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Der ganz normale Derby-Wahnsinn: Wetzlar gegen Melsungen, das bedeutet Kampf und Einsatz, wie in der Szene Timm Schneider (l., am Ball) gegen Evars Klesniks (l.) und Joao Ferraz. (ov)

Melsungen gegen Wetzlar: Ein ganz normales Derby

(pie) Am Samstagabend steht das zweite Hessenderby in der Handball-Bundesliga auf dem Programm. Im Duell gegen die MT Melsungen geht es für die HSG Wetzlar in Nordhessen ab 19 Uhr (Rothenbach-Halle Kassel) vor allem darum, sich weiter im oberen Tabellendrittel zu etablieren.

Fünf Punkte liegen die Mittelhessen hinter der viertplatzierten MT auf Rang sechs und würden nur zu gerne den zweiten Derby-Sieg in dieser Saison einfahren.

Wie ist die Ausgangssituation? Das Hinspiel konnte Wetzlar nach einer spannenden Partie mit 29:25 für sich entscheiden. Bei der MT gelang den Grün-Weißen in der letzten Saison ein 28:28-Unentschieden. In der Saison davor gar ein klarer 32:24-Erfolg. "Melsungen ist unter Druck, muss uns auf jeden Fall schlagen", so die Einschätzung von HSG-Trainer Kai Wandschneider. "Melsungen hat eine physisch mehr als starke Mannschaft, die zu Recht so weit oben in der Tabelle steht. Das ist kein Zufall und wird eine echte Herausforderung." Das Hinspiel war eine knappe Geschichte, in der Wetzlar erst in den letzten Minuten das Ergebnis hochschrauben konnte. "Wir fahren nach Melsungen, um anzugreifen, und warum sollen wir da nicht auch was mitnehmen?", so Wandschneider. Melsungen will unbedingt die Europapokalplätze absichern, da wäre ein Sieg gegen Verfolger Wetzlar enorm wichtig.

Was erwartet die Grün-Weißen beim brisanten Derby in Kassel? Eine mit 4300 Zuschauern ausverkaufte Rothenbach-Halle und fünf ehemalige HSG-Spieler. Allen voran die Müller-Brüder Philipp und Michael, die mit ihrer emtionalen und zuweilen provozierenden Art immer wieder für Zündstoff sorgen. Timm Schneider hat sich in Melsungen eingewöhnt, profitiert vor allem von seiner Vielseitigkeit. Auch Michael Allendorf lief vier Jahre für die HSG auf. "Wir wollen das Derby nicht überbewerten, zumal der Kontakt zwischen den Klubs und den Mannschaften eigentlich ganz gut ist. Das wird natürlich beiseitegeschoben. Dieses Spiel will jeder gerne gewinnen", freut sich MT-Geschäftsführer Axel Geerken, ebenfalls ein ehemaliger Wetzlarer, auf das Duell.

Was muss die HSG besser machen als gegen Göppingen? Einiges. Vor den Spielen in Balingen und gegen Göppingen war kaum eine vernünftige Vorbereitung möglich, da immer wieder Spieler fehlten. "Wir müssen uns steigern, wenn wir in Melsungen bestehen wollen", weiß Wandschneider. Die Torhüterleistung gegen Frisch Auf war klasse, die Abwehr gut. Steigerungsbedarf gibt es im Angriffsspiel. "Wir sind nicht gerade als Tormaschine bekannt", gibt Wandschneider zu bedenken. Die HSG muss diszipliniert und variabel gegen die MT-Abwehr agieren. "Da müssen wir uns uns weiterentwickeln."

Erwartet die Zuschauer eine Abwehrschlacht? Bei beiden Mannschaften ist die Abwehr der Grundstein zum Erfolg. Es wird extrem körperbetont zur Sache gehen. Melsungen hat eine bärenstarke Deckung, die in der 5:1 oder 6:0-Formation agiert und an der schon einige Mannschaften verzweifelt sind. "Aber auch das Torhüterduell ist immer ein entscheidender Faktor", so Geerken. "Das geht aber auch immer nur in Verbindung mit starken Deckungsreihen", weiß der ehemaliger Torhüter. Mit dem Schweden Johann Sjöstrand hat die MT einen starken Rückhalt, der, wie Andreas Wolff, bisher eine starke Saison spielt. "Es wird sehr darauf ankommen, dass auch wir eine sehr gute Deckung spielen und den einen oder anderen Gegenstoß laufen", erklärt Wandschneider.

Wer ist verletzt, wer ist dabei? Sebastian Weber hat seine schwere Erkältung inzwischen überwunden. Kristian Bliznac hat am Montag mittrainiert, musste Dienstag wieder aussteigen, weil die Achillessehne dick wurde. Somit kann Wandschneider bis auf Bliznac aus dem Vollen schöpfen. Aufseiten der MT ist Allendorf wieder ins Training eingestiegen, mit ihm wäre Melsungen komplett.

Wie hoch ist der Kräfteverschleiß bei der MT, die das dritte Spiel innerhalb von sieben Tagen bestreitet? Melsungen musste vor allem am Mittwoch bei den Löwen alles geben. Drei Spiele in sieben Tagen gehen immer an die Substanz. Andererseits sind sie im Rhythmus, Wetzlar hingegen nicht. Zudem hat Melsungen in Marino Maric nur einen Akteur, der bei der EM viel gespielt hat. Johannes Sellin war zwar dabei, aber kaum im Einsatz. Der Rest konnte sich in aller Ruhe vorbereiten. "Melsungen hat eine viel tiefere Bank, daher wird sich das ausgleichen", meint Wandschneider.

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