Lischka der Vorkämpfer beim 46ers-Sieg gegen Chemnitz

Einen ganz wichtigen Sieg im Kampf um den Einzug in die Playoffs der 2. Basketball-Bundesliga Pro A haben die Gießen 46ers am Samstag gefeiert: Gegen die Chemnitz 99ers setzte sich die Mannschaft von Trainer Denis Wucherer mit 80:71 durch und hatte in Benjamin Lischka einmal mehr ihren überragenden Spieler.

Glücklich sah Felix Schreier bei der Pressekonferenz nicht aus. Der Cheftrainer der Chemnitz 99ers hatte zuvor in seinem Statement zum Spiel die Schiedsrichter kritisiert und sich dabei einiges von der Seele geredet, doch die 71:80 (34:36)-Niederlage seiner Mannschaft gegen die Gießen 46ers am Samstagabend nagte ganz offensichtlich am 24-Jährigen. Denn am Ende war es eine kurze Sequenz, die den sechsten Heimsieg der Gießener in der 2. Basketball-Bundesliga Pro A endgültig unter Dach und Fach brachte, und an der war Schreier nicht unbeteiligt.

Zu Beginn der Schlussminute, die Hausherren waren mit 72:69 in Führung, war Joshiko Saibou nach einem Ballgewinn auf dem Weg zum Chemnitzer Korb, als ihm 99ers-Forward Trevor Noack von Links in die Arme griff. Die Referees entschieden, regelkonform, aber doch etwas anders als in der bisherigen Linie des Spiels, auf ein unsportliches Foul, was Schreier erzürnte.

Während sich Saibou für die fälligen Freiwürfe aufstellte, kassierte der 99ers-Trainer ein technisches Foul – und kurz darauf ein zweites, was den Sachsen in Fassungslosigkeit stürzte: "Warum ich da ein zweites technisches Foul bekomme, wird der Kollege Wojciech Swilo wahrscheinlich nicht mal selber wissen, aber das ist einfach eine Frechheit, meiner Meinung nach. Die Kollegen sitzen jetzt mit dem Schiedsrichter-Coach zusammen, sagen ›Okay, das war böse" und das war’s, aber das kann’s ja dann nicht sein."

Spielentscheidend war die Szene in jedem Fall, Saibou verwandelte cool von der Linie und machte aus einer knappen 72:69-Führung ein 78:69 – mit nur noch einer Minute auf der Uhr mehr als nur eine Vorentscheidung. Zeitgleich stellte Schreier aber auch klar: "Wir haben nicht wegen den Schiedsrichtern verloren."

Das war vielmehr ein großer Verdienst von Benjamin Lischka: Der Forward, der unter der Woche seinen Vertrag bei den 46ers als erster Spieler um ein weiteres Jahr verlängert hatte, spielte in der Osthalle so, als wollte er jedem der 2277 Zuschauer beweisen, dass er diese Vertragsverlängerung mehr als verdient hatte. Lischka traf per Sprungwurf, per Dunking und von der Freiwurflinie, griff sich Rebounds und kam immer wieder zu Ballgewinnen, ohne auch nur einmal den Ball selbst zu verlieren.

Ordentliches Debüt von Malu

Lischkas Partie lässt sich in einer Szene perfekt zusammenfassen: Mitte des zweiten Viertels griff sich der 24-Jährige erst den Offensivrebound, stieg sofort wieder hoch, zog das Foul, traf trotzdem und weckte mit einem Urschrei auch noch den letzten schläfrigen Osthallenbesucher auf.

Den Freiwurf verwandelte er ebenso souverän wie er nach dem Spiel als Matchwinner von Kapitän Saibou das Ehrenamt des "Humba-Dirigenten" ausfüllte – und das, obwohl der Langgönser zweieinhalb Minuten vor Ende der ersten Hälfte nach einem Block schlecht aufkam, zur Bank humpelte und sich die verbleibenden Minuten mit einem dicken Eisbeutel auf dem Knie ansehen musste. Ein Schreckmoment, doch nach dem Seitenwechsel kehrte der Forward zurück und stellte seine Kämpferqualitäten unter Beweis.

Ein Leader wie Lischka war notwendig auf dem Parkett, denn die 46ers kämpften lange mit dem Tabellennachbarn: Die Führung wechselte hin und her, wirklich absetzen konnte sich keine Mannschaft, was die Ergebnisse der ersten drei Viertel belegen: 17:17, 19:17, 19:22. Dazu war nach dem Wirbel um den Abgang von Rickey Young unter der Woche und durch die Schulterverletzung von Myles Hesson, der auch am Samstag wieder nur zusehen konnte, die Trainingswoche einmal mehr alles andere als ideal gewesen.

Neuzugang Jonathan Malu war aus Bremerhaven am Freitagabend direkt zum Training in die Osthalle gekommen, fügte sich aber ordentlich in die Mannschaft ein: "Man merkt ihm an, dass er auf hohem Niveau trainiert hat und viele Dinge auf Anhieb versteht, in der Verteidigung, aber auch gerade was unsere Angriffssysteme angeht, die wir mit ihm spielen konnten. Ich glaube, er bringt uns eine Menge Athletik und Physis, die uns teilweise fehlt. Er wird harte Blöcke setzen und in Korbnähe aufräumen, aber da ist natürlich noch eine Menge Luft nach oben. Wir werden die nächste Woche dazu nutzen, ihn einzuarbeiten, damit er sich an die Mitspieler gewöhnen kann und sie an ihn", war 46ers-Coach Denis Wucherer mit dem Debüt des Youngsters zufrieden. Der Zwei-Meter-Mann beeindruckte vor allem mit seiner körperlichen Leistungsfähigkeit, konnte dank 115 Kilo in der Verteidigung auch gegen die großen Chemnitzer wie den besten Rebounder der Liga, Donald Lawson, dagegenhalten und dürfte eine spannende Addition zum Gießener Kader sein.

Die 46ers springen somit auf den vierten Tabellenrang, der wiederum Heimrecht in den Playoffs bedeuten würde. Doch nur zwei Niederlagen könnten bereits den Absturz auf den zehnten Platz bedeuten, in der ProA sind alle Teams dicht beieinander. Da sorgte es für Stirnrunzeln, dass Denis Wucherer bei einer Auszeit 17 Sekunden vor dem Ende nicht foulen ließ, um den direkten Vergleich mit den Gästen, die das Hinspiel mit elf Punkten gewonnen hatten, noch einmal anzugreifen.

"Die Idee war, zu schauen, ob wir doppeln können und auf den Steal gehen, aber da war Chemnitz zu clever. Schicken wir sie an die Linie, machen sie wahrscheinlich beide Freiwürfe rein und dann sind es nur noch sieben Punkte Vorsprung", entschied sich der Trainer für die sicherere Variante – und sah damit, trotz des verlorenen direkten Vergleiches, aber mit dem Sieg im Rücken, in der Pressekonferenz am Ende glücklicher aus als sein Kollege aus Chemnitz. Martin Vogel

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