In der 90. Minute ausgekontert

(lad) In einem schwachen Verbandsligaspiel hat gestern die schwächere Mannschaft gewonnen. Der VfB 1900 Gießen war zwar über den Großteil des Spiels hinweg tonangebend, kassierte aber in der 90. Minute gegen den Türkischen SV Wiesbaden noch das äußerst unglückliche 1:2 (1:1).

Die Gäste aus der Landeshauptstadt begannen druckvoll, und der VfB 1900 hielt mit ebenso viel Druck entgegen, so dass sich ein munteres Spiel entwickelte. Allerdings unterliefen beiden Teams viele Ballverluste, so dass Chancen lange auf sich warten ließen. Bis zur 20. Minute hatte sich Gießen ein Übergewicht erspielt, bis nach einem haarsträubenden Abwehrfehler aus heiterem Himmel das 0:1 fiel: Wiesbaden spielte den Ball in den Gießener Strafraum, und Keeper Malte Naujoks stand bereit, um die Kugel entgegenzunehmen. Durch ein Missverständnis spitzelte ihm Mannschaftskollege Kai Ranke aber den Ball weg, der dem Gästespieler Adnan Kizilgöz vor die Füße kullerte – und dieser musste nur noch ins leere Tor einschieben (21.). Kurz danach hatte Wiesbaden seine einzige und bis zur 90. Minute auch letzte Chance. Ein Freistoß flog abgefälscht am Tor vorbei. Danach war nur noch der VfB 1900 am Ball gegen immer müder werdende Gäste, die nur mit zwei Ersatzspielern angereist waren. In der 27. Minute spielte Gino Parson zu Erkan Hasan, der in den Strafraum zu Maykel Samun flankte. Doch dieser traf den Ball nicht richtig, so dass der Gästetorwart mühelos halten konnte. Drei Minuten später eine Riesenchance nach einer Flanke von Lucass Onar auf Parson, doch dessen Kopfball ging drüber.

Bei derselben Aktion verletzte sich Samun, der kurz darauf ausgewechselt werden musste. Der verdiente 1:1-Ausgleich fiel schließlich in der 38. Minute: Nach einem schnellen Angriff Gießens lenkte Wiesbadens Abwehrspieler Bilir den Ball selbst über die Linie. Kurz darauf gab es einen Schubser gegen Ngolo Ouattara im Strafraum, aber der mögliche Pfiff des Referees blieb aus. In der 45. Minute bekam Nino Binz den Ball wunderschön in den Lauf gespielt, schoss aber direkt auf den Torwart.

Nach dem Seitenwechsel ließ das Niveau deutlich nach, denn während Wiesbaden sichtbar stand, konnte Gießen kein Kapital daraus schlagen. Nach 20 Minuten gab es die erste Chance, aber Binz schoss erneut direkt auf den Keeper, genau wie fünf Minuten später nach einem Doppelpass mit Andrew Iyasere. In der 79. Minute verfehlte Parson mit einem Kopfball nach einer Onar-Ecke knapp das Gehäuse, bevor es in der 90. Minute die dickste Gießener Chance gab: Sergej Maro verlängerte eine Flanke per Kopf auf Iyasere, dessen Kopfball mit Mühe vom Gästeschlussmann pariert werden konnte. Und während sich Gießen anfing zu ärgern, dass es wohl "nur" beim Remis bleiben sollte, lief Wiesbaden direkt einen Konter, den Kizilgöz zum völlig unverdienten Gästesieg vollendete.

"Vorwürfe kann ich meiner Mannschaft in puncto Engagement und Wille nicht machen, aber uns hat die Kaltschnäuzigkeit gefehlt. Ich weiß nicht, warum wir so hektisch waren, wir hatten eigentlich keinen Grund dazu", analysierte VfB-1900-Trainer Stefan Hassler.

VfB 1900 Gießen: Naujoks; Hasan, Chabou, Vural, Ranke, Onar (ab 79. Atanasoski), Ouattara, Binz (ab 76. Celik), Parson, Iyasere, Samun (ab 33. Maro).

Türkischer SV Wiesbaden: Rothenbacher; Herget, Bilir, Balikci, Yildiz, Kharraz (ab 66. Asil), Sari, Aryan, Kizilgöz, Genc, Arslan (ab 46. Karaahmet).

Im Stenogramm: Schiedsrichter: Meinhardt (Fulda). – Zuschauer: 100. – Torfolge: 0:1 (21.) Kizilgöz, 1:1 (38.) Bilir (Eigentor), 1:2 (90.) Kizilgöz. – Gelbe Karten: Hasan – Herget.

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