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Hüttenbergs Vit Reichl steht mit Tschechien vor seinem ersten großen Turnier.

Handball

Mittelhessen-Fraktion bei der Handball-EM

  • Ralf Waldschmidt
    VonRalf Waldschmidt
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Bei der Handball-EM sind einmal mehr auch die mittelhessischen Topclubs HSG Wetzlar und TV 05/07 Hüttenberg vertreten. Dazu kommt ein bekannter heimischer Physiotherapeut.

Die Nationalmannschaften haben die Vorbereitung auf die Handball-Europameisterschaft hinter sich, heute erfolgt der Anwurf zu den kontinentalen Titelkämpfen in Ungarn und der Slowakei. Über 80 Spieler aus der 1., 2. und 3. Bundesliga zählen zu den Kadern der 24 Teilnehmerländer. Das größte Kontingent stellt die SG Flensburg/Handewitt mit derzeit zehn Spielern, knapp vor dem SC Magdeburg (9) und dem THW Kiel (8).

Auch die heimische HSG Wetzlar stellt neben DHB-Keeper Till Klimpke drei weitere Akteure für die bis zum 30. Januar laufende EURO 2022 ab. Rückraum-Linkshänder Stefan Cavor spielt für Montenegro und Mittelmann Filip Mirkulovski selbst im hohen Alter von 38 Jahren noch einmal für Nordmazedonien. Linksaußen Emil Mellegard hat es am Dienstag noch in den endgültigen schwedischen Kader geschafft. Darüber hinaus streift sich aus der 2. Liga Kreisläufer Vit Reichl vom TV 05/07 Hüttenberg das tschechische Trikot über. Und seit 2012 arbeitet der Heuchelheimer »Lieblingsphysio« Christian Büttner als Chiropraktiker und Osteopath für den Slowakischen Handball-Verband - so auch bei der heute startenden Heim-EM.

Überdies kreuzen sich in Ungarn und der Slowakei die Wege zahlreicher Handballer und Trainer, die eine mittelhessische Vergangenheit haben. Allen voran Kulttrainer Velimir Petkovic (HSG Wetzlar) als Coach der russischen Nationalmannschaft oder Philipp Weber (SC Magdeburg) als Regisseur des DHB-Teams. Andreas Wolff (Vive Kielce) wurde im Trikot der HSG Wetzlar 2016 Europameister, Rückraum-Linkshänder Alexander Hermann (HSG/jetzt Gummersbach) gehört mit Österreich zur deutschen Vorrunden-Gruppe, Viggo Kristjansson (HSG/jetzt Stuttgart) versucht sich mit Island in der Gruppe B. Bei Serbien taucht Peter Djordjic (HSG/jetzt Lissabon) im EM-Aufgebot auf, Tschechien setzt neben Vit Reichl auf dessen Hüttenberger Ex-Teamkollegen Dieudonne Mubenzem (HSC Coburg), Benjamin Buric (HSG/jetzt Flensburg) hofft trotz Corona-Infektion nach seiner Quarantäne auf eine Teilnahme. Rückraum-Linkshänder Kent Robin Tönnesen (HSG/jetzt Pick Szeged) zählt mit Norwegen erneut zu den Titelanwärtern.

Man sieht, der Profihandball im Mittelhessischen bewegt sich weiter auf allerhöchstem internationalen Niveau.

Cavor: Gruppe überstehen

»Für mich ist es immer ein ganz besonderes Gefühl, für das eigene Land aufzulaufen. Das ist jetzt bereits meine vierte Europameisterschaft mit Montenegro und bisher haben wir erst ein Spiel gewonnen, das war beim letzten Turnier gegen Serbien. Mein großer Traum ist es, die Gruppenphase zu überstehen. Aber das wird eine sehr, sehr schwierige Aufgabe«, sagt Wetzlars Torjäger Stefan Cavor, »wir haben mit Dänemark, Slowenien und Nordmazedonien eine enorm schwierige Gruppe erwischt. Nur zwei Teams schaffen den Sprung in die nächste Runde, das wird sehr hart für uns.«

Im Vorfeld des Turniers wurden mehrere Spieler sowie Teile des Trainerteams positiv auf SARS-CoV-2 getestet, sodass der »Yellow Cup« als Vorbereitung in der Schweiz ausfallen musste und der Kader, der den Montenegrinern zur Verfügung stehen wird, bis zum letzten Tag ungewiss ist.

Im Vorjahr nicht für die WM in Ägypten qualifiziert, freut sich Stefan Cavor, der bis 2026 bei der HSG Wetzlar unterschrieben hat, auf die internationale Herausforderung. Auf der halbrechten Seite wird der 27-Jährige ein starkes Duo mit dem künftigen Burgdorfer Branko Vujovic bilden. Die Vorbereitung verlief coronabedingt mäßig.

Mirkulovski: Ein spielender Trainer

»Das erste Spiel gegen Slowenien wird für uns schon sehr wichtig werden. Die Europameisterschaft wird das letzte Turnier als Spieler für mich. Unser Ziel ist es, die Gruppenphase zu überstehen und dann werden wir jeden Schritt gemeinsam gehen«, steht Routinier Filip Mirkulovski vor dem Ende seiner internationalen Laufbahn. »Das wird allerdings schwierig. Meiner Meinung nach haben wir eine der stärksten Gruppen erwischt. Dänemark ist als Weltmeister absoluter Favorit auf den Turniersieg und Slowenien und Montenegro sind auch knifflige Gegner. Ich werde dabei sowohl auf dem Feld als auch an der Seitenlinie neben Kiril Lazarov agieren.«

Die WM- und EM-Legende Kiril Lazarov und der Wetzlarer Filip Mirkulovski wollen mit den Nordmazedoniern besser Abschneiden als 2020, als man nur 15. wurde. In der EM-Qualifikation sorgte das neu zusammengestellte, verjüngte Team mit einem Sieg gegen Weltmeister Dänemark für Aufsehen. Ein solches Ausrufezeichen wollen Lazarov/Mirkulovski sowohl als Trainergespann als auch auf dem Parkett setzen.

Mellegard: Spät nachnominiert

Ein weiterer EM-Teilnehmer aus den Reihen der HSG Wetzlar ist der schwedische Linksaußen Emil Mellegard. Auf dessen Nationalteam warten in Bratislava Spanien, Tschechien und Bosnien-Herzegowina. Mellegard wurde nach positiven Corona-Fällen bei den »Tre Konor« erst spät am Dienstag nachnominiert. Nach nur einem erfolgreichen Testspiel gegen die Niederlande starten die Skandinavier am Donnerstag gegen Bosnien-Herzegowina ins Turnier.

Nationaltrainer Glenn Solberg musste vor allem auf Linksaußen noch lange auf die endgültige Entscheidung warten - nun reisen die Bundesligaspieler Hampus Wanne (SG Flensburg-Handewitt/freigetestet) und Emil Mellegard (HSG Wetzlar) zum Turnier, Lucas Pellas (Montpellier HB) fällt coronabedingt aus.

Mellegards Positionskollege Lucas Pellas war gleich zum Auftakt der Vorbereitung positiv getestet worden und musste sich in Stockholm in die Isolation begeben. Obwohl die letzten Tests negativ waren, gibt Nationaltrainer Solberg nun Emil Mellegard den Vorzug. Der Wetzlarer war nachgerückt und konnte die Vorbereitung mit dem Team trainieren. »Emil war während des gesamten Lehrgangs dabei und hat sich gut geschlagen, während Lucas überhaupt nicht mit uns trainieren konnte«, begründet Solberg seine Entscheidung.

Reichl: Erstes großes Turnier

Vit Reichl und das tschechische Nationalteam mussten wegen Corona vor einem Jahr von der WM in Ägypten ohne Spiel abreisen. Der Stachel der Enttäuschung saß tief, führte zur Entlassung des Trainerduos Kubes/Filip und der Rückkehr von Trainer-Ikone Ratislav Trtik (ehemals MT Melsungen). Der 60-Jährige brachte die Tschechen durch die EM-Qualifikation und bescherte damit dem Hüttenberger Zweitliga-Kreisläufer Vit Reichl die erste große internationale Bühne seiner Laufbahn.

Der 28-Jährige bekommt es in der Vorrunde aber gleich mit zwei der Mitfavoriten wie Spanien und Schweden zu tun, weshalb die Chancen auf ein Weiterkommen gering sind. »Unsere Gruppe ist sehr stark besetzt mit Schweden, Spanien und Bosnien«, sagt der Terrier am Kreis, »trotzdem werden wir versuchen, die Gruppenphase zu überstehen.«

Bislang gab es in der gesamten Vorbereitung erst zwei Corona-Fälle, »aber zum Glück waren wir die ersten Tage isoliert, sodass keine weiteren Fälle hinzukamen«, beschreibt Reichl die Situation im tschechische Team, »jetzt ist die Situation gut. Alle wurden negativ getestet.«

Vit Reichl ist einer von einem halben Dutzend Profis, die in der 2. Bundesliga unterwegs sind.

Lieblingsphysio Christian Büttner

Der lang ersehnte Moment ist da. Die Slowakei - diesmal auch mit Ungarn - empfängt die besten Handballer des alten Kontinents. Am heutigen Donnerstag startet das Turnier gegen Mitfavorit Norwegen. Zum vierten Mal in der EM-Geschichte ist die Slowakei dabei sein, die sich erstmals nach zehn Jahren wieder bei einem großen Top-Event präsentieren wird.

Die Slowaken werden ihre Gruppenspiele in der Steel Arena in Košice gegen Norwegen, Litauen und Russland austragen. Das Team von Cheftrainer Petr Kukucka wird sich um den allerersten slowakischen Sieg in der Geschichte der EM bemühen. »Ich freue mich, wenn alle das abgeben, was sie haben und was sie drin haben«, sagt Kukucka auf der Verbands-Homepage, dessen Schützlinge ohne letzten Check ins Turnier gehen müssen, da die Generalprobe gegen Deutschland-Gegner Österreich Corona zum Opfer fiel.

Mit dabei sein wird ein weiterer Mittelhesse. Christian Büttner, hierzulande als aktiver Handballer u. a. beim Oberligisten HSG Wettenberg bekannt, arbeitet seit zehn Jahren als Chiropraktiker und Osteopath für den Slowakischen Verband. »Mein Bezug zur HSG Wetzlar und seinerzeit zu deren slowakischen Spielern Daniel Valo und Milôs Hacko haben den Kontakt zum Slowakischen Verband hergestellt, der sich damals komplett neu aufgestellt hat. Einen Physio hatten sie bis dahin gar nicht«, blickt der 47-Jährige auf die Anfänge seiner Tätigkeit zurück. »Heute bin ich viermal im Jahr bei WM- und EM-Qualifikationsspielen dabei«, sagt der früher Torhüter, »die Europameisterschaft ist aber auch für mich das erste große Turnier. Das ist schon etwas ganz Besonderes.«

Christian Büttner hat seine Praxis in Heuchelheim-Kinzenbach und ist auch für den Deutschen Leichtathletik-Verband sowie das Sprintteam Wetzlar tätig. Seit 7. Januar ist der Familienvater beim Nationalteam und mittlerweile an den Vorrundenspielort Kosice umgezogen. Torwarttrainer der Slowaken ist übrigens ein weiteres Handball-Ass mit mittelhessischer Vergangenheit. Milos Putera, der vor zehn Jahren dass Tor des TV 05/07 Hüttenberg hütete.

Suljakovic bei Asienmeisterschaft

Anadin Suljakovic, der zweite Torhüter der HSG Wetzlar, befindet sich zeitgleich als Nationalkeeper von Katar bei der Asienmeisterschaft in Saudi-Arabien. »In unserer Vorrundengruppe spielen wir gegen den Oman, Irak und die Vereinigten Arabischen Emirate. Oman würde ich als schwersten Gegner einschätzen und wir spielen im ersten Spiel gegen sie. Wir wollen bereit sein und einen Sieg holen. Wir haben seit 2014 alle Asienmeisterschaften gewonnen, wollen den fünften Titel in Folge holen und uns dadurch auch für die Weltmeisterschaft im nächsten Jahr qualifizieren«, hat Suljakovic eine klare Zielsetzung, »das gesamte Team möchte zeigen, dass wir die beste Mannschaft in Asien sind, aber das wird natürlich nicht einfach. Alle anderen Mannschaften werden gegen uns besonders motiviert sein.«

Bei den Titelkämpfen in Saudi Arabien, an denen nach der Absage Thailands 17 Nationen teilnehmen, werden die fünf asiatischen Starter für die WM 2023 ermittelt. Als Favoriten gelten Katar, Südkorea und Japan.

Die Wetzlarer Filip Mirkulovski und Stefan Cavor (rechts) treffen mit Nordmazedonien und Montenegro bereits in der EM-Vorrunde aufeinander.
Stolz im schwedischen Nationaltrikot: Der nachnominierte Emil Mellegard.
Der Heuchelheimer Physiotherapeut Christian Büttner arbeitet bereits seit nunmehr zehn Jahren für den slowakischen Handball-Verband. PV

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