»Mitsprache der Athleten wird Normalität«

Der einstige Gießener Ruderer Jonathan Koch vertritt am Wochenende beim größten Athleten-Forum der Geschichte den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) als Athletensprecher. Gleichzeitig ist der frühere Weltklasse-Ruderer auch für den Verein Athleten Deutschland vor Ort, der das Internationale Olympische Komitee (IOC) mit seinen Forderungen vor Probleme gestellt hat.

Der einstige Gießener Ruderer Jonathan Koch vertritt am Wochenende beim größten Athleten-Forum der Geschichte den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) als Athletensprecher. Gleichzeitig ist der frühere Weltklasse-Ruderer auch für den Verein Athleten Deutschland vor Ort, der das Internationale Olympische Komitee (IOC) mit seinen Forderungen vor Probleme gestellt hat.

Herr Koch, wie wichtig ist das Athleten-Forum des IOC für den Verein Athleten Deutschland?

Jonathan Koch: Das Athleten-Forum ist einmalig, schließlich werden dort rund 300 Athletenvertreter aus der ganzen Welt zusammenkommen und sich austauschen. Der Austausch von Erfahrungen und Standpunkten ist für uns von sehr hoher Wichtigkeit, um auch Rückschlüsse auf unsere eigene Arbeit ziehen zu können. Ich werde als Athletenvertreter und Präsidiumsmitglied von Athleten Deutschland e.V. als Einziger vor Ort sein. Wir wären natürlich auch gerne zahlreicher dort vertreten, aber bei 206 möglichen Nationen ist es auch gut nachvollziehbar, dass jedes NOK nur einen Vertreter schicken darf.

Trägt das IOC mit seiner Strategie und dem Forum dazu bei, dass die Forderungen der Athleten in Deutschland ernst genommen werden?

Koch: So weit wie man es jetzt einsehen kann, werden unsere Forderungen sehr ernst genommen. Das Diskussionspapier selbst hat Athleten Deutschland e.V. zusammen mit AthletesCAN – auch ein Athletenverein – erarbeitet und veröffentlicht. Die Tatsache, dass seitens des IOC eine postwendende Antwort auf ein Diskussionspapier einer eigentlich außenstehenden Organisation kam, spricht ja für sich. Aber auch im Programm des Forums finden sich unsere Kernthemen – professionelle und unabhängige Athletenvertretung sowie die Beteiligung aller Athleten an den IOC-Umsätzen – wieder.

Im April 2018 forderte der Verein eine 25-prozentige Beteiligung der Spitzenathleten an den Vermarktungs- und Übertragungserlösen des IOC, die in der Zeit von 2013 bis 2016 bei rund fünf Milliarden Euro lagen. Dazu sollen zehn Prozent ohne Umwege an die Welt-Anti-Doping-Agentur WADA gehen. Geht es also um rund 1,75 Milliarden Euro?

Koch: Das könnte man so rechnen, aber eigentlich geht es hier um eine Grundsatzfrage. Der Sport, vor allem der olympische Sport hat sich in den letzten Jahrzehnten – was die Kommerzialisierung angeht – enorm entwickelt. Alles im Sport wird professioneller. Nur zwei Dinge sind bei dieser Entwicklung nicht mitgekommen, und das sind auch unsere Kernthemen: Die Unabhängigkeit der Athleten in ihrer Interessenvertretung und die direkte Beteiligung an den Einnahmen. Bei Letzterem geht es um Fairness – fast alle verdienen mit, nur die Athleten nicht.

Wie lange geben Sie dem IOC noch Zeit, auf Ihre Forderungen einzugehen?

Koch: Wir werden die Geduld nicht verlieren, Athleten Deutschland e.V. ist ja noch ein junger Verein! Als Sportler hat man schnell das Gefühl, dass man seinen Sport so hinnehmen muss wie er ist. Das Gegenteil ist der Fall, die Mitsprache der Athleten und Athletinnen wird immer mehr zur Normalität.

Was machen Sie, wenn das IOC Sie ignoriert?

Koch: Wir werden ja ernst genommen, und das ist auch gut so. Dass nun laut über unsere Forderungen nachgedacht und nicht gelacht wird, zeigt ja, dass sich das System in Bewegung setzt.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare