Dass dort bald eine Entscheidung getroffen wird, worauf er sich spezialisiert, ist Theiß bewusst, aber davon lässt er sich nicht verrückt machen. Seine Konzentration liegt auf seinem anstehenden Abi, seiner sportlichen Entwicklung und dem großen Ziel der Junioren-WM im Sommer. "Das wäre ein absoluter Traum, dort dabei zu sein. Für jeden von uns ist es ein Gänsehaut-Moment, wenn wir bei der Nationalhymne in der Halle stehen."

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare