Peter Kusch, Benjamin Heidt, Diana Bree sowie Anja und Frank Kosmol (von links im Uhrzeigersinn) als Familie Feuerstein bei der Darts-WM in London. Die Grüße an die Gießen 46ers werden sogar von der TV-Kamera eingefangen. (luk)
+
Peter Kusch, Benjamin Heidt, Diana Bree sowie Anja und Frank Kosmol (von links im Uhrzeigersinn) als Familie Feuerstein bei der Darts-WM in London. Die Grüße an die Gießen 46ers werden sogar von der TV-Kamera eingefangen. (luk)

Mittelhessische Feuersteins bei Darts-WM in London

Am Neujahrsabend ist man zumeist etwas träge und müde, doch am ersten Abend des Jahres 2015 verwandelte sich diese Trägheit mancherorts im Raum Gießen in rege Betriebsamkeit. Grund dafür war die Live-Übertragung der um den Jahreswechsel immer äußerst populären Darts-Weltmeisterschaft aus London bei Sport1.

War da gerade wirklich aus dem Alexandra Palace in der englischen Hauptstadt ein Gruß an die ProA-Basketballer der Gießen 46ers über die Bildschirme geflimmert und somit einer breiten Öffentlichkeit präsentiert worden? Ein zweiter Blick beseitigte jeden Zweifel. In den sozialen Medien verbreitete sich der Screenshot dieser Momentaufnahme in Windeseile. Auch den Autor erreichten immer wieder Nachrichten der Marke: "Sag mal, weißt du, wer da in London ›Gießen 46ers" in die Kamera hält?"

Die Antwort lautet: Diana Bree, Benjamin Heidt aus Staufenberg, Frank und Anja Kosmol aus Trohe sowie Peter Kusch aus Gießen! Die fünf Mittelhessen, die zudem zu den treusten Anhängern der 46ers gehören, sind große Fans des Darts-Sports. Und das nicht nur während der WM, sondern schon jahrelang. Auch in einer eigenen Mannschaft wurde schon leidenschaftlich gespielt. Faszinierend für die fünf ist dabei die hohe mentale Herausforderung, über einen langen Zeitraum konstante Leistungen abzurufen. So war es naheliegend, das größte Event der Präzisionssportart zu besuchen und die Stars der Szene aus nächster Nähe zu erleben. Gerade diese Möglichkeit war einer der Hauptgründe für den Besuch, denn die Interaktion zwischen Spielern und Fans ist groß.

Die Spieler, die optisch eher wie der nette Nachbar wirken, sind als Vorbild zumindest aufgrund ihrer äußeren Erscheinung weniger weit entfernt, als beispielsweise Weltfußballer Cristiano Ronaldo, und verdeutlichen, dass der Weg vom Fan zum WM-Teilnehmer nicht weit sein muss. Der deutsche Teilnehmer Sascha Stein hat es vorgemacht.

Die Vorfreude beim heimischen Quintett war groß, als in der ersten Vorverkaufsrunde ein Tisch ergattert werden konnte – in der ersten Reihe. Da es im "Ally Pally" Tradition ist, dass die Fans und Zuschauer verkleidet erscheinen, machte sich eine mittelhessische Familie Feuerstein auf den Weg Richtung London. Nach der Ankunft zog man das übliche Sightseeing-Programm durch, erwarb Darts von Rekordweltmeister Phil Taylor und kehrte schließlich im "Herman ze German" ein. Der standesgemäße Pub-Besuch am Abend sah gleich zwei Highlights: Einem der fünf Mittelhessen gelang eine famose 171 an der Scheibe – und zudem betrat mit Stephen Bunting einer der aufstrebenden Stars der Darts-Szene und WM-Viertelfinalteilnehmer das Lokal.

Nach einer ruhigen Silvesternacht in der Millionenmetropole war es am Neujahrsabend endlich so weit. Am Eingang der Arena trafen Benni, Diana, Frank, Anja und Peter direkt auf Sport1-Moderator Sascha Bandermann, ehe man sich zu den Plätzen aufmachte. Es standen die Viertelfinals zwischen Michael van Gerwen, der sich der mittelhessischen Unterstützung gewiss sein konnte, und Robert Thornton an. Zudem duellierte sich der spätere Titelträger Gary Anderson mit Peter Wright. Die Spiele ließen zwar die allerletzte Spannung vermissen, doch das tat der Stimmung und Faszination für die sportlichen Leistungen der Protagonisten keinen Abbruch. Es wurde kräftig angefeuert und mitgefiebert. Die Gefühlsausbrüche der Spieler zogen die unmittelbar dahinter platzierten Mittelhessen in ihren Bann. Diese vergaßen bei aller Begeisterung jedoch nicht die Heimat und machten sich eine weitere Zuschauertradition im Rahmen der globalen Titelkämpfe zunutze. Jeder Fan hat in London die Möglichkeit, per Pappschild Anfeuerungen, Grüße oder Ähnliches in die Kameras zu halten. Dass das eigene Schild unter den tausend anderen jedoch erfasst wird, ist eher unwahrscheinlich. Nichtsdestotrotz bedachten die Mittelhessen unter anderem den eigenen Hund, die Sport1-Kommentatoren und auch den Autor mit ihren Grüßen.

Zudem durfte ein Gruß an den Herzensverein nicht fehlen. Entgegen aller Wahrscheinlichkeit flimmerten diese Sympathiebekundungen plötzlich gut lesbar über die Bildschirme. Und so gab es für die daheim gebliebenen Freunde und Bekannten an diesem Abend nur noch ein Gesprächsthema, was man auch im fernen London mitbekam. Die Krönung war, dass die heimische Fan-Gruppierung die von Wright ins Publikum geworfenen Flights auffangen konnte.

So wurde es ein Trip, der allen Mittelhessen noch lange in Erinnerung bleiben wird und einem trägen Neujahrsabend in der Heimat eine besondere Note verlieh. Lukas Becker

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare