Lischkas einhändiger Dunk besiegelt Sieg

  • vonSebastian Kilsbach
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(sks). Beim 91:77 in Oberhaching brauchten die Gießen 46ers Rackelos eine Weile, um ihren Rhythmus zu finden. Laut Coach Rolf Scholz war das auch auf das ungewohnte Setting zurück zu führen.

Rund 450 Kilometer Autobahn liegen zwischen Gießen und der Grundschule Deisenhofen - Heimspielstätte der Tropics Oberhaching, gegen die die Rackelos ihren zweiten Sieg im zweiten Spiel der dritten Basketball-Bundesliga einfahren konnten. Lange Fahrten sind für Profi-Sportler nichts Ungewöhnliches. Das ausbleibende Halligalli am Ende der Odyssee aber schon.

Erstaunlich lange brauchten die auf dem Papier haushoch überlegenen Mittelhessen, um in die Partie zu finden. "Das liegt ein Stück weit auch am ungewohnten Umfeld", erklärt Scholz. Keine Fans, keine Maskottchen, keine Cheerleader: dass die ProB nicht die NBA ist, wie der Trainer vor zwei Wochen erklärte, merkte man selten stärker als am YouTube-Livestream, der die Partie auch in Gießener Wohnzimmer brachte.

250 Zuschauer verfolgten die Übertragung. Gießener Fans fragten im Chat nach der Bierbechergröße in Oberhaching und erzählten von lokalen Kneipen. Tropics-Fans beschäftigen sich mit den Hygienemaßnahmen. Diese beschreibt Scholz als vorbildlich: "Da ist keiner von uns mit einem schlechten Gefühl rausgegangen." Einher mit den Maßnahmen geht aber eine besonders frühe Ankunft am Spielort, die den normalen Rhythmus zusätzlich unterbricht.

Doch auch über Basketball wurde im Chat gesprochen. Ein Fan von Neu-46er Alexandre Doche fragte gegen Ende des Spiels, wie viele Punkte der Franzose markiert habe. 22! Gerade zu Beginn, als die Gießener noch müde wirkten, legte Doche zwei starke Dreier auf. Mit dem zweiten stellte er auf 17:16 (6.) - die erste Führung seit der Anfangsphase. Wenig später führte Gießen mit 30:22.

Rückkehrer Jeril Taylor bediente zu Beginn des zweiten Abschnitts Doche an der Dreierlinie - wobei "an" hier eher mit "auf dem Parkplatz" zu lesen ist. Aus fast neun Metern lötete der Guard zum 33:24. Haching konterte mit einem 15:5-Lauf, der den zwischenzeitlichen Ausgleich bedeutete. Felix Schweizer nach cleverem Backdoor-Cut holte die Führung aber sofort zurück.

Mit Urschrei legte Doche trotz eines Fouls ab. Haching agierte unklug und musste aufgrund individueller Fehler mit einem 40:46-Rückstand in die Kabine. Gegen den Gießener Defensivzement nach dem Seitenwechsel konnten die Bayern dann nichts ausrichten. Selbst als die Tropics nach zwei schnellen Dreiern wieder auf 54:61 herangeschnellt waren, bedurfte es nur einer Auszeit der Gäste, um zurück in die Spur zu finden. Besonders schön nahm sich dabei der erste Korb von Taylor aus: ein Dreier aus dem Dribbling.

Im Schlussabschnitt setzte Johannes Lischka einen Nadelstich nach dem nächsten und sorgte dafür, dass sich die Führung auf einem konstanten zweistelligen Sockel einpendelte.

"Wir haben offensiv einiges umgestellt und kamen so zu besseren Würfen von außen", erklärt Scholz. Spätestens nach Lischkas einhändigem Dunk zum 89:73 war die Messe endgültig gelesen.

Gießen: Taylor (3), Doche (22), Köpple (12), Amaize (2), Schneider (7), Lischka (25), Zylka (10), Schweizer (7), Brach (3), Maruschka.

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