Moritz Schütz zum Auftakt hellwach

Sein Auftakt wurde von einem Mittelhessen gewonnen - das Gelbe Trikot des Gesamtsiegers ging letztlich nach Nordrhein-Westfalen. In jedem Fall war der Radcup Mittelhessen ein sportlicher Gewinn für die Region, so die einhellige Meinung seiner Macher und Zuschauer, die ein spannendes Rennwochenende erlebten, dass auf der Einzelzeitfahrstrecke nach Krofdorf-Gleiberg mit einem Heimsieg durch Moritz Schütz begann. Rolf-Martin Vieten (TuS Celle) und Björn Papstein hießen die weiteren Einzelsieger, die "Tour de Mittelhessen" gewann allerdings Holger Sievers (beide SC Wiedenbrück).

Sein Auftakt wurde von einem Mittelhessen gewonnen - das Gelbe Trikot des Gesamtsiegers ging letztlich nach Nordrhein-Westfalen. In jedem Fall war der Radcup Mittelhessen ein sportlicher Gewinn für die Region, so die einhellige Meinung seiner Macher und Zuschauer, die ein spannendes Rennwochenende erlebten, dass auf der Einzelzeitfahrstrecke nach Krofdorf-Gleiberg mit einem Heimsieg durch Moritz Schütz begann. Rolf-Martin Vieten (TuS Celle) und Björn Papstein hießen die weiteren Einzelsieger, die "Tour de Mittelhessen" gewann allerdings Holger Sievers (beide SC Wiedenbrück).

Nicht nur die Kenner der heimischen Radsportszene sahen Moritz Schütz von der RV Gießen-Kleinlinden als heißen Kandidaten für den Sieg im 11,5 km langen Einzelzeitfahren der RSG Gießen und Wieseck zum Auftakt des Radcup Mittelhessen. Doch die Konkurrenz war groß und in der Starterliste der Eliteklasse fanden sich einige Namen, die ebenfalls als Sieganwärter galten - allen voran Holger Sievers, der lange Zeit als Profi beim Team Nürnberger und später im Team Lamonta unter Vertrag war.

Mit Jan-Niklas Droste hatte Schütz einen weiteren Zeitfahrexperten an seiner Seite, der als ehemaliger Vize-Landesmeister in Niedesachsen ebenfalls hoch gehandelt wurde. Seine eigenen Siegchancen stufte Droste noch etwas geringer ein, als ihn kurz vor seinem Start die Nachricht von der Bestzeit erreichte: 18:01 Minuten von Michal Kesl (RSV Eggenfelden) toppten Drostes beste Trainingszeit auf der topografisch anspruchsvollen Strecke von Salzböden über die Schmelzmühle nach Krofdorf-Gleiberg um neun Sekunden. "Ich tippe auf Schütz", betonte Droste, bevor er von der Startrampe in Richtung Wettenberg fuhr. 17:58,74 Minuten später erreichte der Gießener Medizinstudent das Ziel am Ortseingang von Krofdorf-Gleiberg und setzte sich damit zunächst auf Rang drei. Dieser Podiumsplatz hatte Bestand, bis Moritz Schütz mit 17:10,51 Minuten ins Ziel bretterte und die Bestmarke setzte. Hinter dem amtierenden Zeitfahr-Hessenmeister kam Sven Baumann (RTR Viernau) in 17:19,43 Minuten auf Platz zwei. Dank moderner Transpondertechnik konnte auch der dritte Platz von Sievers (SC Wiedenbrück) zweifelsfrei festgestellt werden, der mit 17:19,72 Minuten nur einen Wimpernschlag länger unterwegs war. Hinter dem Kleinlindener Jan-Niklas Droste (17:58,74) wurde Rolf-Martin Vieten vom TuS Celle (17:59,64) Fünfter, was nur ein Vorgeschmack auf die zweite Etappe am Abend sein sollte.

Ähnlich anspruchsvoll wie das Zeitfahren am Morgen war das Rundstreckenrennen der RV Germania Lollar um den "Engel & Jung-Cup" am Samstagabend mit Start und Ziel vor dem Lollarer Rathaus. Zwischen den rund 100 Elitefahrern hatten die Zuschauer vor allem das Gelbe Trikot des Gesamtführenden Moritz Schütz im Blick, dessen Name bei den insgesamt 25 Durchfahrten immer wieder aus den Reihen der Zuschauer zu hören war. Rasante Prämienspurts, ermöglicht durch Spenden von ortsansässigen Firmen, sorgten in regelmäßigen Abständen für spannende Sprints und für Tempoverschärfungen auf dem schweren, 2,5 km langen Rundkurs, die das Fahrerfeld mit jeder Runde kleiner werden ließen.

Auch für den Mann in Gelb sah es nicht danach aus, als dass er das Trikot über Nacht behalten könnte. Drei Ausreißer waren dem Feld enteilt, darunter der Zeitfahr-Fünfte Rolf-Martin Vieten. Als weitere sechs Mann in die Spitzengruppe fuhren, ging Lokalmatador Schütz taktisch gesehen schachmatt. "Moritz fehlen im Moment Helfer auf seinem Level.

Einige Fahrer sind gesundheitlich angeschlagen oder noch zu jung, um die notwendige Tempohärte mitzubringen, die ein Rennen wie der Radcup Mittelhessen erfordert", schilderte Werner Speier als einer von drei Sportlichen Leitern im Team der Kleinlindener Radfahrervereinigung.

Schütz musste sich mit einem Platz im Hauptfeld (18.) zufrieden geben, während an der Spitze Vieten als Tagessieger jubelte. "Zwei Runden vor Schluss ist ein Fahrer aus unserer Gruppe weggefahren. Ich bin hinterher und konnte ihn einholen und kurz vor dem Ziel überholen", freute sich der Niedersachse, der sich nach der Ehrung als Tagessieger ("Engel & Jung-Cup") auch das Trikot des Gesamtführenden überstreifen konnte. Über Nacht verschwanden dann die bunten Trikots der weit angereisten Fahrer in Hotels und Pensionen rund um die Etappenorte. "Das ist schon ein besonderes Wochenende - wegen der schweren Strecke und weil man als Amateur sonst nie die Möglichkeit findet, drei Rennen in zwei Tagen zu bestreiten", sagte ein Teilnehmer, der seine müden Beine in einem Wohnwagen ausruhte. Vielen Fahrern vermittelte der Radcup unfreiwillig auch eine geografische Nachhilfestunde. So hörte man vielfach Stimmen, die nicht mit einem so bergigen Rundkurs in Lollar gerechnet hätten und die auch hinter der Schlussetappe "Rund im Lumdatal" der RV Gießen-Kleinlinden ein Rennen im Tal erwartet hatten.

Dass das Gegenteil der Fall ist, wurde den Elitefahrern mit 13 Überquerungen das Climbacher Bergs unvergesslich eingebleut.

Zurück in seinem blau-weiß-roten Vereinstrikot, musste Schütz am Start erfahren, dass Teamkollege Droste über Nacht Magen-Darm-Probleme bekommen hatte, die ihn zur Aufgabe zwangen. Mit jeder gefahrenen Runde auf dem 8,5 km langen Kurs reduzierte sich wie schon in Lollar die Zahl der anfänglich 150 Fahrer im Hauptfeld. Fünf Runden vor Schluss hatte sich Björn Papstein (SC Wiedenbrück) als Solist mit rund drei Minuten Vorsprung abgesetzt. Dahinter rangierte eine rund 15 Fahrer starke Verfolgergruppe um das Gelbe Trikot von Vieten und Sievers. Mit erneutem Abstand folgte dann das "Grupetto" des Hauptfeldes um Schütz. In der vorletzten Runde verschärfte dann Sievers das Tempo und ging mit rund 40 Sekunden Vorsprung aus dem Climbacher Berg. In der Abfahrt nach Allendorf/Lumda kamen ihm die Verfolger mit dem Mann in Gelb wieder näher, doch bei der letzten Überquerung der Steigung nach Climbach konnte Sievers seinen Vorsprung soweit vergrößern, dass er sicher zu Platz zwei hinter seinem Teamkollegen Papstein kam. Dritter wurde Martin Gorges (VC Regensburg).

Als 15. musste sich Vieten vom Gelben Trikot verabschieden und kam hinter Gesamtsieger Holger Sievers auf Gesamtrang zwei, vor Keke Dörnbach vom RSC Bonn. Schütz wurde 20. der Schlussetappe und Sechster im Gesamtklassement. Der Radcup Mittelhessen der Veranstaltergemeinschaft RSG Gießen und Wieseck, RV Germania Lollar und RV Gießen-Kleinlinden feierte dabei eine erfolgreiche Premiere. Beste heimische Fahrer bei den Senioren waren in der Gesamtwertung Olaf Kühn (Radlerfreunde Homberg) als Vierter, Axel Goers (RSG Gießen und Wieseck) als Neunter und Gerhard Härtl (RSC Grünberg) als Zehnter. Stephan Dietel

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