Mainzlar weiter sieglos

Das Dilemma begann schon beim Einlaufen. Einzeln oder doch zusammen. Wie betreten wir denn die Halle, hatten sich die Zweitliga-Handballerinnen des TV 05 Mainzlar wohl gefragt. Vom Hallensprecher kam kein Signal und so warteten die 200 Zuschauer in der Sporthalle der Lollarer Clemens-Brentano-Schule für einige Minuten vergebens auf die Spielerinnen, die im Kabinengang warteten. Aber als es dann endlich losging, wurden die Fans erst so richtig gequält.

Schon nach sechs Minuten war die Niederlage des völlig indisponierten TVM gegen einen bärenstarken TV Nellingen besiegelt. Mit 0:5 geriet das Team ins Hintertreffen, und der Weg für die vernichtende 24:45 (9:26)-Klatsche war frei. Schon nach zwölf Minuten, als Tamara Heinzelmann aus dem Rückraum zum 11:3 für die spielerisch starken "Schwaben Hornets" einwarf, war die Partie entschieden. Immer wieder rannten sich die Mainzlarerinnen in der gegnerischen Abwehr fest. Und wenn die Schussbahn einmal frei war, konnte Nellingens starke Torfrau Celia Schneider die oftmals kraftlosen "Würfchen" problemlos entschärfen. Mainzlars Trainer Dr. Jürgen Gerlach war geschockt: "Aus der zweiten Reihe kommt nichts. Das ist einfach zu wenig. Da fehlt uns eine Spielerin, die den Ball mal rein wirft." Wie das funktionieren kann, bekamen die völlig überforderte Shooterin Jurate Zilinskaite und die im zweiten Durchgang recht ordentlich spielende Svenja Spriestersbach von ihren Kontrahentinnen gezeigt. Mainzlars Torfrau Vilma Gainskyte hatte sich nämlich gegen Würfe im Minutentakt zu wehren. Meist vergebens, denn Nellingens Schüsse schlugen ordentlich ein im Kasten der Litauerin, die kein Glück hatte.

Auch das war ein Grund, warum Gerlach sich entschieden hatte, Rieke Fischer aus der zweiten Mannschaft zu befördern. Sie durfte gut 25 Minuten ran und löste ihre Aufgabe den Umständen entsprechend gut.

Der TVN zeigte unterdessen, wie Spitzenhandball in der 2. Bundesliga geht. Allen voran Sandra Faustka narrte ein ums andere mal die löchrige und systemlose TVM-Abwehr. Beispielweise in der 23. Minute, als Nellingen blitzschnell konterte und Faustka den Ball direkt im Winkel zum 20:7 versenkte.

Nach dem desillusionierenden 9:26-Rückstand zur Pause zeigte das Gerlach-Team im zweiten Durchgang immerhin Moral. Vor allem Spriestersbach nutzte die "Freundschaftsspielatmosphäre", um etwas Spielpraxis zu gewinnen. Immerhin traf sie zum 21:41 (54.) und betrieb mit ihren Toren Ergebniskosmetik. Wie auch Paraskevi Kazaki, die sich als stolze Griechin in jeden Zweikampf arbeitete, als sei das Spiel noch nicht entschieden. Vor den Augen ihrer Familie traf sie siebenmal und avancierte letztlich zur besten Mainzlarerin, was an diesem Abend allerdings auch nicht besonders schwierig war.

Wesentlich interessanter als der Spielverlauf im zweiten Durchgang war letztlich Gerlachs Blick in die Zukunft. Der Orthopäde kündigte zwar an, dass die Verpflichtung einer zweiten Torfrau kurz bevorstünde, deutete aber ebenso an, dass er sich vom Umfeld in Mainzlar alleingelassen fühlt. "Hier bekommt man viele Steine in den Weg gelegt. Das ist eine Katastrophe", schimpfte der Coach, der offenbar überlegt, nach 0:12 Punkten Konsequenzen zu ziehen. "Ich schaue mir das in den nächsten zwei Wochen ganz genau an. Und dann werde ich sehen, ob ich noch Lust habe oder nicht", erklärte Gerlach, der den Ratschlag des Sportpsychologen Dr. Walter Oberlechner am Samstag weitgehend ignorierte. Oberlechner hatte ihm empfohlen, an der Seitenlinie ruhiger zu werden. Doch nicht nur beim 12:31 in der 40. Minute war es vorbei mit der Stille. Gerlach schwächte seine Mannschaft, da er wegen zu lauter Proteste eine Zweiminutenstrafe erhielt. Aber der Trainer gelobt Besserung: "Ich war schon ruhiger und werde versuchen, mich weiter zu bessern. Ich spüre noch den Rückhalt der Mannschaft und weiß, dass wir es schaffen können. Auch wenn es sich nach so einer Niederlage für manche komisch anhört: diese Mannschaft hat Potenzial.

" Doch Gerlach weiß auch, dass alsbald die Kehrtwende her muss. Dies dürfte seinen Schützlingen aber schwerfallen, so lange sich die Spielerinnen auf und abseits des Feldes derart alleingelassen fühlen wie am Samstagabend vor dem Spiel im Kabinengang.

TV 05 Mainzlar: Gainskyte, Fischer; Andrijana Atanasoska (4), Spriestersbach (5/3), Kazaki (7/1), Zilinskaite (1), Deuster, Rühl (1), Zukauskaite (2), Bepler, Halasova (1), Wagner (1), Euler.

TV Nellingen: Schneider, May; Schulz (9/3), Heinzmann (1), Maric (5), Habiger (4), Gall (3), Skenderovic (3), Faustka (9), Heinzelmann (4), Heimgärtner (1), Stratmann (6).

Im Stenogramm: Schiedsrichter: Behrens/Fasthoff (Düsseldorf). - Zuschauer: 200. - Zeitstrafen: 2:4 Minuten. - Siebenmeter: 7/6:3/3.

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