Matheis macht Schluss

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"Ich habe alles erreicht, was ich erreichen wollte." Sagt Lara Matheis, die Spinterin der TSG Wieseck, die nun ihre Laufbahn auf der Laufbahn beendet hat. Dem heimischen Sport möchte sie natürlich verbunden bleiben.

Lara Matheis hat ihre Sprintkarriere beendet. Worüber schon seit Wochen spekuliert worden war, ist nun Gewissheit. Sie bleibt allerdings als Trainerin dem heimischen Sport erhalten.

Seit den Hallenmeisterschaften 2015 stand die hessische Vorzeigesprinterin von der TSG Wieseck in jedem deutschen 200-m-Finale. Der Durchbruch in die deutsche Spitze gelang der inzwischen 26-jährigen Pohlheimerin 2017 und wurde mit internationalen Einsätzen im Nationalteam sogar durch Medaillen gekrönt. Mit der abgelaufenen Saison – teils durch gesundheitliche Rückschläge nicht ganz auf dem Niveau von 2017 –, hat Matheis ihre glanzvolle Zeit im Hochleistungssport nun abgeschlossen. Stets bescheiden, aber selbstbewusst auftretend, arbeitet die einzige einem Beruf nachgehende deutsche Spitzensprinterin als Sport- und Fitnesskauffrau seit Monatsbeginn bei der Firma KörperKonzept in Pohlheims Neuer Mitte wieder in Vollzeit und kann so Sport und Beruf in Einklang bringen.

Entspannt und ausgeglichen, also mit ihrer Entscheidung im Reinen, zog die seit ihrem zehnten Lebensjahr in der Leichtathletik aktive Pohlheimerin in einem Gespräch mit dieser Zeitung Bilanz: "Es war eine schwere Entscheidung gegen den Leistungssport. Ich hätte in Zukunft viel investieren und von mir verlangen müssen, neue Wege zu gehen", sagte die in Holzheim lebende Sprinterin. "Meine Möglichkeiten im Gießener Raum empfinde ich als weitgehend ausgereizt, und so hätte ich einen Umzug als Pflicht angesehen, um meinen Leistungsansprüchen wieder gerecht werden zu können. Aber der Aufwand ist mir zu gro?, will Matheis auch mitteilen, dass sie ihre Heimat nicht dauerhaft verlassen möchte und sich in Mittelhessen wohlfühlt.

"Ich habe zwar über die Jahre viel alleine trainiert, aber eigentlich macht es mehr Sinn und Spaß, in einer leistungsstarken Gruppe. Hätte ich mich entschieden, weiterzumachen, hätte ich mich der Dortmunder Sprintgruppe um Uli Kunst angeschlossen. Man hat mich dort sehr nett aufgenommen und Uli Kunst hätte auch gerne mit mir weitergearbeitet", verzichtet Matheis allerdings auf einen Umzug an das östliche Ende des Ruhrgebiets und bleibt in ihrer Heimat.

Wann reifte der Gedanke an die Aufgabe des Hochleitungssports? Dazu die 26-Jährige: "Andere mögen ein Olympia-Finale oder dort gar eine Medaille anstreben, aber ich habe alles erreicht, was ich erreichen wollte", teilte Matheis mit und führte weiter aus: "Mein Ziel war immer, zumindest einmal international zu starten. So kam mir bereits Ende 2017 kurz der Gedanke aufzuhören, ich habe ihn dann aber schnell wieder beiseitegelegt."

Das Jahr 2018 lief für die Sprinterin der TSG Wieseck "nicht ganz nach Wunsch", aber ein Wechsel – beispielsweise auf die 400-m-Distanz – "war für mich nie ein Thema". Und so ist die Sport- und Fitnesskauffrau "stolz darauf, dass ich mich in einer starken Phase des deutschen Frauensprints mit in der Spitze zeigen konnte".

Auf welche Ereignisse, auf welche Rennen schaut Matheis besonders gern zurück? "Natürlich bleiben vor allem die größten Erfolge haften. Angefangen von den deutschen Hallenmeisterschaften 2017 in Leipzig, wo ich mich nach der persönlichen Bestzeit im Halbfinale erst einmal neu motivieren musste, um die zweitschnellste Vorlaufzeit mit Silber zu bestätigen", verweist Matheis auf einen nationalen Höhepunkt. Aber auch international war die Pohlheimerin in Erscheinung getreten: Bei den IAAF World Relays auf den Bahamas sprang Silber mit der 4x200-m-Staffel heraus. Der Sieg mit der 4x100-m-Staffel bei den Team-Europameisterschaften im französischen Lille wird ebenfalls einen Ehrenplatz im Gedächtnis von Matheis erhalten. "Und auch wenn es keinen Start in London für mich gab, sah ich mich stets im Team, und somit bleibt auch die Weltmeisterschaft 2017 in schöner Erinnerung."

Wie geht es weiter mit Matheis, was hat sie in Zukunft vor? "Derzeit trainiere ich ab, drei- bis viermal die Woche bis zum Frühjahr hin. Auf der Bahn als Sprinterin stehen werde ich definitiv nicht mehr", schließt Matheis ein Wettkampf-Comeback praktisch aus. "Natürlich spielte auch die Zukunftsplanung eine Rolle", sagte sie: "Hier in Mittelhessen ist meine Heimat und ich fühle mich hier sehr wohl. So ganz ohne Leichtathletik geht es aber für mich nicht und so werde ich die TSG Wieseck zukünftig als Sprinttrainerin unterstützen."

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