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Henni Nachtsheim.

Eintracht Frankfurt, Corona, Fußball und eine Wette

Mein Friseur heißt »Bart-Trimmer«

Henni Nachtsheim vom Badesalz-Comedyduo Badesalz und Ronny Th. Herteux unterhalten sich wieder einmal über Fußball in Pandemie-Zeiten.

Hallo Herr Nachtsheim. Es heißt, der Mensch ist ein Herdentier. Wie feiern Sie momentan im Lockdown die phänomenale Erfolgsserie der Frankfurter Eintracht?

Zusammen mit meiner sehr fußballaffinen Dogge Mathilda! Sie liegt schräg vor mir auf ihrem Platz, ich sitze auf der Couch. Wenn ein Tor fällt, jubele ich, woraufhin sie jedes Mal erschrickt und mich deswegen entrüstet anbellt.

Die Eintracht hat drei Punkte Vorsprung auf Platz fünf, es sind aber erst 21 von 34 Spieltagen absolviert. Dürfen wir trotzdem schon etwas träumen von der Champions League?

Wenn in diesen Zeiten nicht mal mehr träumen erlaubt sein soll, dann weiß ich auch nicht. Und was die Realität angeht, diese Mannschaft hat auf jeden Fall das Zeug, das zu schaffen. Mehr können wir nicht sagen, weil es im Fußball ja bekanntermaßen ungefähr eine Million Unwägbarkeiten gibt, die Prognosen fast unmöglich machen. Aber allein die Vorstellung, dass die Eintracht Champions League spielt und genau dann wieder Menschen ins Stadion dürfen, ist unbezahlbar!

Apropos Champions. Für den Bayern-Trip nach Katar oder die nach Budapest verlegten Spiele von Leipzig und Gladbach hagelte es zuletzt Kritik. Haben Sie als Kulturschaffender im Lockdown Verständnis für reisende Fußball-Profis?

Ich glaube, dass es dieser Tage auch im Fußball mehr denn je angemessen ist, abzuwägen, was man tun und was man besser lassen sollte. Die Klub-WM ist ja sowieso schon ein aufgeblasener Unsinn, aber in Corona-Zeiten erweisen solche Veranstaltungen dem Fußball bezüglich seiner Wahrnehmung einen Bärendienst.

Apropos Fußball-Profis. Es hat den Anschein, dass 95 Prozent der Spielerfrauen von Beruf Friseurin sind, dafür hat es den Lockdown gebraucht, um das zu beweisen.

Das weiß ich nicht. Meine Friseurin in den letzten Wochen war ein sogenannter ›Bart-Trimmer‹! Vielleicht schneiden sich die Jungs ja auch gegenseitig die Haare.

Tja, zuletzt prasselte schon einige Kritik auf die privilegierten Fußballer runter. Die überwiegende Mehrheit hält sich an Vorgaben und Konzepte. Wenn aber einer wie Breel Embolo den Partygänger macht, färbt das natürlich auf die große Masse ab. Anders ausgedrückt: Es ist ein gefundenes Fressen.

Ja klar, das ist Futter für die, die sich eh schon darüber aufregen, dass der Profi-Fußball rollt. Aber ich glaube, die kontroverse Diskussion, ob das richtig oder falsch ist, wird es auch ohne Zwischenfälle geben. In meinem direkten Umfeld gibt es Kritiker, die das falsch finden, genauso wie es welche gibt, die heilfroh sind, dass ihnen wenigstens noch die Bundesliga geblieben ist, wenn sie schon nicht ins Kino oder Theater gehen können.

Zuletzt wurde in Studien und Interviews sogar auf die Gefahr hingewiesen, dass sich die Fans vom Profifußball abwenden könnten. Stichwort Ent-Emotionalisierung.

Letztendlich muss das jeder Fußball-Fan für sich entscheiden. Ich persönlich sehe Dinge wie z.B. die Klub-WM oder die Nations-League auch kritisch, und wenn Fußballer in diesen Zeiten falsche Signale setzen, finde ich das zum Kotzen. Aber dass ich mich deswegen generell vom Fußball abwende, kann ich nicht feststellen. Dazu ist Fußball viel zu komplex, zu umfassend, und meine Liebe zu stabil.

In Corona-Zeiten ist vieles darstellbar, aber dauerhaft ohne volle Stadien, das würde trotz Fernsehgelder auch dem Profifußball den Garaus machen, oder?

Vermutlich dem einen Verein schneller, dem anderen langsamer. Aber vor allem würde es auf Dauer unsere Freude am Fußball killen. Im Moment halten wir die Geisterspiele aus, weil die einzige Alternative gar keine Spiele wären. Aber als Langzeit-Modell taugt es aus meiner Sicht nicht wirklich. Ich vermisse das Publikum. Nicht nur im Stadion, auch bei uns in der Branche!

Ich möchte mal eine Wette anbieten, passend zum 40. Jahrestag der ersten »Wetten, dass...«-Sendung: Ich wette, dass die Frankfurter Eintracht noch vor der letzten Corona-Impfung deutscher Fußballmeister wird.

So amüsant Ihr kleiner Seitenhieb auf die schleppenden Impfungen auch ist, da wette ich dagegen! Die Eintracht könnte frühestens im Mai 2022 Meister werden, und bis dahin ... hmm ... gut, jetzt bin ich doch nicht ganz sicher...

Schauen wir in die nähere Zukunft: Am Samstag kommt der FC Bayern nach Frankfurt: Ein Festtag für den Anhänger des gepflegt-offensiven Fußballs?

Das will ich doch stark hoffen. Alles andere als ein Offensiv-Festival wäre eine dicke Enttäuschung. Wie hat mein Opa vor großen Box-Schwergewichtskämpfen immer gesagt? »Wenn’s heut net kracht, fress ich en Storch!« Dem würde ich mich bedingt anschließen...

Und Henni Nachtsheim ist sich sicher, dass die Eintracht gegen die Bayern ...

... spielen wird!

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