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Olympianorm in Mannheim mit 11,12 Sekunden geknackt: Lisa Mayer (l.) mit dem Schrei der Freude, in der Mitte Jennifer Montag (Leverkusen), rechts Teamkollegin Rebekka Haase (Sprintteam Wetzlar).

Leichtathletik

Lisa Mayers Freudenschrei

  • Wolfgang Gärtner
    VonWolfgang Gärtner
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Lisa Mayer kann es selbst kaum fassen. Die Sprinterin knackt mit 11,12 Sekunden in Mannheim als erste deutsche Sprinterin die 100-m-Norm für die Olympischen Spiele in Tokio.

Großer Tag für Lisa Mayer beim Sportfest »Road to Tokyo« in Mannheim. Die gebürtige Gießenerin, die für das Sprintteam Wetzlar startet, lief am Samstag im Vorlauf über die 100-m-Distanz solide 11,30 Sekunden. Sie fühlte aber, dass da noch mehr geht. Und im Endlauf auf der neuen blauen Bahn im Mannheimer Michael-Hoffmann-Stadion haute die Niederkleenerin so richtig einen raus. Die Uhr blieb für sie bei 11,12 Sekunden stehen: Olympia-Norm (11,15) im ersten Wettbewerb der Saison für Tokio geknackt. Gleichzeitig ihre persönliche Bestzeit (vorher 11,14) und die beste Zeit aller Konkurrentinnen in Mannheim - bei einem zulässigen Rückenwind von 1,7 m pro Sekunde.

Dabei ließ sie ihre Teamkollegin Rebekka Haase (11,21), Lisa Nippgen (MTG Mannheim; 11,25), Jennifer Montag (TSV Bayer Leverkusen, 11,28) sowie die zeitgleichen Lisa-Marie Kwayie (Neuköllner SF) und Alexandra Burghardt (LG Gendorf Wacker-Burghausen, beide 11,29) recht deutlich hinter sich.

Schon kurz hinter der Ziellinie wich ihre Anspannung, sie schrie ihre ganze Freude über den gelungenen Lauf heraus. Sekunden später kniete sie nieder, versteckte ihr Gesicht hinter den Händen. In diesem Moment kamen sicherlich in ihr die Erinnerungen der letzten Jahre hoch, die von Hochs und Tiefs, Verletzungen und Beschwerden geprägt waren. Später schossen ihr Tränen des Glückes in die Augen. »Nach den letzten Jahren einfach nur ein unglaublich erlösendes Gefühl. Und absolut unerwartet! Für den Moment bin ich einfach nur happy und unendlich dankbar«, postete Mayer auf Instagram. Dass diese Zeit irgendwo tief in ihr schlummere, habe sie immer gewusst. Dass sie sie gleich zum Saisonauftakt herausholen kann, hätte sie jedoch nicht gedacht, erklärte sie auf leichtathletik.de.

Ziel Einzel- und Staffelstart in Tokio

Vor dem Wettkampf, der die neue »Racing League« (vom Sprintteam Wetzlar initiiert) einläutete und mit den weiteren Stationen in Weinheim und Regensburg bis zum Finale am 10. Juli in Wetzlar fortgeführt wird, hatte die mittelhessische Topsprinterin schon ein gutes Gefühl und Vorfreude auf die Olympia-Qualifikation - auf die drei zu vergebenden Tickets für Tokio. Im Vorfeld von Mannheim sagte Mayer, dass sie mit Selbstbewusstsein an den Start gehen werde und dass die Zeit der Ungewissheit, ob man dabei sei oder nicht, einen auch zu Höchstleistungen treiben könne. Bei Mayer hat es auf jeden Fall geklappt.

Ich bin unglaublich zufrieden, die Norm vorgelegt zu haben. Das nimmt für die nächsten Wochen enorm den Druck und Stress, dieser Norm hinterherjagen zu müssen.

Sprinterin Lisa Mayer

Ihr Ziel ist klar definiert: Sie will nach wie vor den Einzelstart über 100 Meter und als Teil der Staffel bei den Olympischen Spielen dabei sein. »Ich bin unglaublich zufrieden, die Norm vorgelegt zu haben. Das nimmt für die nächsten Wochen enorm den Druck und Stress, dieser Norm hinterherjagen zu müssen«, sagte Mayer. Sie will aber zeigen, dass die 11,12 Sekunden keine Eintagsfliege waren, sondern dass sie wieder vollständig zurück ist. Dazu müsse sie in allererster Linie in den nächsten Wochen und Monaten gesund bleiben und weiterhin schnell rennen.

Sie ist sich bewusst, dass der Kampf um die Olympia-Tickets gerade erst begonnen hat, dass es bei der kurzen Sprintdistanz auf Millimeter und Millisekunden ankommt. Es sei noch nichts entschieden. Und sie ist sich sicher, dass die eine oder andere noch nachlegen wird.

Als nächster Wettkampf steht für Mayer in zwei Wochen die Team-EM in Polen an. Dort wird sie 100-m-Einzel und mit der Staffel laufen. Dann geht es ganz normal weiter, bis am 29. Juni final für Tokio nominiert wird.

Trainer Correll wichtiger Faktor

Nach dem vierwöchigen Trainingslager auf Gran Canaria hatte Mayer schon ein positives Fazit mit Blick nach vorne gezogen: »Ich bin rundum zufrieden und gespannt, wo die Reise diese Season hingeht.«

Die Arbeit mit ihrem Trainer David Correll bereitet ihr eine Menge Spaß. »Er macht einfach einen geilen Job. Er lebt diesen Trainerjob, in dem er sich 24 Stunden rund um die Uhr Gedanken macht, wie er, nicht nur alleine auf mich bezogen, sondern auf die ganze Trainingsgruppe, das Maximale aus uns rausholen kann. Das Umfeld, die Zusammenarbeit, das Menschliche passt. Das sind alles Einflussfaktoren, die im Endeffekt dazu führen, dass der Körper gerade so mitmacht, wie er es macht«, so Mayer.

Für die 25-jährige Top-Sprinterin kam in den schweren Zeiten der Rückschläge und der Verletzungssorgen ein Aufgeben nie infrage. Das unermüdliche Feuer in ihr, zu zeigen, was in ihr steckt, erlosch nie. »Durchhaltevermögen wird immer belohnt. Umso mehr habe ich regenerative Maßnahmen zu schätzen gelernt. Wer den Körper ausraubt, muss ihm auch wieder etwas zurückgeben und ihn pflegen. Denn mein Körper ist mein wichtigster Partner«, ist sich Mayer bewusst, dass Gesundheit für sie das Wichtigste ist.

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