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Der neue Trainer beim MBC: Wojciech Kaminski soll dafür sorgen, dass die Weißenfelser nichts mit dem Abstiegskampf zu tun haben.

Basketball

MBC: Aufbruch Ost

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Zu den besten 20 Clubs in Basketball-Deutschland zu zählen, war in den letzten Jahren erklärtes Ziel des Mitteldeutschen BC. Zwei Abstiege waren genauso einkalkuliert wie die Wiederaufstiege.

Mit einem neuen Namenssponsor setzt man sich nun aber höhere Zielsetzungen in Weißenfels. Man will nichts mehr mit dem Abstieg zu tun haben. Dazu beitragen soll mit Wojciech Kaminski auch ein neuer Trainer.

Die Lage:Die Partnerschaft mit dem Chemieunternehmen Puraglobe, die ihre Marke Syntainics platziert, erfolgte noch während der letzten Saison. Anfang Mai ließ Geschäftsführer Martin Geissler die Bombe platzen. Während Puraglobe-CEO Andres Schueppel perspektivisch gar von Playoffs sprach, hielt Geissler die Bälle etwas flacher. Zunächst gehe es erneut um den Klassenerhalt. Immerhin: Endlich sei der MBC auf Augenhöhe mit direkten BBL-Konkurrenten im unteren Tabellendrittel. Zuletzt schloss man zweimal auf dem 15. Platz ab. Erst ein Schlussspurt in den letzten Wochen der vorangegangenen Saison verhinderte den erneuten Klassenverlust. Unter anderem die Nachverpflichtung von Andrew Warren setzte positive Energie frei. Schon damals soll der Namenssponsor Anteil an dem Transfer gehabt haben. Der US-Amerikaner gehörte zu den Aufstiegshelden zwei Jahre zuvor und ging auch 2017/2018 für die Wölfe auf Korbjagd. Entsprechend glücklich zeigten sich die Fans, dass der 1,96-Mann aus Indianapolis für ein weiteres Jahr an der Saale gewonnen werden konnte.

Der Kader:Damit ist er einer von nur fünf Spielern, die aus dem Vorjahres-Kader erhalten bleiben. Dazu zählt auch der gebürtige Gießener Benedikt Turudic, der im Testspiel in der Osthalle eine ausgezeichnete Figur abgegeben hat. Für besondere Freude sorgte die Vertragsverlängerung mit Leitwolf Sergio Kerusch um drei Jahre. Der 30-jährige Forward trägt bereits seit 2016 das MBC-Trikot. Nach einer Krebsdiagnose hielt der Verein an ihm fest. "Nicht viele Profisportler kommen an den Punkt, eine Wirkungsstätte ihr Zuhause nennen zu dürfen", erinnert sich Kerusch an die härteste Zeit seines Lebens. Neu mit an Bord sind der kanadische Nationalspieler Kaza Keane und NCAA-Rohdiamant Cameron Jackson. Beide hätten ob ihrer starken Anlagen zu früheren Zeiten wohl nicht ins Jagdschema der Wölfe gepasst. Einen exzellenten Eindruck hinterließ in der Saisonvorbereitung mit Strahinja Micovic ein weiterer Neu-Weißenfelser. Der Serbe stand zuletzt in Montenegro auf dem Parkett und bringt athletisch all das mit, was einen guten BBL-Spieler ausmacht.

Der Coach:Auch auf der Kommandobrücke gibt es eine Veränderung: Silvano Poropat verabschiedete sich, nachdem er als Feuerwehrmann für den erfolglosen Aleksandar Šcepanovic Anfang 2019 gekommen war. Neuer Trainer des MBC ist Wojciech Kaminski, der die polnische Nationalmannschaft zuletzt als Co-Trainer betreut hatte. Auch darüber hinaus ist der Übungsleiter kein unbeschriebenes Blatt. Bereits seit 17 Jahren coacht der 45-Jährige auf Erstliganiveau. "Er ist erfahren, er ist erfolgreich, er ist hoch ambitioniert (...) und bodenständig", warf Geissler bei der Vorstellung des Polen Mitte Juni mit Vorschusslorbeeren um sich. "Ich hoffe auf eine große Zeit in Weißenfels", unterstrich Kaminski selbst seinen Ehrgeiz. Der Vertrag läuft zunächst über ein Jahr. Eine Verlängerung winkt im Fall des Klassenerhalts.

Die Problemzonen:Keane folgte dem Ruf der kanadischen Nationalmannschaft, flog mit zur WM nach China und konnte große Teile der Saisonvorbereitung nicht in Weißenfels verbringen. Coach Kaminski sieht seiner ersten Station im Ausland entgegen. Kannte er die polnische Liga in- und auswendig, muss er seine Expertise in der BBL erst noch unter Beweis stellen.

Teampotenzial:Gegen Gießen schien der MBC die Lage über zwei Viertel fest im Griff zu haben. Als die 46ers dann aber wie aus einem Guss und mit mehr Feuer spielten, hatte Weißenfels nichts mehr entgegenzusetzen. Doch Testspieleindrücke können nicht nur trügen, sie tun es in den meisten Fällen sogar. Unterm Strich dürfen sich die Fans auf das nominell beste Team seit jenen glorreichen Tagen freuen, als in der Saison 2003/2004 der EuroCup gewonnen werden konnte. Damals standen mit Wendell Alexis und Misan Nikagbatse (heute Haldin) immerhin Spieler von internationalem Format auf dem Parkett.

Die Prognose:Raufen sich alter Kern und neue Akteure zusammen, ist mit dem Mitteldeutschen BC zu rechnen. Ob es für mehr reicht als "nur" einen Platz im sicheren Tabellenmittelfeld, sei dahingestellt. Doch schon das wäre für die Sachsen-Anhaltiner ein großer Fortschritt.

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