Moritz Schütz für die neue Saison bereit

In Nordrhein-Westfalen wurde dieser Tage traditionell die Straßensaison der Rennradfahrer eröffnet. Moritz Schütz, A-Lizenz-Fahrer der Radfahrervereinigung 1904/27 Gießen-Kleinlinden, hat in diesem Winter bereits 5000 Trainingskilometer zurückgelegt, ein Trainingslager auf Lanzarote absolviert und sieht sich bei 75 Prozent Leistungsvermögen.

Kein Problem für den 27-jährigen Gießener, der in diesem Jahr seinen Zeitfahrtitel bei den Hessischen Meisterschaften verteidigen und erneut bei der DM an den Start gehen will. Unser Redakteur Ronny Th. Herteux hat sich im Saisonvorfeld mit Moritz Schütz, dem erfolgreichsten heimischen Eliterennradfahrer, unterhalten.

Herr Schütz, die Sonne lacht, der Frühling ist da, wie viele Kilometer haben Sie schon in diesem Jahr hinter sich gebracht?

Schütz: »Der Winter war wirklich angenehm, bis auf eine kurze Phase, wo es sehr kalt war. Ich konnte mein Programm gut durchziehen und sogar ein Trainingslager auf Lanzarote absolvieren. Meine Kilometer schätze ich auf ca. 5000. Vor Kurzem lag ich mit einem Virus flach, das hat die Vorbereitung auf die ersten Rennen gebremst, aber die Saison ist ja noch lang.«

Wie ist der Leistungsstand? An welchen Feinheiten ist noch zu arbeiten, mit was waren Sie zuletzt im Training zufrieden?

Schütz: »Der Leistungsstand ist gut. Kürzlich ist in Deutschland die Straßensaison in Niedersachsen gestartet worden und ich konnte mit einem 20. Platz in Bramsche überzeugen. Die Konkurrenz war stark und die ersten Rennen sind immer schwer, da man sich erst an den Rhythmus gewöhnen muss, das ist ähnlich wie im Fußball. Im Training gilt es jetzt, die Belastungen zu forcieren und spezielle Intervalle einzustreuen.«

Wie viel wiegen Sie, wie viel sollten es zu diesem Zeitpunkt sein?

Schütz: »Ich wiege zurzeit 73 kg. Ich hatte im Winter schon weniger, aber das war durch eine Krankheit bedingt. Mein Idealgewicht liegt bei ca. 70, 71 kg, das werde ich zur Mitte der Saison erreichen.«

Falls Sie morgen ein DM-Zeitfahren absolvieren müssten, wie viel Prozent Leistungsstärke wäre im Moment abrufbar?

Schütz: »Das wäre nicht gut. Ich habe noch kein spezielles Zeitfahrtraining absolviert und auch noch keine intensiven Einheiten über zehn Minuten. Die DM ist über 40 km lang, da würde ich nicht gut abschneiden. Ich würde sagen, dass ich bei 75 Prozent bin. Außerdem habe ich noch kein Zeitfahrrad, mein altes ist nicht mehr fahrtauglich. Das wird noch schwierig, man muss sich nämlich erst an ein neues Rad gewöhnen.«

Aus dem letzten Jahr ist natürlich der Sieg in Marburg bei »Rund um den Elisabethbrunnen« am 27. Geburtstag noch in Erinnerung, Platz 25 bei der Zeitfahr-DM, der Hessentitel im Kampf gegen die Uhr und die frühe Qualifikation für ein weiteres Jahr in der A-Klasse. Was sind 2012 die vorrangigen Ziele?

Schütz: »Die Ziele werden zumindest nicht größer. Ich möchte gerne weiter Spaß haben und mich vor allem bei der Deutschen Meisterschaft im Zeitfahren verbessern, da ist noch viel Luft nach oben. Ich habe einiges umgestellt dieses Jahr, ich bin gespannt.«

Lohnt sich der hohe Aufwand, um den A-Lizenz-Status zu wahren? Ist ein Aufstieg zu einem Continental-Team denkbar?

Schütz: »Der Aufwand lohnt sich, solange es Spaß macht. Außerdem bin ich gerne draußen, dann kann man Training und Leidenschaft verbinden. Ein Aufstieg ist angesichts meines Alters und der kommenden beruflichen Situation nicht denkbar. In einem KT-Team müsste ich hauptberuflich fahren, das wäre von der Leistungsfähigkeit möglich, aber diese Teams gelten mehr als Sprungbrett für junge Talente oder als ›Ehrenrunde» für ehemalige Profis.«

Der Rennradsport ist auch Mannschaftssport. Wie viel Anteil haben die Teamkollegen von der RV 1904/27 Klein-Linden an ihren Erfolgen? Wie schaut die taktische Vorbereitung vor einem Rennen aus – und werden auch die Preisgelder brüderlich geteilt?

Schütz: »Ja, natürlich ist der Radsport in erster Linie ein Mannschaftssport. Mit starken Teamkollegen kann man viel taktieren oder abwechselnd die Konkurrenz herausfordern. In den letzten Jahren konnte ich immer auf die Unterstützung von Sebastian Schubert, Jonas Hartmann oder speziell in der letzten Saison auf Jan Niklas Drostes Hilfe bauen. In einigen Rennen konnten Sie für mich Löcher zufahren oder taktisch das Rennen stören, falls ich in einer Spitzengruppe war.

Die Preisgelder sind sehr gering, aber hin und wieder gehen wir mal was Essen oder spendieren uns ein Eis davon.«

Bei all dem Training, Studium und Rennen bleibt wohl kaum noch Zeit für die Organisation, oder?

Schütz: »Der angesprochene Radsport ist gerade deswegen ein Mannschaftssport, weil im Hintergrund immer Personen sind, die sich um organisatorische Angelegenheiten kümmern. Vor allem unser Fachwart Stephan Dietel, der früher selber aktiv war, arbeitet hart für die Mannschaft und ihre Weiterentwicklung. Er macht nicht nur viel Pressearbeit, sondern kümmert sich um die Förderer, Fahrer oder sonstige Vereinsbelange. Er hat das Team mit aufgebaut und hat wesentlichen Anteil an den Erfolgen, die wir bisher eingefahren haben. Es könnten noch zahlreiche Personen aufgelistet werden, die sich sehr intensiv einbringen, aber das würde den Rahmen überschreiten.«

Freuen Sie sich nach den kalten und dunklen Monaten schon auf die wärmere Jahreszeit?

Schütz: »Der Frühling ist meine liebste Jahreszeit. Es ist immer wieder schön, die ersten warmen Sonnenstrahlen zu genießen, auf die man gewartet hat. Insbesondere ist es traumhaft, wenn sich die Natur von ihrem grauen Schleier löst und in einem saftigen Grün und den bunten Farben der Blumen erleuchtet. Das erzeugt Glücksgefühle und die Menschen sind besser gelaunt, das ist toll.«

Was macht der Radfahrer Moritz Schütz, wenn er keine Lizenzrennen mehr fährt?

Schütz: »Dazu kann ich jetzt nichts sagen. Erst einmal möchte ich die Saison genießen. Wenn ich den zweiten Teil meiner Lehrerausbildung angehe, muss ich natürlich kürzertreten. Aber ganz aufhören werde ich freiwillig nicht, da der Sport für mich schon immer zu meinem Leben gehört hat.« (htr)

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