Michael Jordan macht den Unterschied

"Solche Spiele werden von einzelnen Spielern entschieden", sagte Vladimir Bogojevic, Headcoach der LTi Gießen 46ers, nach der 65:68 (28:39)-Niederlage seines Teams am Samstagabend bei Phoenix Hagen. In diesem Fall war es leider ein klein gewachsener Spieler mit einem großen Namen, der die Partie entschied: Michael Jordan, Trikotnummer 23 in Diensten von Phoenix Hagen, war es vergönnt, 2,9 Sekunden vor Schluss per Drei-Punkt-Wurf das Kellerduell in der Basketball-Bundesliga zu entscheiden.

"Solche Spiele werden von einzelnen Spielern entschieden", sagte Vladimir Bogojevic, Headcoach der LTi Gießen 46ers, nach der 65:68 (28:39)-Niederlage seines Teams am Samstagabend bei Phoenix Hagen. In diesem Fall war es leider ein klein gewachsener Spieler mit einem großen Namen, der die Partie entschied: Michael Jordan, Trikotnummer 23 in Diensten von Phoenix Hagen, war es vergönnt, 2,9 Sekunden vor Schluss per Drei-Punkt-Wurf das Kellerduell in der Basketball-Bundesliga zu entscheiden. Doppelt ärgerlich, weil die 46ers in den Schlusssekunden des Spiels ein Teamfoul nicht nutzten, das den Hagenern den Abschluss vermutlich erschwert hätte. Neben der Tatsache, dass Hagens Nummer 23 das Spiel in positiver Weise für die Hausherren entscheiden konnte, sorgte Gießens Nummer 23 für Enttäuschung: David Teague, immerhin BBL-Topscorer, gelangen nur magere fünf Pünktchen. "David hat die ganze Woche nicht mit der Mannschaft trainiert, nur am Freitag ein halbes Training mitgemacht", erklärte Bogojevic, der diesen Umstand allerdings im Vorfeld für sich behalten hatte.

Die Verletzung ist wohl der Grund, warum sein Leistungsträger in der mit 3013 Zuschauern ausverkauften Phoenix-Arena enttäuschte. "Dazu wollten wir Hagens Topscorer Chase Griffin am Anfang aus dem Spiel nehmen, was Max Weber auch gut gelungen ist. In Verbindung mit seinen körperlichen Beschwerden hat das dazu geführt, dass David nicht in der Startaufstellung stand." Während der Flügelspieler in den ersten Minuten von der Bank aus zusehen musste, stockte die Gießener Angriffsmaschinerie. Zeitweise musste Maurice Jeffers den Alleinunterhalter der Marke Teague imitieren, was dazu führte, dass wenig Bewegung im Offensivspiel der 46ers stattfand. Bei Hagen kristallisierte sich dagegen früh heraus, dass Michael Jordan in Verbindung mit den beiden Innenspielern Jonathan Kale und John Turek eine ganz gefährliche Mischung für die Gießener darstellen würde. Immer wieder penetrierte der Aufbauspieler in die Zone um den 46ers-Korb und steckte den Ball dann geschickt zu seinen beiden Teamkollegen durch. 14 der 16 Hagener Punkte im ersten Viertel kamen so von Kale und Turek, wobei auch die schwache Freiwurfquote von Kale (2/6) verhinderte, dass der Rückstand der Bogojevic-Truppe auf mehr als vier Zähler anwuchs (12:16, 10.

). Jordan dagegen sammelte auf diese Art und Weise alleine in der ersten Halbzeit nicht weniger als neun Assists, ein herausragender Wert.

Vielleicht noch mehr als durch ihre Punkte schmerzte die Leistung der langen Phoenix-Garde in punkto Rebounds. Kale, Turek und Bernd Kruel sammelten zusammen 27 Abpraller ein, davon elf am offensiven Brett. Immer wieder kamen die Gastgeber so zu zweiten und teilweise sogar zu dritten Chancen direkt in Korbnähe. Im Gegenzug hatten die großen Spieler der 46ers nur wenig zu melden. Jannik Freese fand nur schwer in die Partie, Joe Werner wurde nach sieben Punkten in der ersten Halbzeit von Bogojevic nach der Pause auf der Bank belassen. Erst in der zweiten Hälfte tauten Kevin Johnson und Bradley Strickland auf, was sich aber vor allem in den Offensivstatistiken niederschlug. In der Verteidigung dagegen stimmte die Intensität bei den 46ers nicht, erst in der Schlussminute der ersten Halbzeit begingen die Gäste aus Mittelhessen ihr erstes Teamfoul.

Hinzu kam eine in vielen Belangen schwache Schiedsrichterleistung. Die drei Unparteiischen Steffen Neubecker, Richard Stokes und Petra Kremer übersahen im zweiten Viertel zwei klare Fouls an Lorenzo Williams im Fastbreak, wechselten in dieser Zeit mehrfach ihre Linie in Sachen Offensivfouls und versagten, wie es in letzter Zeit immer häufiger in der Basketball-Bundesliga der Fall ist, völlig bei der Überwachung der Drei-Sekunden-Regel.

Nach der Halbzeitpause musste zunächst Assistenztrainer Gerald Wasshuber die Mannschaft einstellen. Headcoach Bogojevic war zu diesem Zeitpunkt in den weitläufigen Kabinen von Gießens Teambetreuer eingeschlossen worden. Erst nach knapp einer Minute stand der Ex-Nationalspieler wieder an der Seitenlinie. Was er dann sah, dürfte dem gebürtigen Serben deutlich besser gefallen haben als die Leistung in der ersten Hälfte: Nun gingen die 46ers deutlich intensiver zu Werke, wirkten wacher und konnten die Kreise von Jordan besser einschränken als noch zuvor.

Punkt um Punkt kämpften sich die Gießener wieder heran, jedoch zeigte sich nach der Einwechslung von David Teague, der nur zwei seiner elf Versuche aus dem Feld traf, dass die Mittelhessen an diesem Abend ohne ihren besten Werfer besser spielten als mit ihm. Insgesamt wurde das 46ers-Spiel jetzt aber wieder ansehnlicher, mit einem Block von Kevin Johnson an Kale (24.), dem der Powerforward kurz darauf einen Tipdunk zum 39:44 (25.) folgen ließ, und einem Monsterblock von Bradley Strickland an Michael Jordan (28.), der schon allen Gießenern enteilt schien, gab es einige Highlights zu sehen. Doch gelang es den Spielern in den rot-weißen Trikots nicht, das Momentum so weit auszureizen, als dass es ihnen gelungen wäre, die Führung zu erobern.

Erst in der Schlussphase des Spiels kamen die Gäste von der Lahn wieder heran. 23,1 Sekunden Restspielzeit zeigte die Uhr an, als die Referees einen Abwehrversuch der Hagener als Goaltending werteten, Johnson die beiden Punkte gutschrieben und Gießen so zum ersten Mal seit dem ersten Viertel ausgleichen konnte (65:65) - Auszeit Hagen.

Gießen hatte zu diesem Zeitpunkt erst drei Mannschaftsfouls begangen, hätte also noch einmal foulen können, ohne automatisch Freiwürfe zu riskieren. Anstatt Jordan nun aber mit fünf Sekunden Restspielzeit zu foulen, um die Hagener zu einer Neuordnung zu zwingen und ihnen so den Wurf zu erschweren, entschieden sich die 46ers gegen diese Foul-Option. Spielmacher Lorenzo Williams ließ Jordan stattdessen sogar zu viel Platz und erlaubte dem kleinen Mann mit dem großen Namen so den entscheidenden Treffer. "Jordan hat uns mit seinen zwei Dreiern im Schlussviertel wehgetan, er hat heute seinen Wert für Hagen unter Beweis gestellt", zollte Bogojevic dem US-Amerikaner nach der Partie Respekt - immerhin hatte er diese Partie der Mannschaftssportart Basketball im Alleingang entschieden. Martin Vogel

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