Hannu Järvenpää ist der neue Trainer des EC Bad Nauheim. FOTO: CHUC
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Hannu Järvenpää ist der neue Trainer des EC Bad Nauheim. FOTO: CHUC

EC Bad Nauheim

EC Bad Nauheim: Mit frischem Wind ins Viertelfinale

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Ein neuer Trainer, vier neue Importspieler, die Erweiterung der Geschäftsführung sowie die Präsentation der Projektskizze für den Bau einer Spielstätte: Der EC Bad Nauheim hat sich für die achte Saison in der DEL2 chic gemacht.

Das Saison-Ende 2019/20 hatte zwar zu den vorangegangen Winter-Wochen, nicht aber zum Gesamtbild der Spielzeit gepasst. In zwei Spielen - und dies recht deutlich - war Bad Nauheim in den Pre-Playoffs an Dresden gescheitert, nachdem über 44 Spieltage hinweg eine Top-Sechs-Position in der DEL 2 gehalten worden war. In der Schlussphase hatten auf den Schlüsselpositionen die Scoring-Impulse gefehlt - die vorderen beiden Blöcke haben deshalb (offensiv wie defensiv) ein neues Gesicht erhalten.

Der Kader habe Qualität für eine Top-Sechs-Platzierung, ist Hannu Järvenpää überzeugt. Der Finne ist zurück in der DEL 2. In der Wetterau beerbt er Christof Kreutzer und hat gemeinsam mit Co-Trainer Harry Lange und dem Sportlichen Leiter Matthias Baldys die sportlichen Kaderfragen beantwortet. Ihre priorisierten Auswahlkriterien: Mentalität und Geschwindigkeit. "Wir haben eine gute Chemie in der Mannschaft", sagte Järvenpää nach der Vorbereitung.

Der ursprüngliche Plan-Etat belaufe sich - vergleichbar mit den Vorjahren - auf 2,5 Millionen Euro, sagt Andreas Ortwein. Dem Geschäftsführer - mit kurzer Unterbrechung seit 2008 im Amt - steht Dag Heydecker als neuer Geschäftsleiter zur Seite. Heydecker, von Kindesbeinen an mit dem Eishockey in Bad Nauheim verbandelt, war unter anderem je zehn Jahre bei DEL-Klub Adler Mannheim sowie beim 1. FSV Mainz 05 in der Fußball-Bundesliga für Marketing und Vertrieb verantwortlich.

Präsentiert wurde Ende August gemeinsam mit Bürgermeister Klaus Kreß die Projektskizze einer Multifunktionsarena, in der der Eissport seine Zukunft finden soll.

Tor:Hier gibt’s eine klare Hierarchie. Felix Bick - nach Dienstjahren bereits der zweitälteste Spieler im Kader - ist die klare Nummer eins. Der 27-Jährige - bereits dekoriert als DEL 2-Torwart des Jahres - war in der Vorsaison ein Erfolgsgarant, weil er seine Mannschaft im Spiel hielt und den Roten Teufeln immer wieder die Möglichkeit gab, eine Partie zu drehen.

In seinem Schatten hofft Philipp Maurer auf Eiszeiten, die sein Vorgänger Bastian Kucis in einem für ihn nur unbefriedigenden Maße bekam. Maurer, U20-Nationaltorwart, kommt per Förderlizenz aus Köln. Als Absicherung dient Louis Busch aus dem Kader des Oberligisten Diez-Limburg.

Abwehr:Das gab es noch nie. Die Roten Teufel haben einen Nationalspieler Großbritanniens in ihren Reihen. Mark Richardson war durch den Saisonausfall auf der Insel auf den Markt gekommen. Vor ihm war Tomas Schmidt für die Defensive verpflichtet worden. Und auch Aaron Reinig, der verletzungsbedingt nicht ein Hauptrunden-Spiel der Vorsaison absolviert hatte, kann als Neuzugang eingeordnet werden. In der Abwehr inzwischen gesetzt ist Huba Sekesi, der in der Vorsaison umgeschult worden war. Der Dienstälteste im Kader heißt Daniel Ketter. Er steht vor seinem 500. Spiel für seinen Heimatverein. Dahinter streiten Simon Gnyp, Jan Luca Sennhenn und Maxi Glötzl, junge Spieler aus der Talentschmiede der Kölner Haie um Eiszeiten. Die Abwehr scheint im Vergleich zur Vorsaison beweglicher. Järvenpää bevorzugt spielerischer Lösungen im eigenen Drittel.

Angriff:Wer kompensiert den Ausfall von Andrej Bires? Der Deutsch-Tscheche war mit seinen 25 Treffern lange Zeit die offensive Lebensversicherung der Roten Teufel. Järvenpää setzt auf das Kollektiv ("Die Abwehrspieler werden auch in der Offensive eine gewisse Rolle übernehmen") und neue Import-Stürmer, die allesamt zum ersten Mal in der DEL 2 aktiv sind. Ganz bewusst hatte man sich in der Wetterau Zeit gelassen. Hinter Kesley Tessier, Cason Hohmann und Jamie Arniel sind Freddy Cabana und Stefan Reiter, zwei weitere Neue, sowie Andreas Pauli in den vorderen beiden Reihen zu erwarten. Insbesondere Tessier wusste rasch zu überzeugen, war der auffälligste Mann während der Vorbereitung.

Neben Mark El-Sayed und Christoph Körner wird die "Köln-Fraktion" mit Nicolas Cornett, Luis Üffing, Julian Chrobot, Marvin Ratmann, teils mit Verträgen in Bad Nauheim ausgestattet, um Spielzeiten kämpfen. Mit Leon Köhler darf sich auch ein Eigengewächs nach drei DNL-Jahren in Köln Chancen ausrechnen, den Sprung in die DEL 2 zu schaffen.

Trainer:Hannu Järvenpää ist in die Fußstapfen von Christoph Kreutzer (Sportdirektor in Schwenningen) getreten. Die Finne war 2016/17 als Trainer der Lausitzer Füchse zum "DEL 2-Trainer des Jahres" gewählt worden. Zuletzt war der 57-Jährige in Ungarn tätig. Järvenpää hat 114 NHL-Spiele betritten und gewann 1992 die Silbermedaille bei den Weltmeisterschaften.

Chancen und Risiken: Die Testspiel-Eindrücke waren positiv, doch haben die Roten Teufel bezüglich der Tiefe von Kooperationspartner Köln profitiert. Unklar ist, wie lange man in der Wetterau mit dieser Unterstützung rechnen kann. Der DEL-Partner hatte unlängst seine wirtschaftlichen Nöte öffentlich gemacht. Eine weitere DEL-Saison ohne Abstiegsangst könnte dazu verleiten, jetzt Talente aus Bad Nauheim abzuziehen und in den DEL-Kader zu integrieren. "Unser eigener Kader ist in der Tiefe gut aufgestellt. Da werden Spieler noch als Kölner angesehen, obwohl sie bei uns unter Vertrag sind", sagt aber Geschäftsführer Ortwein.

Fazit:Bad Nauheim hat in vier der vergangenen fünf Jahren um Platz sechs mitgespielt und geht auch nun wieder als Kandidat für das Playoff-Viertelfinale in die Saison.

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