Beim "StayAtHome-Cup" des Hessischen Fußball-Verbands kein seltenes Bild. Die Konsolen-Zocker des FC Hessen Massenheim sind bei dem FIFA20-Turnier mit dem FSV Mainz 05 gut unterwegs. FOTO: ESA
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Beim "StayAtHome-Cup" des Hessischen Fußball-Verbands kein seltenes Bild. Die Konsolen-Zocker des FC Hessen Massenheim sind bei dem FIFA20-Turnier mit dem FSV Mainz 05 gut unterwegs. FOTO: ESA

Mit Mainz zum Double?

  • Erik Scharf
    vonErik Scharf
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Mit dem Plan ist der Hessische Fußball-Verband schon seit einer Weile schwanger gegangen. Die Corona-Zwangspause ist nun das ideale Testfeld, um zu sehen, wie stark das Interesse am Fußball auf der Konsole unter Wettkampfbedingungen ist. Das Ergebnis hat die Macher überrascht.

Der FSV Mainz 05 sorgt gerade dafür, dass die FSG Queckborn/Lauter auf dem weg zur hessischen inoffiziellen Meisterschaft gute Chancen hat. "Zu 95 Prozent sind wir eine Runde weiter", sagt Ben Kaiser, der in der Gruppe X der Nordgruppe derzeit auf Platz zwei steht. Bis zum Finale ist es für Kaiser und seine beiden Mitstreiter aber noch ein weiter Weg.

236 Teams aus Hessen kämpfen derzeit auf der Playstation im Videospiel "FIFA 20" um den "StayAtHome-Cup" des Hessischen Fußball-Verbands (HFV). Berechtigt zur Teilnahme sind ausschließlich Vereinsspieler, die nun an der Konsole um die hessische E-Sport-Krone kämpfen. Aus dem Gießener Land ist neben der FSG Queckborn/Lauter unter anderem auch die TSG Wieseck, der FSV Fernwald oder die SG Trohe/Alten-Buseck dabei,

Hunderte E-Mails am Montag

In der HFV-Zentrale in Frankfurt laufen die Drähte bei Sascha Timmas zusammen. Der Referent Social Media hat montags Hunderte E-Mails zu bearbeiten. Allein im Verbandsgebiet Nord, in dem die Gießener Vereine angesiedelt sind, gibt es in der Vorrunde 32 Vierergruppen. Und um die Ergebnisse zu verifizieren, hat jedes Team eine E-Mail mit dem Ergebnis zu schicken - bis Montagmittag.

Die Idee zum Turnier entstand recht spontan, wie Timmas verrät, auch wenn das Thema E-Sport zuletzt immer intensiver beim HFV und auch beim Deutschen Fußball-Bund diskutiert wurde. Schon im vergangenen Jahr wurde an Konzepten gearbeitet, wie man Amateurvereine auch an der Konsole gegeneinander antreten lassen kann. Die fußballfreie Zeit nach der Aussetzung der Saison im Zuge der Coronavirus-Pandemie erschien als ideales Testfeld. "Innerhalb von zwei Wochen haben wir alles zusammengeschustert. Angesichts der kurzen Vorlaufzeit waren wir überwältigt, wie viele Vereine eine Mannschaft ins Rennen geschickt haben", sagt Timmas. In den Tagen nach Ende der Anmeldefrist hätte das Feld locker auf rund 500 Vereine erweitert werden können, doch der aufwendig erstellte Spielplan war schon ausgearbeitet. "Die meisten Fußballer sind auch Hobby-Zocker", sagt Timmas, und das diese These durchaus stimmt, beweist das Teilnehmerfeld. Für Kaiser war sofort klar, dass er an dem Cup teilnehmen möchte, nur war die Resonanz aus seiner Mannschaft eher Mau. "Ich habe dann zwei Kumpels gefragt, die bei der JSG Oberes Ohmtal spielen, und die hatten Bock", sagt Kaiser. Ihr Name: Kreisligalegenden. Eine nette Idee, doch bei der Frage, ob Kaiser als B-Jugendlicher rechtfertigen kann, sich schon als Legende zu bezeichnen, musste er lachen. "Wir dachten, dass passt ganz gut", sagte der Innenverteidiger dann noch mit einem Augenzwinkern.

Die Spielbedingungen sind recht simpel. Die Teams verabreden sich untereinander, der Standardtermin ist sonntags um 15.30 Uhr. Gespielt wird auf der Playstation und in einem Spielmodus, bei dem alle virtuellen Kicker eine identische Leistungsstärke haben. So ist es also egal, ob man mit Real Madrid, Eintracht Frankfurt oder dem FK Haugesund antritt. "Die meisten nehmen dann doch die Klassiker, wie Real oder Liverpool. Hin und wieder ist aber auch mal Union Berlin oder Mainz 05 dabei", erzählt Timmas. So wie bei Kaiser, der sich nach einiger Probiererei für Mainz entschieden hat. Dabei ist er eigentlich Fan von RB Leipzig. Das gibt’s nur im E-Sport.

Ein Duell besteht in der Vorrunde aus zwei Spielen, ab der Zwischenrunde, die nach Abschluss der Vorrunde ausgelost wird, kommt ein drittes Match pro Duell hinzu. Das Finale ist für den 13. Juni angesetzt.

Besonders erfreut ist Timmas über die vielen Rückmeldungen der Konsolenzocker. "Wir bekommen viele Anregungen, der Riedberger SV hat uns sogar ein Turnierlogo erstellt. Das zeigt, dass aus den Vereinen heraus durchaus viel Potenzial bei der Mitgestaltung vorhanden ist und nicht immer alles hundertprozentig diktiert werden muss", sagt Timmas.

Die Kreativität schlägt sich an mancher Stelle auch in den Teamnamen wieder. Neben den Kreisligalegenden gibt es auch den Klassiker unter den Namen für Thekenmannschaften, Juventus Urin (SG Eschbach/Wernborn) - oder aber auch die Bembel Maifa X (EFC Kronberg) und die Schoppenkiller (TSV Immenhausen).

Auch das Amateurfußball-Portal "FuPa" hat ein E-Sport-Turnier ins Leben gerufen. Im Bezirk Mittelhessen, Gruppe C, führt die TSG Leihgestern II die 22 Teams starke Liga an - vor der FSG Queckborn/Lauter, bei der in diesem Wettbewerb Meisners Coach Maxi Dietrich am Controller sitzt. Das Double ist also möglich.

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