"Man kennt die Abläufe"

(vk) Am heutigen Samstagabend treffen im Mittelhessen-Derby und gleichzeitig Spitzenspiel der Handball-Oberliga der Frauen zwei heimische Teams aufeinander, die möglicherweise um den Aufstieg in die 3. Liga der Frauen streiten und sich hinter der SG Kleenheim, der Nummer eins in Mittelhessen, etablieren wollen.

Unser Mitarbeiter Volkmar Köhler (vk) sprach vor dem 18.15-Uhr-Duell in der Hüttenberger Sporthalle mit den beiden Spielmacherinnen Carolin Kraft vom Tabellenführer HSG Dutenhofen/Münchholzhausen und Lena Löffler vom gastgebenden Rangzweiten TV 05/07 Hüttenberg.

Beide haben durchaus Parallelen aufzuweisen: Sie sind mit 22 und 23 Jahren sehr jung, kommen aus einer total handballbegeisterten Familie und haben je noch einen jüngeren Bruder oder Schwester, die aktuell auch Handball spielen, und in beiden Fällen haben die Eltern ebenfalls höherklassig Handball gespielt. Die größte Parallele ist die auf dem Spielfeld: Beide bekleiden die Position Rückraum Mitte, die Spielmacher-Position.

Die 22-jährige Lena Löffler aus Hüttenberg studiert in Gießen BWL, gilt als äußerst sachlich, intelligent und objektiv und hat "auch mal Linksaußen gespielt". Beide Eltern, Hartmut und Christina, spielten einst bei der SG Kleenheim, Hartmut am Kreis und Außen, Christina sogar im Rückraum-Mitte und am Kreis im Kleenheimer Oberliga-Team. Angefangen hat Lena Löffler bei den Minis in Kleenheim, hat dann alle Jugendklassen in Hüttenberg durchlaufen und "ist aus der weiblichen Jugend A direkt in die erste Frauenmannschaft gekommen".

Als A-Jugendliche hat sie sogar schon im Frauenteam ausgeholfen. In der aktuellen Hüttenberger Frauenmannschaft hat sie sogar einmal auch mit ihrer jüngeren Schwester Fabienne (17) zusammen gespielt. Lena Löfflers Talent blieb natürlich nicht verborgen und so hat sie nicht nur Bezirks-, sondern auch Hessenauswahl gespielt.

Ihr Pedant auf der Spielmacher-Position bei der HSG Dutenhofen/Münchholzhausen ist Carolin Kraft. Die 23-jährige arbeitet als Senior-Account-Manager ("Ich betreue Marketing-Kampagnen") in Wiesbaden und hat als Dutenhofenerin schon beim TSV bei den Minis angefangen und ebenfalls die Jugendmannschaften durchlaufen, ehe sie schon als A-Jugendliche im Frauenteam stand. Auch sie hat in Auswahlmannschaften des Bezirks und des Hessischen Handball-Verbandes gestanden. Carolin Kraft ist ungemein schnell, dynamisch und führt klug Regie, wobei sie auch selbst das Torewerfen (oft per Konter) nicht vergisst. Bruder Fabian Kraft gehört zum Bundesliga-Kader der HSG Wetzlar und hat ein Doppelspielrecht für Drittligist HSG Pohlheim. Die Eltern Beate und Oliver (Torwart) spielten beim TSV Dutenhofen in der Regionalliga bzw. 2. Bundesliga.

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Was sagen Sie dazu, dass in Hessens höchster Spielklasse bei den Frauen zwei heimische Mannschaften, eben Hüttenberg und Dutenhofen/Münchholzhausen, ganz vorne stehen?

Löffler: "Das ist auf jeden Fall total klasse und bestätigt die gute Jugendarbeit, gerade in Hüttenberg. Es ist toll, dass es neben Kleenheim zwei weitere Teams dahinter gibt, in denen mit jungen Leuten gearbeitet wird."

Kraft: "Grundsätzlich muss ich sagen, dass das Feld in der Oberliga sehr ausgeglichen ist und kein Top-Favorit vorher auszumachen war. Einige Mannschaften spielen auf gleichem Niveau, in Mittelhessen aber ist der Focus noch stärker auf den Handball gerichtet."

Wie erklären Sie sich den Höhenflug ihrer Mannschaft?

Löffler: "Natürlich spielen wir zum Großteil seit der Jugend zusammen. Man kennt die Abläufe, die sind dann automatisiert, wir haben eine junge Mannschaft, die kompakt steht und sich auf das Konterspiel versteht."

Kraft: "Wir spielen schon einige Jahre zusammen. Es ist einfach super, miteinander zu spielen, und eine gewisse Erfahrung zeichnet sich dann auch bald ab."

Was erwarten Sie sich vom Derby und vom Rest der Saison?

Löffler: "Dass wir in erster Linie besser als im Hinspiel spielen, da hat keine bei uns Normalform gehabt. Im Derby muss alles passen, wenn wir Erfolg haben wollen, da sind dann ganz andere Emotionen im Spiel. Es wird eng. Kleinigkeiten können entscheidend sein. Unser Ziel bleibt weiterhin das obere Mittelfeld. Mit einem zweiten Platz bin ich total zufrieden."

Kraft: "Ich erwarte ein sehr ansehnliches Derby und viele Zuschauer, die wie die Mannschaften Spaß haben. Es ist etwas besonderes, die Tagesform wird auch mit entscheidend sein. Es wäre natürlich schön, wenn wir weiter oben bleiben würden."

Wer sind ihre Konkurrenten im Titelkampf?

Löffler: "Eddersheim auf jeden Fall, ich rechne auch noch mit Böddiger. Siedelsbrunn ist eine erfahrene Mannschaft, auch wenn sie schon etwas Rückstand hat, und natürlich Dutenhofen."

Kraft: "Wir haben schon noch ein paar wichtige Spiele vor uns, in Eddersheim und gegen Böddiger, da ist noch nicht alles entschieden. Wir müssen unsere Leistung immer wieder abrufen."

Sie wissen, dass der Hessenmeister direkt aufsteigt und manches Mal auch der Zweite noch eine Aufstiegschance bekommt, wie Dutenhofen letzte Saison. Wie weit sind Sie und ihre Mannschaft von der 3. Liga entfernt?

Löffler: "Ein Aufstieg ist für uns kein Thema. Da reden wir nicht von, wir sind einfach noch zu jung und die Cleverness fehlt. Natürlich fehlen auch noch Konstanz und Stabilität, aber wir können in der Oberliga an einem guten Tag jeden schlagen."

Kraft: "Vom aktuellen Tabellenplatz her sind wir natürlich nicht weit entfernt, aber die Rückrunde hat erst begonnen, da kommen noch schwere Spiele und wir müssen unsere Leistung bringen."

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