+
Markus Müller will mit dem FC Gießen am Samstag im Heimspiel gegen den FSC Lohfelden den Aufstieg in die Regionalliga Südwest perfekt machen. (Foto: hf)

FC Gießen

Markus Müller: "Beim Aufstieg hat Wehmut nichts zu suchen"

  • schließen

Wenn der FC Gießen am Samstag definitiv Meister der Fußball-Hessenliga werden kann, wird es auch eines der letzten Heimspiele für Publikumsliebling Markus "Mü" Müller. Das Abschiedsinterview.

Herr Müller, was hat den Ausschlag dafür gegeben, dass Sie den FC Gießen im Sommer verlassen und Ihre Karriere im Alter von 30 Jahren beenden?

Markus Müller: Das Entscheidende ist die Zukunftsplanung. Ich hätte weiter auf diesem Niveau spielen können, hätte mir das zugetraut. Die Verantwortlichen von meinem aktuellen Ausbildungsbetrieb Fischer & Schmandt, gleichzeitig der Hauptsponsor vom FC Gießen, haben mich versucht, zu überzeugen, dass ich weiter auf die Schiene Fußball setze. Aber es ist mir zu heikel, jetzt noch mal aus dem Berufsleben als Immobilienkaufmann rauszugehen und ein, zwei Jahre nur auf den Fußball zu setzen.

Hat Ihre Nieren-Operation in die Entscheidung mit reingespielt, als Profisportler aufzuhören?

Müller: Nein, das hat keinen Einfluss gehabt. Ich fühle mich voll gesund. Das hat damit nichts zu tun.

Ich werde Hessen verlassen und an die niederländische Grenze nach Straalen ziehen

Markus Müller

Wie schwer fällt dem leidenschaftlichen Fußballer Markus Müller der Abschied vom Sport?

Müller: Sehr, klar. Ich versuche in den letzten Wochen jedes Training, jedes Spiel noch mehr zu genießen. Ich möchte bis zum letzten Spiel aber eigentlich gar nicht daran denken. Wir haben mit dem Aufstieg noch ein großes Ziel.

Was bleibt Ihnen aus den turbulenten drei Jahren in Mittelhessen in Erinnerung?

Müller: Es war unglaublich. In der Regionalliga steckte das Ganze mit Watzenborn-Steinberg noch in den Kinderschuhen, da wurden Fehler von allen Seiten gemacht. In der zweiten Saison war der entscheidende Schritt, Daniyel Cimen zu installieren. Was wir dieses Jahr mit dem FC Gießen abgeliefert haben, ist extrem gut. Die Fusion hat gutgetan, der Zuschauerzuspruch ist da, der Verein ist auf einem guten Weg.

Inwiefern war diese Saison mit dem neu gegründeten FC Gießen eine andere Ebene als zuvor in Watzenborn-Steinberg?

Müller: Das hat eine ganz andere Strahlkraft. Wenn eine Stadt dahintersteht, die eine gewisse Bekanntheit hat, dann hat das eine ganz andere Dimension. Watzenborn ist ein Dorf. Im Waldstadion hast du ein ganz anderes Feeling und fühlst dich als Spieler sehr wohl.

Können sich die Gießener darauf freuen, dass Sie nach dem Sommer das eine oder andere Mal im Waldstadion vorbeischauen werden?

Müller: Für meinen Beruf werde ich Hessen verlassen und an die niederländische Grenze nach Straalen ziehen. Da sehen meine Frau (Marith Prießen, Spielerin beim Frauen-Bundesligist 1. FFC Frankfurt, Anm. d. Red.) und ich unseren künftigen Lebensmittelpunkt. Auf dem Dorf werde ich dort weiterhin ein wenig kicken. Ansonsten habe ich vor, das eine oder andere Mal vorbeizuschauen. Ich sage mal, FC Gießen gegen Kickers Offenbach werde ich mir an beiden Spieltagen sicher nicht entgehen lassen.

Wenn wir aufsteigen, werden viele Dämme brechen

Markus Müller

Wenn am Samstag die Meisterparty steigen sollte, wäre das zugleich eine Art Abschiedsparty?

Müller: Nein. Abschied ist auch immer mit Wehmut verbunden. Bei einem Aufstieg hat so etwas überhaupt nichts zu suchen. Wir werden alles dafür geben, um den Titel so früh wie möglich einzutüten. Dann werden viele Dämme brechen. Die Abschiedsparty wird nach dem letzten Spiel stattfinden.

Sie haben viel Regionalliga-Erfahrung, Sie kennen die Mannschaft. Auch wenn sich das Team noch verändern wird, inwiefern ist das Team aus Ihrer Sicht für die vierte Liga gerüstet?

Müller: Das Gesicht der Mannschaft wird sich ein bisschen verändern. Klar ist: Es wird eine brutal schwere Regionalliga-Saison. Mit Aalen steht schon ein Drittliga-Absteiger fest, Saarbrücken und Homburg wollen hoch, du hast mit Offenbach oder Elversberg wieder ambitionierte Teams. Aber ich bin felsenfest davon überzeugt, dass das Netzwerk vom Gespann Daniyel Cimen/Michael Fink ein großer Vorteil sein wird. Ich gehe davon aus, dass die Klasse gehalten wird.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare