40 Minuten für starken Seegang gesorgt

(ra/ki) Die HSG Wetzlar hat am Sonntag beim Deutschen Meister THW Kiel 40 Minuten lang für unerwartet starken Seegang an der Förde und mit ihrer überraschenden 18:14-Pausenführung für entspannte Mienen auf der eigenen Bank bzw. besorgte auf der der Kieler gesorgt. Als die Bundesliga-Partie beim ungeschlagenen Spitzenreiter aber zu Ende war, hatte sich dies freilich genau ins Gegenteil verkehrt. Die favorisierten Norddeutschen setzten sich nach einem beeindruckenden 18:7 im zweiten Abschnitt noch wie erwartet mit 32:25 durch gegen die Mittelhessen.

(ra/ki) Die HSG Wetzlar hat am Sonntag beim Deutschen Meister THW Kiel 40 Minuten lang für unerwartet starken Seegang an der Förde und mit ihrer überraschenden 18:14-Pausenführung für entspannte Mienen auf der eigenen Bank bzw. besorgte auf der der Kieler gesorgt. Als die Bundesliga-Partie beim ungeschlagenen Spitzenreiter aber zu Ende war, hatte sich dies freilich genau ins Gegenteil verkehrt. Die favorisierten Norddeutschen setzten sich nach einem beeindruckenden 18:7 im zweiten Abschnitt noch wie erwartet mit 32:25 durch gegen die Mittelhessen, die aber dennoch an der Ostseeküste Eindruck hinterlassen und ihren derzeit gesicherten Mittelfeldplatz im Oberhaus bestätigt hatten.

"Im zweiten Abschnitt stand eine ganz andere Kieler Mannschaft auf dem Feld", erklärte der achtfache THW-Torschütze Kim Andersson, der den Wetzlarern über zwei Drittel der Distanz für ihre Leistung großen Respekt zollte: "Wetzlar hat einfach alles getroffen." Auf der Gegenseite hob HSG-Spielmacher Timo Salzer für die erste Halbzeit den Aspekt hervor, "das Tempospiel von Kiel einigermaßen unterbunden" zu haben und empfand als Knackpunkt im Nachhinein die Phase zwischen der 38. und 40. Minute, als kurz nacheinander Sebastian Weber und Daniel Valo vom Feld und Wetzlar in doppelter Unterzahl toremäßig die Wende zulassen musste.

"Da haben wir unseren Kredit aus der ersten Hälfte verspielt", erinnerte Timo Salzer an den Moment, als der THW die Partie vom 18:20-Rückstand (Salzer hatte getroffen) zur erstmaligen 21:20-Führung (Dominik Klein) drehte.

Wetzlars Trainer Michael Roth, der sein Team in den Auszeiten immer wieder auf das gegenseitige Aushelfen in der Deckung einschwor, verließ das Parkett der Kieler Sparkassen-Arena mit einem Da-kann-man-nix-machen-Schulterzucken, wohl wissend, welch starke Vorstellung sein Team im Norden geboten und dort für unerwartet heftige Windböen gesorgt hatte. Dabei hatten die Mittelhessen nicht nur den schulterverletzten Sven-Sören Christophersen zu ersetzen, sondern mit Giorgos Chalkidis und Gregor Werum zwei weitere schwerwiegende Ausfälle zu verkraften. Die beiden Kreisläufer mussten wegen Grippe die Anreise ins Holsteinische abbrechen und noch am Samstag ins Mittelhessische zurückkehren.

Wenn es eines weiteren Beweises der neuen Wetzlarer Handball-Stabilität bedurft hätte, so wurde dieser am Sonntag erbracht. Die 6:0-Abwehr um die Zentrale Valo/Mraz leistete gegen die Weltauswahl des THW erstklassige Arbeit und ermöglichte Linksaußen Michael Allendorf im ersten Durchgang sage und schreibe sieben Treffer, meist per Gegenstoß. Darüber hinaus fuhren die Salzer und Co. diszipliniert ihre langen Angriffe und warteten geduldig auf die Wurfchance. Beim 5:4 nach elf Minuten durch Lundström führte Kiel zwar erstmals, gegen den Meister der Tempoverschleppung liefen die zu sehr auf Einzelaktionen bedachten Daniel Narcisse, Momir Ilic und Co. dann aber permanent Rückständen (8:10 Gegenstoß Allendorf, 20. / 10:15 Kreis Sebastian Weber, 25.) hinterher.

Mit Beginn der zweiten Hälfte demonstrierte der Rekordmeister dann endlich seine ganze Klasse, spürte bis zur besagten doppelten Überzahl aber immer noch den Wetzlarer Gegenwind. Der 7:2-Torelauf zum 21:20 (40.) brachte neben einer nun konsequent angewandten 6:0-Deckung die Wende. Der HSG Wetzlar fehlten die spielerischen Mittel und die Kraft, um den auch mit einer deutlich besseren Körpersprache ausgestatteten Kielern im Stellungsspiel noch beikommen zu können.

Das "geduldig spielen, aber druckvoll", wie von Trainer Michael Roth eingefordet, konnte nicht mehr in die Tat umgesetzt werden. Immer öfter gerieten die Mittelhessen im Angriff in Zeitnot, und als beim 25:22 in der 48. Minute Avishay Smoler und Michael Allendorf kurz nacheinander mit zwei "Freien" am sich gleichfalls steigernden Welttorhüter Thierry Omeyer scheiterten, war für die grün-weißen Träume im Norden kein Platz mehr. Statt auf 23:25 zu verkürzen war die Distanz beim 22:28 nur zwei Minuten später bereits uneinholbar groß.

Das Schlusswort von Wetzlars Geschäftsführer Axel Geerken fasste den HSG-Auftritt dennoch richtig zusammen: "Wir orientieren uns an der ersten Halbzeit. Wir fahren zwar mit leeren Händen, aber erhobenen Hauptes nach Hause."

Kiel: Omeyer, Gentzel; Lund, Andersson (8), Lundström (4/1), Anic (1), Ahlm (1), Reichmann, Zeitz, Palmarsson, Narcisse (2), Ilic (3/1), Klein (6), Jicha (7/3).

HSG Wetzlar: Krasvac, Nikolai Weber; Smoler, Salzer (4), Valo (3), Allendorf (9), Jungwirth (1), Mraz, Djordjic (5), Schneider (1), Sebastian Weber (2).

Im Stenogramm / SR: Pritschow/Pritschow. - Zus.: 10 000. - Zeitstrafen: Lund, Zeitz (beide Kiel); Sebastian Weber, Valo (beide Wetzlar). - Siebenmeter: 7/5:2/0.

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