Nach der Pause brechen die LTi 46ers ein

Die Fans der LTi 46ers werden Thorsten Leibenath zustimmen: Nach der 75:97 (41:49)-Niederlage der Mittelhessen bei Ratiopharm Ulm begann der Coach der Gastgeber am Sonntagabend seine Spielanalyse mit einem "Es ist das eingetreten, was wir erwartet haben".

Doch war es nicht der deutliche Sieg seines Teams, den der ehemalige Gießener Trainer vorhergesehen hatte, sondern die Art und Weise, wie sich die Gäste aus Mittelhessen in den ersten Minuten dagegen gewehrt hatten. Nach der Halbzeitpause jedoch brachen die LTi 46ers ein und kassierten so die zwölfte Niederlage im letzten Hinrundenspiel in der Basketball-Bundesliga.

Vor 6000 Fans in der brandneuen Ratiopharm-Arena in Neu-Ulm gelang es den Gästen, sich in der Anfangsphase mutig zu präsentieren: Vor allem Barry Stewart kam mit viel Energie aus der Kabine, störte defensiv immer wieder die Ulmer Passwege, verbuchte acht Punkte, die er mit zwei Steals und einem Assist für Wayne Bernard garnierte. In einer offensiv geführten Partie lagen die 46ers nach fünf Minuten mit 15:11 in Führung, nach einem Dreier von Aufbauspieler Radenko Pilcevic kurze Zeit später sogar mit 20:14, ehe die Hausherren ihrerseits besser ins Spiel kamen, von Gießener Fehlwürfen profitierten und sich am offensiven Brett immer wieder zweite Wurfchancen erarbeiteten. In den letzten drei Minuten des Viertels musste Gießen einen 4:14-Lauf hinnehmen, mit 24:28 ging es ins zweite Viertel.

Dort lief es zunächst nicht besser für die Harmsen-Truppe: Zwei getroffene Freiwürfe von Stewart blieben in den ersten vier Minuten des Viertels die einzigen Gießener Punkte, ehe Achmadschah Zazai einen Korbleger im Fastbreak versenken konnte. Doch aus dem 28:34 machten zwei schnelle Dreier von Sebastian Betz und Keaton Nankivil, der Mitte der Woche noch den FC Bayern durch einem Distanztreffer in letzter Sekunde mit einer Niederlage zurück an die Isar schickte, schnell das 28:40 (15.). Die 46ers ließen sich aber nicht abschütteln, profitierten dabei auch von der schwachen Wurfquote von Ulms Shootingguard Isiah Swann (blieb ohne Treffer bei neun Versuchen aus dem Feld) und kamen wieder auf fünf Punkte heran (Freiwürfe Robert Oehle, 37:42, 18.). Bis zur Halbzeitpause brachten die Hausherren aber wieder etwas Platz zwischen sich und die Gießener (41:49). "In der ersten Halbzeit haben wir uns gut verkauft, offensiv einen Fluss gehabt, den Ball gut bewegt und in der Defense einige Stops bekommen. Was uns wehgetan hat, waren die sieben Offensivrebounds bei der hohen Trefferquote der Ulmer", ärgerte sich Coach Harmsen nach der Partie über die zugelassenen zweiten Chancen.

Nach dem Seitenwechsel ließ sich das Spiel zunächst gut an, der beim Dreier gefoulte Stewart versenkte alle fälligen Freiwürfe im Ulmer Korb, doch nun zogen die Gastgeber langsam, aber sicher davon: Die Freiwürfe konterte Ratiopharm-Kapitän und Geburtstagskind Steven Esterkamp mit einem schnellen Dreier aus der Ecke, der aus Tübingen gekommene Dane Watts netzte später zwei weitere Distanzwürfe ein, und nach einem Treffer des in Gießen geborenen Per Günther lagen die 46ers plötzlich mit 15 Punkten hinten (50:65, 26.). Esterkamp machte sich nun ein Geburtstagsgeschenk, legte sieben Punkte in Folge nach, und hatte somit großen Anteil daran, dass die Gäste aus Mittelhessen vor dem letzten Viertel beim 59:74 einer, angesichts der ausgeglichenen Ulmer Leistung (sechs Spieler punkteten zweistellig), fast unbezwingbaren Aufgabe gegenüberstanden.

Spätestens, als Gießen das Viertel mit einem 2:10 eröffnete, war die Partie endgültig verloren: Zwar hielten die Gastgeber die Intensität weiterhin hoch, aber während ihr Spiel lockerer wirkte, konnten sich die Gießener nicht aus der Abwärtsspirale befreien. Für Schmunzeln sorgte die Situation nach dem fünften Foul von Center Robert Oehle: Aufbauspieler Mathias Perl hatte offenbar "Matze" vernommen, als Trainer Harmsen allem Anschein nach Elvir Ovcina verlangt hatte. So spurtete der Youngster aufs Feld, und ehe man sich versah, war die Partie wieder angepfiffen und Ovcina musste zwei Angriffe auf dem Wechselstuhl schmoren, ehe er in die Partie kam.

Am Ende eine deutliche Niederlage beim Tabellenzweiten, der "gezeigt hat, warum er in dieser Saison zu Hause noch ungeschlagen ist", wie Harmsen nach dem Spiel bemerkte. Die nächste Reise für Gießens Trainer geht heute an den Frankfurter Flughafen: Dann erwarten die Verantwortlichen der LTi 46ers einen neuen Spieler, der den verletzten Maurice Jeffers ersetzen soll. Mit Namen hielten die Gießener am Sonntagabend jedoch hinter dem Berg. Martin Vogel

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