Basketball

Mitteldeutscher BC ohne Mannschaft

(dpa). Seine Pflicht hat Martin Geissler natürlich erfüllt. Und es brachte dem Manager des Mitteldeutschen BC in diesen einmaligen Wirrungen der Coronavirus-Pandemie ein Stückchen Normalität zurück. "Wir haben die Lizenzunterlagen für die 1. und 2. Liga fertiggestellt", berichtet Geissler. Die Dokumente sind bei der Basketball-Bundesliga eingereicht worden. Wenngleich der Weißenfelser Blick in die Zukunft dem in eine Glaskugel gleicht: "Aufgrund der Situation sind die wirtschaftlichen Anforderungen für die BBL etwas zurückgeschraubt worden. Der Fokus liegt auf der aktuellen Saison."

Um diese halbwegs vernünftig über die Runden zu bringen, hat der Club aus Weißenfels vor einem Monat eine Crowdfunding-Kampagne gestartet. Da wurden ein Dinner mit Fan-Liebling Sergio Kerusch oder ein Training mit Box-Weltmeister Dominic Bösel angeboten, um 85 000 Euro zu generieren. Der Clou: Der Club bekommt nur eine Auszahlung, wenn die Summe tatsächlich erreicht wird.

Die Resonanz ist überragend. Der durch die Corona-Krise gebeutelte Basketball-Bundesligist hat mithilfe seiner Crowdfunding-Kampagne rund 96 000 Euro gesammelt. "Wir sind überglücklich, diese Mission erfüllt zu haben. Das außerordentliche Engagement unserer Anhänger hat in dieser schwierigen Zeit ein klares Ausrufezeichen gesetzt", sagte MBC-Geschäftsführer Martin Geissler.

Trotz des Erfolges stellte Geissler klar, dass "die Herausforderung für uns noch nicht gemeistert ist". Am kommenden Montag konferieren die Ligaverantwortlichen der Basketball Bundesliga (BBL) mit Vereinsvertretern, um über die Fortsetzung der Saison zu entscheiden. Die Spielzeit ist noch bis zum 30. April ausgesetzt.

Das Spiel auf Zeit wird für kleine Clubs zum Problem. Denn diese haben nicht mit den Playoffs geplant und in einer Woche hat der MBC keine Mannschaft mehr. "Bei uns enden 80 Prozent der Verträge Anfang Mai. Eine Verlängerung wäre deshalb für uns eine existenzielle Herausforderung. Denn dadurch entstünden neue Kosten, ohne dass es neue Sponsoreneinnahmen, neue TV-Gelder, geschweige denn Zuschauereinnahmen gäbe", sagt Geissler. Schon derzeit seien nur noch zwei Spieler in Weißenfels vor Ort, die Sportstätten sind ohnehin gesperrt.

Eine Fortsetzung der Saison ist für Geissler auch eine Gewissensfrage. "Sollen wir uns über andere stellen und medizinische Kapazitäten in Anspruch nehmen, die dann woanders fehlen?", fragt der 35-Jährige. Schon aus seiner Rolle als Vorbild heraus beantragt der Club keine Sondergenehmigung, um trainieren zu können.

Hinzu käme, dass eine Durchführung der verbleibenden zwölf Spiele nur unter strengen Quarantäne-Regeln möglich wäre. "Das wäre schwer finanzierbar", meint Geissler. Um allein die Mannschaft für einen Monat in einem Hotel abzuschotten, entstünden Zusatzkosten von bis zu 80 000 Euro. Sehr viel Geld für einen kleinen Basketball-Club.

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