Michael Rückel mit dem Speer - eine seiner Paradedisziplinen. FOTO: PRIVAT / M
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Michael Rückel mit dem Speer - eine seiner Paradedisziplinen. FOTO: PRIVAT / M

Sport

Michael Rückel: Das Titelsammeln hat ein Ende

  • vonVolker Mattern
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Michael Rückel hat sich als Zehnkämpfer, Wurfspezialist und Handballer einen Namen gemacht. Sein Traum von Olympischen Spielen blieb ihm versagt.

Das Ende war schmerzhaft, kam abrupt und unerwartet. Nach langwieriger Krankheit musste Michael Rückel seine vielversprechende Karriere als Leichtathlet aufgeben. Mit seiner neuen Situation hat er sich nach überstandener Krankheit arrangiert und sich sowohl sportlich wie beruflich neu orientiert. Mit seiner Familie lebt der 57-Jährige in Fellingshausen und unterrichtet an der dortigen Grundschule mit einem Lehrauftrag.

Über viele Jahre machte er immer wieder mit Top-Leistungen und Titeln als Leichtathlet von sich reden: Zu den Letzten gehörte sein überraschender Titel im Speerwerfen bei den Senioren-Weltmeisterschaften 2014 in Budapest, wo der Athlet der KSG Bieber den haushohen Favoriten Dainis Kula aus dem heutigen Lettland schlug, der bereits 1980 bei der Olympiade in Moskau Speerwurf-Olympiasieger wurde.

Pech mit Verletzungen

Michael Rückel hat in seiner 40-jährigen Leichtathletikkarriere 85 Titel errungen (dreimal WM bei den Senioren, einmal Internationaler katalanischer Meister, 18-mal Hessenmeister, einmal süddeutscher Meister, dreimal deutscher Jugendmeister, achtmal hessischer Jugendmeister, 27-mal deutscher Seniorenmeister und 25-mal hessischer Seniorenmeister). Eine Fischvergiftung verbaute ihm den Weg zu hohen Ehren, als er 1984 einen Länderkampf im Zehnkampf mit der deutschen Junioren-Nationalmannschaft gegen die UDSSR in Kiew bestritt. Pech hatte er auch schon ein Jahr zuvor, als er wegen eines Kahnbeinbruchs am Sprunggelenk auf die Teilnahme für die Militärweltmeisterschaft in Brasilien verzichten musste, für die er sich als Mitglied der Sportfördergruppe der Bundeswehr in Mainz bereits qualifiziert hatte.

In schlechter Erinnerung bleibt ihm auch das Jahr 1985, als nach sinnflutartigen Regenfällen bei den deutschen Zehnkampf-Juniorenmeisterschaften in Ahlen der Stabhochsprung abgebrochen werden musste, nachdem Rückel gemeinsam mit Christian Deick bereits auf Titelkurs gelegen hatte. Im gleichen Jahr landete er aber auf Platz eins beim Diskuswerfen, beim Grand-Prix-II-Meeting in Bozen. In der gleichen Disziplin errang er ein Jahr zuvor bei den deutschen Hochschulmeisterschaften in Heidelberg Rang drei.

Beeindruckend sind die Bestleistungen des Biebertalers in den Zehnkampf-Disziplinen. 100 m: 10,9 sec., 400 m: 51,0 sec., 110 m Hürden: 14,57 sec., 1500 m: 4:39,68 min., Hochsprung: 1,97 m, Weitsprung: 7,46 m, Stabhoch: 4,30 m, Kugel: 17,25 m und Diskus 54,78 m. Wie realistisch seine Ambitionen waren, um ein sicherer 8000-Punkte-Zehnkämpfer zu werden, verdeutlich die Gesamtpunktzahl seiner Bestleistungen in der Addition, womit er auf 8412 Punkte gekommen wäre.

Ein Multi- und Naturtalent

"Ein Multi- und Naturtalent" - das bestätigten ihm schon seine Trainer, denn mit nur vergleichsweise wenigen Trainingseinheiten war er ein Zehnkämpfer auf hohem Niveau. Sein Ziel "Olympiateilnehmer" - möglichst in der Königsdisziplin - konnte er aber nicht erreichen. Immer nah dran war er. Auch 1988 bei den deutschen Mehrkampfmeisterschaften in Rhede, die auch als Olympiaqualifikation ausgetragen wurde. Schon am ersten Tag konnte er als Vierter, mit weit über 4000 Punkten, sich auf dem 8000-Punkte-Kurs wähnen. Tags danach dann eine schwere Verletzung während des Aufwärmens zum 110-m-Hürdenlauf. Entgegen den Empfehlungen des Wettkampfarztes setzte Rückel den Wettkampf unter Schmerzen fort und lag vor dem Stabhochsprung an zweiter Stelle, hinter dem späteren Sieger Rainer Sonnenburg (LG Pinneberg). Der Stabhochsprung sollte zu seiner Schicksalsdisziplin werden, denn beim Versuch über 4,0 m zerbrach das Sportgerät aus Glasfiber. Mental beeinflusst von seiner Kopfüber-Landung im Einstichkasten, scheiterte er in drei Versuchen mit einem geliehenen, viel zu harten Stab eines Konkurrenten an der indiskutablen Höhe von 4,0 m, was ihn mindestens 200 Punkte kostete. Und dennoch: Nach überragenden Speerwurfergebnis von 69,10 m und vor dem 1500-m-Lauf lag er immer noch an dritter Stelle, wurde aber letztlich Siebter mit 7760 Punkten und verpasste den Bronze-Platz um nur wenige Punkte.

Dass Michael Rückel aus hartem Holz geschnitzt war, stand aufgrund seiner Erfolge und seiner Willenskraft stets außer Frage. Aber es hatte nicht sollen sein. Mit großer Zuversicht und Hoffnung startete er 1989 in die Zehnkampf-Saison. Das folgenschwere Aus dann beim Bundesliga-Mannschaftswettbewerb seines Vereins in Fulda, wo ihm beim Anlauf zum Speerwurf die Achillessehne riss. Alle Bemühungen der Ärzte und Therapeuten führten nicht mehr zu einem Zehn-Kampf-Comeback. Es blieb beim Traum einer (ganz) großen Karriere.

Der Leichtathletik blieb Michael Rückel aber immer erhalten, mit seinen Stärken in den Wurfdisziplinen und damit auch die Möglichkeit, weiter an Wettkämpfen teilzunehmen. Bei 90 Kilo Gewicht und 1,88 m Größe brachte er so manchen "Riesen" in Verlegenheit und versetzte Wurfspezialisten unter anderem mit seinen 76,10 m mit dem Speer in Erstaunen. Im Seniorenbereich gehörte er bis zuletzt zu den Weltbesten.

Auch im Bobsport unterwegs

Seine sportlichen Meriten erzielte der vierfache Vater aber, dank seines großen Bewegungsgeschicks, auch in anderen Sportarten. Mit 14 Jahren wurde er Tennis-Bezirksmeister im Einzel und Doppel. Mit 17 Jahren beeindruckte er die Tennis-Cracks bei einer Sporthaus-Werbeveranstaltung in einem Aufschlagwettbewerb, bei dem er den Ball auf sensationelle 215 km/h schlug.

Von 1982 bis 1985 versuchte er sich während seiner Vereinszugehörigkeit bei der TSG Oberursel als Bremser im Bobsport, wobei ihm als Anschieber Zeiten gelangen, die an deutsche Spitzenbobs heranreichten. Gerne erinnert sich Michael Rücker an KSG-Bieber-Zeiten, wo er als Jugendlicher und Handball spielte. Sein wohl bestes Spiel absolvierte er seinerzeit gegen die Nationalmannschaft von Südkorea.

Mit zu weiteren seiner schönsten Erinnerungen gehört der Schlagball: "Mit 14 Jahren habe ich den 200-Gramm-Schlagball auf 82 m geworfen, damals deutscher Rekord", so der Biebertaler stolz.

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