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Arie Schindler (r.) unterweist Junior Steffen Smets vor seinem WM-Einsatz in Italien.

Mit Rat und Tat bei der WM

  • Ronny Herteux
    VonRonny Herteux
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(htr). Seit 15 Jahren ist Arie Schindler aktiv als Downhiller, 2013 sogar Weltcups gefahren - jetzt war er wieder bei der Weltmeisterschaft in Italien im Mechaniker- und Betreuerstab im Einsatz und hat auch seinen ersten Europacup als Aktiver nach langer Pause in Angriff genommen.

Denn eine komplizierte Handgelenksverletzung mit Nervenschaden zwang den Lindener vor zwei Jahren zu einer Zwangspause, bis heute »spüre ich den Daumen, Zeige- und Mittelfinger der rechten Hand nicht richtig«, wie der 30-Jährige erklärt. Da beim Downhill das Bremsen auch sehr eng mit dem Körpergefühl getaktet ist, benutzt Schindler seither »einige Spezialanfertigungen am Rad, um das fehlende Gefühl irgendwie zu kompensieren«. Schließlich ist er als Inhaber von Schindler Radsport in Großen-Linden vom Fach. Auch der Wechsel auf die 29er Räder hat den Sport inzwischen verändert, »das Tempo ist sehr stark gestiegen, dadurch muss der Oberkörper noch mehr Kräfte aushalten.«

Vor der Weltmeisterschaft hat der Lindener beim European-Downhill-Cup in Tschechien sein Comeback gegeben. Am Ende stand Platz 28 im kleinen Finale zu Buche, was ihm Rang 57 europaweit einbrachte. 13 Wertungspunkte sammelte dabei das Mitglied der RV Gießen-Kleinlinden, ein schönes Polster für den Jahresabschluss in Winterberg im Rahmen des IXS-Downhill-Cups, der im Rahmen des größten europäischen Gravity Festivals, dem Dirtmasters, stattfindet und auch das DM-Finale vorsieht.

Der Jahreshöhepunkt sollte allerdings die erneute Berufung in den Betreuerstab des deutschen Nationalteams für die WM im italienischen Val di Sole (Trentino) darstellen. Die Strecke »ist unglaublich steil und durch sehr viele große Steine nicht nur technisch extrem anspruchsvoll, sondern auch konditionell vernichtend schwer« und fordert geradezu Fehler heraus. Auf 2,1 km Länge stürzen sich die Downhiller 530 Höhenmeter hinunter, die Rekordfahrzeit beträgt 3:30 Minuten.

Zusammen mit MTB-Sportkoordinator Fabian Waldenmaier reiste der Lindener, der auch professionellen Fahrwerksservice über Schindler Suspension anbietet, in den hintersten Winkel des abgelegenen Tales. Nach dem ersten Training hatte Schindler alle Hände voll zu tun: »Die haben wegen der vielen Steine echt viel kaputt gemacht und ich als Mechaniker hatte deshalb sehr viel zu tun«. Der selbst noch aktive Downhiller arbeitete mit den WM-Teilnehmern auch auf Trainerbasis zusammen, unterstützte die Sportler bei der Abstimmung des Rades, gab Tipps für die Linienführung auf der Strecke und stand auch für die mentale Vorbereitung zur Verfügung.

»Vor dem Start war ich direkt im Warm-up des Athleten involviert und generell auch meist der erste Ansprechpartner, wenn irgendwas nicht rund lief«, beschreibt Schindler sein Aufgabengebiet, der nach seinem Debüt bei der WM im Vorjahr in Österreich vom BDR auch für dieses Jahr geordert wurde.

Am Freitag brachte das Team Deutschland bis auf einen Fahrer alle durch die Qualifikation direkt ins Finale. Später stand Schindler noch mit Rat und Tat den E-Bikern zur Seite.

Beim großen Finale am Sonntag zum WM-Abschluss buchte der von Schindler betreute Steffen Smets (Kevelaer) als 25. der Junioren-Klasse seine ersten Weltcup-Punkte und war damit bester deutscher Junior. Jakob Micha (RSC Bonn) musste nach einem Sturz im letzten Trainingsrun passen, Nico Schlebes (Bocholt) fuhr trotz Defekts noch auf Rang 31. Damit zeigte sich das junge Team um Betreuer und Mechaniker Schindler sehr zufrieden,

Bester deutscher Elitefahrer war übrigens war Max Hartenstern auf Rang 30. Greg Minnaar aus Südafrika sicherte sich zum vierten Mal den WM-Titel und ist nun mit 39 Jahren auch der älteste Weltmeister in der Downhill-Disziplin.

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