Meister in der Osthalle

(mv) "Angriff ist die beste Verteidigung", gibt sich Mathias Fischer, Trainer der LTi Gießen 46ers, kampfeslustig. Nicht zu Unrecht, denn seine Mannschaft geht als Außenseiter in die Partie gegen die Brose Baskets Bamberg (Sonntag, 17 Uhr, Sporthalle Ost) und hat somit nichts zu verlieren.

Vor allem das Euroleague-Spiel der Bamberger heute Abend bei CSKA Moskau (siehe Kasten unten rechts) macht Hoffnung, denn dem deutschen Basketball-Meister steht noch eine kraftraubende Anreise aus der Wolga-Metropole an die Lahn bevor.

Eine Woche nach der ärgerlichen Niederlage in Tübingen sieht die Welt bei den Gießenern etwas rosiger aus: Dominik Spohr sollte nach Aussage des Trainers bereits gestern wieder ins Mannschaftstraining einsteigen und hat seine Sprunggelenksverletzung wieder überwunden: "Wenn er Donnerstag, Freitag und Samstag trainiert, wird er am Sonntag auch dabei sein", so Fischer. So sicher kann sich der 46ers-Coach bei LaQuan Prowell noch nicht sein: Dem US-Amerikaner wurden gestern die Fäden aus seiner rechten Hand gezogen, welche die Wunde aus dem Bremerhaven-Spiel zusammenhielten: "Wir müssen sehen, ob er spielen kann. Man darf nicht vergessen, dass es sieben Stiche waren, also eine große Wunde", will sich Fischer erst kurz vor dem Spiel entscheiden, ob er auf den Powerforward zurückgreifen wird.

Einen neuen Mann wird es am Sonntag nicht zu sehen geben: Zwar hatten die Gießener bereits vor dem Tübingen-Spiel geäußert, gegebenenfalls noch einmal auf dem Transfermarkt aktiv zu werden, um Unterstützung für den ins Team zurückgekehrten Elvir Ovcina zu verpflichten, doch eine Verpflichtung wird es bis Sonntag nicht geben.

Stattdessen könnte Forward John Fields wieder mehr Einsatzzeit erhalten, der im letzten Spiel trotz der nicht sehr tiefen Besetzung auf den großen Positionen nur auf etwas über drei Minuten Spielzeit kam.

Der dreifache Double-Sieger aus Franken musste im Sommer einen großen Umbruch seiner Mannschaft hinnehmen: So verließen mit Center Tibor Pleiss (Caja Laboral Vitoria, Spanien), Forward und Finals-MVP PJ Tucker (Phoenix Suns, NBA) sowie Pointguard Brian Roberts (New Orleans Hornets, NBA) mehrere Erfolgsgaranten die Mannschaft von Trainer Chris Fleming. Dafür kam mit dem NBA-erfahrenen Slowenen Bostian Nachbar ein absoluter Topstar in die BBL, der zurzeit mit 19,5 Punkten pro Spiel dem besten Werfer der Liga, Gießens Ryan Brooks (19,6 Zähler), dicht auf den Fersen ist. Zudem konnten die Franken nach langem Zittern den Ex-46ers-Akteur Anton Gavel weiter halten: Der Slowake, der am Mittwoch seinen 28. Geburtstag feierte, ist derzeit mit 11,3 Punkten viertbester Scorer der Bamberger.

Sorgen macht Fleming dagegen die Leistung seines Kapitäns Casey Jacobsen: In den letzten beiden Spielen nahm der eigentlich als Scharfschütze bekannte US-Amerikaner 14-mal von der 6,75-Meter-Marke Maß, ohne dabei auch nur einmal erfolgreich zu sein. Bis dato kommt Jacobsen nur auf 4,8 Punkte je Einsatz.

Überhaupt war der Start der Bamberger in die neue Saison noch vergleichsweise durchwachsen: Zwar gelangen drei Siege bei nur einer Niederlage, doch lief es noch nicht immer so rund, wie man es in den vergangenen Jahren gewohnt war bei den Franken.

Doch die Bamberger werden, allen Euroleague-Verpflichtungen zum Trotz gewarnt sein: Letztes Jahr war es ein Drei-Punkt-Wurf von Barry Stewart zwei Sekunden vor Schluss, der die 68:65-Niederlage des amtierenden Meisters in der Osthalle klar- machte, in der Saison zuvor gelang mit Mühe und Not ein 81:80 und 2009/2010 nahmen die Mittelhessen ihre Gäste beim 89:70 sogar regelrecht auseinander.

"Wir müssen ihnen von Anfang an Druck machen, aggressiv spielen und dürfen ihnen keine Möglichkeit geben, sich auszuruhen", plant sich Headcoach Fischer die Reisestrapazen der Baskets zunutze zu machen. Und vielleicht reiht sich das Spiel dann ja doch in die Ahnengalerie der Gießener Gala-Abende gegen Bamberg ein.

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