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Yumito Nishiura vom Turnteam Linden an den Ringen.

Nervenstarkes Turnteam Linden

(nal). Nerven wie Drahtseile. Das ist eine Redewendung, die wie keine andere für den Erfolg des Turnteam Linden beim Heimwettkampf gegen die TSG Grünstadt steht. Mit 44:30 Punkten siegte das Turnteam nach einem Nerven-Thriller - wie es ihn in der 2. Bundesliga Nord nur äußerst selten gibt. Wenn auch das Ergebnis deutlich erscheint, so war es spannend bis zum Schluss, mussten die Schützlinge von Trainer Christian Hambüchen durch ein Wechselbad der Gefühle gehen, nach komfortablen und souveränem Vorsprung diesen gar Abgeben und letztendlich dann in einer Nervenschlacht sich behaupten.

Die Halbzeitführung von 26:10 schmolz immer mehr, und am Reck verloren dann die Lindener ihre Führung - und bewiesen Nerven, die bei den Grünstädtern flatterten. Joshua Jack Williams Meehan und Schlussturner Moritz Bulka sicherten dem Turnteam einen zu diesem Zeitpunkt in der Höhe nie mehr erwarteten 44:30-Sieg. Bei den Geräten gab es dagegen einen Gleichstand, siegten beide Teams an jeweils drei Geräten. Für die Lindener gab es ein Wiedersehen mit Lasse Gauch, der einst zu Drittligazeiten für das Turnteam an den Start gegangen war. »Das war eine Super-Nummer. Ich habe selten einen so spannenden Wettkampf bis ganz zum Schluss erlebt«, zeigte sich ein unmittelbar nach Beendigung des Wettkampfs emotional total begeisterter Trainer, sichtlich begeistert von dem, was den Zuschauern in fast dreistündigem Wettkampf geboten wurde. »Wir haben uns nur ganz wenige Schwächen geleistet - und sicher die besseren Nerven gehabt. Ich bin einfach super zufrieden«, so Hambüchen.

Angesichts von noch nie dagewesenen zwei Siegen zu Saisonbeginn in der 2. Bundesliga Nord ein Traumstart, der nun bereits das Saisonziel »Nicht-Abstieg« vergessen lässt. Das Turnteam legte durch Kapitän Tim Pfeiffer, Neuzugang Nico Köhler, Moritz Bulka und Tom Bobzien am Boden einen fulminanten Start hin, erhielt das Quartett elf Punkte. Am Pferd setzte sich die Siegesserie durch Yumito Nishiura noch fort, bevor es Vlad Bogdan Cotuna war, der die Lindener Siegesserie durchbrach und drei Punkte für Grünstadt eroberte - und dies im Duell mit Nico Köhler. Doch Joshua Jack Williams Meehan und Florian Arendt bauten den Vorsprung nach zwei Geräten weiter aus. Auch an den Ringen punkten zunächst Nico Köhler und Williams Meehan und brachten das Turnteam mit 26:3 in Führung. Doch dann konterten die Grünstädter, war es der Rumäne Cotuna, der zur Aufholjagd aufrief und eine Wende im Wettkampf einleitete. Gemeinsam mit Justus Fröhlich sicherte er den Gerätesieg an den Ringen für Grünstadt, trotz einer sicheren Halbzeitführung der Gastgeber. Diese patzten gänzlich beim Sprung, ging das Gerät mit 7:0 verloren, hatten Maximilian Kessler, Moritz Bulka, Nico Köhler und Tom Bobzien keine Chance gegen die Turner der Gäste.

Showdown am Barren

Zu einem ersten Showdown kam es am Barren, fuhr Nico Köhler drei Punkte ein, während Lasse Gauch sein Duell gegen Williams Meehan gewann, der nach einer fehlerfreien Übung beim erstmals gezeigten Abgang mit Doppelsalto mit halber Drehung patzte. Nach einem Unentschieden von Yumito Nishiura am Reck war es beim zweiten Duell Nico Köhler, der bei seiner Tkatschow-Grätsche daneben griff, das Gerät verlassen musste und Grünstadt just in jenem Moment erstmals mit 30:29 in Führung ging.

Noch zwei Reckduelle standen aus, Nerven waren gefragt - und diese zeigte Williams Meehan, turnte eine saubere Nummer, fuhr fünf Punkte ein. Dann war der Druck auf Justus Fröhlich als Schlussturner von Grünstadt am Reck zu groß. Gleich dreimal musste er das Gerät verlassen und seine Darbietung unterbrechen. Neuzugang Moritz Bulka, der einen tollen Einstand feierte, veredelte sein Debüt mit zehn Punkten als letzter Turner. »Wir haben einen tollen Wettkampf gesehen«, fasste Hallensprecher Tom Pfeiffer bereits vor der letzten Wertung zusammen, als der Jubel beim Turnteam über den eigentlich nicht erwarteten zweiten Saisonerfolg groß war.

»Zu viele Fehler am Boden darf man sich in der zweiten Liga nun einmal nicht erlauben«, resümieren die Grünstädter, während Turnteam Kapitän Tim Pfeiffer sich über einen überraschenden Sieg freute. »Sicherlich haben wir zu Beginn von Fehlern unserer Gegner profitiert und selbst bis zum Sprung keine Fehler gemacht. Doch letztendlich haben wir es ins Ziel gerettet und am Ende stärkere Nerven gezeigt«.

Zwei Wermutstropfen gibt es am Ende noch zu vermelden, zog sich Cotuna nach einem missglückten Sprung eine schwere Knieverletzung zu. Umso bemerkenswerter und erwähnenswert ist es, dass Cotuna trotz Verletzung beim Sprung am Barren an den Start ging und vier Punkte für Grünstadt holte, wobei er allerdings aufgrund seiner Verletzung auf einen spektakulären Abgang verzichtete.

Und das Turnteam muss auch in den nächsten Wettkämpfen auf seinen schwedischen Olympiateilnehmer David Rumbutis verzichten, der vom 18. bis 24. Oktober nach Japan zurückkehrt um an der Turn-WM in Kitakyushu teilzunehmen.

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