Der Meister aus Hamburg kommt nach Gießen

(jms) Von Achterbahnfahrten hält Jan Gorr nicht viel. Der Trainer des Handball-Bundesligisten TV Hüttenberg lässt sich von Momentaufnahmen nicht beeindrucken. Nach der Niederlage gegen die HSG Wetzlar war der TVH für viele bereits abgestiegen, nach dem 27:27 in Lemgo in der Vorwoche kam plötzlich wieder Hoffnung auf.

Gorr bleibt realistisch: "Wir haben gesagt, dass die ersten sieben Spiele im neuen Jahr richtungweisend sind. Wir haben einen überraschenden Punkt geholt, aber schauen weiter von Spiel zu Spiel." Der nächste Höhepunkt für den Aufsteiger steht am Sonntag um 17.30 Uhr auf dem Programm, wenn der Deutsche Meister HSV Hamburg in die Sporthalle Ost nach Gießen kommt.

"Nüchtern betrachtet haben wir keine Chance", sagt Gorr, "aber wenn es uns gelingt, gut ins Spiel zu kommen und die Zuschauer einen Hexenkessel aus der Halle machen, dann können wir Hamburg vielleicht etwas ärgern." Von Punkten zu sprechen, wäre auch vermessen, denn schon ein flüchtiger Blick auf den Kader der Hanseaten reicht, um die großen Unterschiede zwischen beiden Klubs zu sehen. Am Mittwoch erreichten die Hamburger erwartungsgemäß die Endrunde im DHB-Pokal. Beim Tabellenführer der 3. Liga Ost, dem EHV Aue, setzte sich das Team von Interimscoach Jens Häusler standesgemäß mit 36:27 durch. Allerdings erlitt Spielmacher Michael Kraus in dieser Partie einen Nasenbeinbruch, der seinen Einsatz am Sonntag unmöglich machen dürfte. Alternativen auf der Spielmacherposition hat Häusler genug.

So könnte er den Franzosen Guillaume Gille oder den Kroaten Domagoj Duvnjak bringen. "Über Hamburg brauchen wir nicht sprechen", sagt Gorr. Er weiß, dass der HSV – egal in welcher Besetzung – individuell stärker ist als sein TVH. Der amtierende Meister ist in dieser Runde allerdings nicht gerade vom Glück gesegnet. Denn neben Kraus, der schon einige Wochen aussetzen musste, hat auch der Schwede Oscar Carlén eine schwere Zeit zu verkraften. Schon zum dritten Mal wurde Carléns Kreuzband geflickt. Insgesamt musste er sechs Knieoperationen über sich ergehen lassen und konnte noch kein Spiel für den HSV machen.

Doch auch ohne Kraus und Carlén ist der HSV eine Attraktion. Die Zuschauer in der ausverkauften Halle in Gießen dürfen sich auf Topstars wie Pascal Hens, Hans Lindberg und Joachim Bitter freuen. Neben Bitter spielt mit dem Schweden Dan Beutler ein weiterer "Weltklassetorwart" eine wichtige Rolle im HSV-Team.

Aufseiten der Gastgeber steht hinter dem Einsatz von Andreas Scholz ein Fragezeichen. Der Linkshänder plagt sich mit Rückenschmerzen herum. Ansonsten kann Gorr aber aus dem Vollen schöpfen. Dabei hofft der 33-Jährige darauf, dass sich Leistungsträger Timm Schneider wieder stabilisiert: "Timm hat in den ersten drei Spielen im neuen Jahr noch nicht an seine starken Auftritte in der Hinrunde anknüpfen können. Aber ich denke, er wird schnell wieder zu seiner Form finden." Ein starker Schneider, ein erneut couragierter Auftritt von Stefan Lex, ein treffsicherer Matthias Gerlich als Schütze und eine starke Torwartleistung wären die Grundvoraussetzung für eine Überraschung.

Dabei fand der Trainer vor allem für Stefan Lex lobende Worte. "Ich habe ihn noch nicht so gut spielen sehen wie in Lemgo. Das war bemerkenswert", sagte Gorr, der sich auf das ungleiche Duell freut: "Es ist Zeit für eine Überraschung."

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