Jubel bei Kristian Björnsen und der HSG Wetzlar nach dem 29:11-Triumph über die Eulen Ludwigshafen, dem höchsten Sieg der Grün-Weißen in der Bundesliga-Geschichte. FOTO: VOGLER
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Jubel bei Kristian Björnsen und der HSG Wetzlar nach dem 29:11-Triumph über die Eulen Ludwigshafen, dem höchsten Sieg der Grün-Weißen in der Bundesliga-Geschichte. FOTO: VOGLER

Der nächste Rekord

  • Daniela Pieth
    vonDaniela Pieth
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Handball-Bundesligist HSG Wetzlar demontiert die Eulen Ludwigshafen beim 29:11 (13:6) in gleicher Art und Weise wie die spanische Fußball- Nationalelf das kapitulierende Löw-Team.

Beim höchsten Bundesliga-Sieg ihrer Geschichte schickte die HSG Wetzlar in der Handball-Bundesliga die Eulen Ludwigshafen mit einer 29:11 (13:6)-Klatsche nach Hause. Im Duell des scheidenden gegen den zukünftigen Trainer erteilte Kai Wandschneider seinem Nachfolger Benjamin Matschke eine Lehrstunde, die der so schnell kaum vergessen dürfte. "Das war aus meiner Sicht das erste Spiel von Friesenheim, in dem Friesenheim sich ab einem bestimmten Zeitpunkt aufgegeben hat", erklärte Wandschneider.

Dabei kamen die Eulen wesentlich besser in die Partie und setzten die Gastgeber von Beginn an mit einer 5:1-Deckung unter Druck. Ludwigshafens Jan Remmlinger ging weit raus, störte HSG-Mittelmann Filip Mirkulovski teilweise bereits bei 15 Metern im Spielaufbau. So provozierten die Gäste schnell zwei Fehlpässe, Wetzlars Olle Forsell Schefvert knallte den Ball im dritten Angriff an die Latte und lud die Eulen in Person von Azat Valuillin in der sechsten Minute zum 3:0 ein. Die Mannschaft von HSG-Trainer Kai Wandschneider schien in den ersten Spielminuten zwar körperlich auf dem Feld, hatte der zupackenden Eulen-Abwehr jedoch kaum etwas entgegenzusetzen.

In der Folge kamen die Wetzlarer besser in die Partie, Dominik Mappes kassierte die erste Ludwigshafener Zeitstrafe und Maximilian Holst erzielte per Siebenmeter den ersten Treffer der Grün-Weißen. Vier Minuten später durfte sich Gunnar Dietrich auf der Eulen-Bank für zwei Minuten ausruhen, den fälligen Siebenmeter entschärfte allerdings Torhüter-Oldie Gorazd Skof von Holst. Auch Forsell und Kristian Björnsen scheiterten völlig frei am Eulen-Keeper und so dauerte es bis zum 4:4 in der 18. Minute, ehe Anton Lindskog den ersten Wetzlarer Ausgleich erzielte.

Dieser schien ein Brustlöser zu sein, denn die HSG legte nach. Dem 6:4 von Holst per Siebenmeter folgte sofort die erste Auszeit von Eulen-Coach Benjamin Matschke, die seine Mannschaft allerdings eher noch mehr aus dem Tritt brachte. Einen Fehlpass der Eulen im Spielaufbau und einen von Tibor Ivanisevic gehaltenen Siebenmeter später nutzte Cavor die Chance zur 9:5-Führung. Zwei Mal Lenny Rubin und Holst mit ebenfalls zwei Strafwürfen brachten die HSG bis zur Pause sogar mit 13:6 in Führung. "Die Wetzlarer haben das mit ganz viel Überzeugung gespielt", lobte Matschke die Performance des Gegners.

In der zweiten Hälfte knüpfte die HSG nahtlos an die erste an. Angeführt von Mirkulovski kombinierten sich die Grün-Weißen durch die Ludwigshafener Deckung. Ivanisevic verunsicherte Wernig bei seinem zweiten Siebenmeter derart, dass dieser den Ball über das Tor warf, und so brauchten die Gäste eine doppelte Unterzahl der Wetzlarer, um in der 39. Minute mit zwei Treffern zum 10:16 aufzuholen.

Danach war es mit der Tor-Herrlichkeit der Gäste allerdings vollends vorbei. Ein technischer Fehler reihte sich bei den Eulen an den anderen, dazu kamen etliche vergebene Wurfchancen. Entweder stand HSG-Keeper Till Klimpke im Weg, der an diesem Abend mit über 47 Prozent gehaltener Bälle aufwartete, oder die Klimek, Mappes und Co. warfen gleich ganz am Tor vorbei.

Die Hausherren hingegen warfen sich mit Erfolg in jedes Eins-gegen-eins-Duell, spielten ihre Konzeptionen konzentriert durch und starteten mit dem 17:10 von Lindskog in der 40. Minute einen 13:0-Lauf (!) zum 29:10, der seinesgleichen suchte.

Schon Minuten vor dem Abpfiff ging Wandschneider durch die Reihen seiner Spieler und klatschte jeden höchstpersönlich ab. Schnelle Mitte, Gegenstöße, Durchbrüche, Zauberpässe an den Kreis - egal, was seine Mannen anpackten, es war von Erfolg gekrönt. Das Selbstvertrauen der Grün-Weißen wuchs von Minute zu Minute und auch die Neuzugänge Philip Henningsson, Emil Mellegard, Magnus Fredriksen, Ivan Srsen und Patrick Gempp bekamen Zeit, sich zu zeigen. So konnten sich fast alle Wetzlarer in die Torschützenliste eintragen.

In der Abwehr rührte die HSG Beton an, stoppte die Angreifer der Gäste, die völlig von der Rolle waren. Ohne Durchschlagskraft und Ideen rannten sich die Eulen ein ums andere Mal fest, scheiterten immer wieder daran, die bewegliche und gedankenschnellere Defensive der Wetzlarer zu knacken. "Wir haben eine überragende Abwehr gespielt und hatten eine starke Torwartleistung", gab Wandschneider zu Protokoll. "Die Mannschaft hat gezeigt, wie sehr sie gebrannt hat und dass sie das Spiel unbedingt gewinnen wollte."

Wetzlar: Klimpke, Ivanisevic; Feld, Srsen (1), Henningsson (1), Björnsen (1), Mirkulovski (1), Weissgerber (2/1), Holst (7/5), Fredriksen, Forsell Schefvert (2), Gempp, Mellegard (2), Rubin (2), Lindskog (5), Cavor (5).

Ludwigshafen: Tomovski, Skof; Grimm, Dietrich, Wernig, Haider, Remmlinger (2), Durak, Bührer, Mappes (2), Wagner, Meddeb, Neuhaus, Valiullin (3), Klimek (3), Klein (1).

Stenogramm / SR: Grobe/Kinzel (Braunschweig/Bochum). - Zeitstrafen: 8:12 Minuten. - Siebenmeter: 7/6:2/0.

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