Im Hüttenberger Zweitliga-Trikot 2014. FOTO: IMAGO
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Im Hüttenberger Zweitliga-Trikot 2014. FOTO: IMAGO

Nicht mehr unter dem Radar

  • vonPeter Hett
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Das Bundesliga-Duell bei der HSG Wetzlar ist für Torhüter Konstantin Poltrum ein besonderes Spiel. In Mittelhessen, beim TV 05/07 Hüttenberg, hat der gebürtige Friedberger seinen ersten Schliff zum Leistungshandballer bekommen.

In der Handball-Bundesliga wird in dieser Woche nach der Länderspielpause der siebte Spieltag ausgetragen. Auf dem Spielplan steht am Donnerstag (19 Uhr, Rittal-Arena Wetzlar, live auf Sky) dann auch die Partie zwischen der etablierten HSG Wetzlar und dem noch ohne Punktgewinn am Tabellenende befindlichen Aufsteiger HSC Coburg. Auf den ersten Blick ein alltägliches Punktspiel, dem keine nennenswerte Aufmerksamkeit zukommt. Und doch gibt es zwei Aspekte, die das Spiel gerade in Mittelhessen in den Blickpunkt rücken. Da ist zunächst das Wiedersehen mit alten Bekannten, wie Rechtsaußen Florian Billek, Torhüter Konstantin Poltrum, Trainer Alois Mraz und Geschäftsführer Jan Gorr, die allesamt über lange Jahre sowohl der HSG Wetzlar als auch dem TV 05/07 Hüttenberg angehörten und aus der Region Gießen/Wetterau stammen.

Besondere Beachtung verdient überdies das anstehende Duell auf der Torhüterposition. Den 22-jährigen Till Klimpke im HSG-Gehäuse, der in der vergangenen Woche erneut in den DHB-Kader berufen wurde und am Sonntag in Estland sein drittes Länderspiel bestritt, vorzustellen, erübrigt sich. Er hat sich längst zu einem der herausragenden Keeper der Liga gemausert.

Demgegenüber segelte Konstantin Poltrum, sein Gegenüber im Tor der Oberfranken, lange Jahre unter dem Radar der öffentlichen Wahrnehmung, was ob seiner sportlichen Vita verwundert. Jugendnationalspieler (27 Spiele) mit dem Gewinn der Bronzemedaille bei der WM 2013 und Juniorennationalspieler (10 Spiele) sind hier die auffälligsten Einträge. Jetzt, in der Bundesliga, hat er sich in den Blickpunkt gespielt. Gleich im ersten Spiel in Lemgo glänzte er nach seiner Einwechslung (15.) mit 13 Paraden und im letzten Spiel gegen Magdeburg sorgten 16 Paraden für den Spitzenwert an diesem Spieltag. Mit insgesamt 64 gehaltenen Bällen belegt er im Torhüterranking der Liga derzeit den dritten Platz, und lässt viele renommierte Namen hinter sich. Ganz vorne steht er auch mit sieben Paraden in der Siebenmeter-Bilanz. Hier hat lediglich Nationaltorwart Johannes Bitter eine mehr aufzuweisen. Dass dies alles derzeit eine Momentaufnahme darstellt und sich mit Fortdauer der laufenden Spielzeit relativieren wird, mag sein.

Mit Sicherheit hat der 26-jährige, der in Ober-Mörlen aufwuchs, aber mehr als nur eine Duftmarke hinterlassen. Seine Laufbahn, die in der Jugend der HSG Mörlen begann, hat er mit Bedacht kontinuierlich aufgebaut und darauf geachtet, neben einer guten Ausbildung, auch die für eine zielgerichtete Weiterentwicklung notwendigen Spielanteile zu erhalten. Sein Weg zum HSC Coburg führte über den TV Hüttenberg und die HSG Konstanz. Großen Anteil an seiner Entwicklung hat die Zeit in Hüttenberg. "Mit Waldemar Strzelec hatten wir da einen super Coach. Sein Torwart-Training war richtig gut und hat viel Spaß gemacht", blickt Poltrum zurück. Derzeit schwimmt er auf einer Euphorie-Welle und schöpft durch die guten Leistungen neues Selbstvertrauen. Die geänderte Art der individuellen Vorbereitung auf die Spiele hat seine Leistungen positiv beeinflusst. Eine neue Art seiner Wahrnehmung nimmt er zwar wahr, bleibt dabei aber auch realistisch. "Das gibt Kraft. Aber durch meine handballerischen Leistungen bin ich jetzt kein besserer Mensch", urteilt er sachlich.

Das sportliche Ziel, einmal in der 1. Liga zu spielen, hat Poltrum erreicht. Der Traum in den deutschen Handballtempeln vor großen Kulissen, "die immer super schöne Gefühle vermitteln", zu spielen, ist jedoch durch die Corona-Krise vorerst noch vereitelt. So erwies sich zuletzt das Gastspiel in Flensburg, in der eigentlichen "Hölle Nord", als handzahme Nummer.

Obwohl seine HSC noch am Tabellenende rangiert, existiert für Poltrum das vorhandene Potential, die Klasse zu halten. "Wie alle Aufsteiger befinden wir uns in einem Lern- und Akklimatisierungsprozess. Wenn wir weiterhin kontinuierlich an uns arbeiten und das Potenzial auf die Platte bringen, werden wir die notwendigen Punkte holen. Wir haben gegen Magdeburg schon an Punkten geschnuppert, weshalb sollten wir in Wetzlar nicht etwas einfahren", bewertet Poltrum die aktuelle Situation seines HSC.

Auch in Wetzlar wird wieder vor leerer Halle gespielt. Was empfindet man dabei und wie präpariert man sich für solche Situationen?

Es ist schade. Zuschauer und Atmosphäre gehören zum Handball. Aber wir sehen die Notwendigkeit der Maßnahme und nehmen es an. Es hilft, wenn sich die Emotionalität im Team erhöht und man sich als Mannschaft unterstützt. Es tut mir weh, dass Familie, Freunde und Unterstützer, die mir viel Kraft geben, nicht vor Ort sind. Gerade für das Spiel in Wetzlar hatten sich Freunde und alte Wegbegleiter angekündigt. Das fällt jetzt leider weg…

Was macht es aktuell mit einem jungen Sportler, wenn der Traum, vor diesen knallvollen Hallen aufzulaufen und die emotionale Atmophäre aufzusaugen, nicht wahr werden kann?

Ich nehme es wie es kommt und mache mir keinen großen Kopf darum. Ich genieße das Privileg, in der 1. Bundesliga spielen zu dürfen. Den nicht erlebten Traum kann man auch umdrehen und diese neue, besondere Situation, die so viele auch nicht erleben, für sich bewerten und verarbeiten. Für mich ist es auch ohne Zuschauer bisher ein großes, sensationelles Erlebnis.

Es wird spekuliert, dass sich der Handball ohne Zuschauer verändert. Die Kleinen haben ohne Publikum im Rücken kaum Chancen gegen die Topteams. Auf der anderen Seite gelingen Siege bei Gegnern auf Augenhöhe. Ist da was dran?

Das ist schwer zu beurteilen. Sicherlich gibt es Mannschaften wie Balingen, deren Identität stark mit ihrem "Hexenkessel" verknüpft ist. Ob der Faktor fehlende Zuschauer auf die Kräfteverhältnisse der Liga Einfluss nimmt oder andere Ausgangslagen schafft, weiß ich nicht. Ich hoffe, dass sich der Handball in Deutschland nicht langfristig verändert.

Erlebst Du Spieler, die wegen des Coronavirus Bedenken vor einem Einsatz haben?

Eher weniger. Ich verspüre Verantwortungsgefühl gegenüber meiner Mannschaft. Wir sind froh, spielen zu dürfen und versuchen jegliche Risikofaktoren oder engere persönlich Kontakte so gut es geht zu vermeiden. Das ist in unser aller Sinne. Leider bleibt überall ein Restrisiko, das kann man nie so ganz ausschließen. Da wir Spieler aber regelmäßig getestet werden, erfahren wir recht schnell, wenn eine Infektion vorliegen sollte und können eine Übertragung theoretisch relativ frühzeitig unterbinden. " HEP

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