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Zieleinlauf über die 60 m bei der Hallen-DM in Dortmund: Vorne die Siegerin Amelie-Sophie Lederer (LG Stadtwerke München), links Jennifer Montag (TSV Bayer 04 Leverkusen), Rebekka Haase (3. v. r.), Lisa Mayer (2. v. r., beide Sprintteam Wetzlar), die Fünfte wird.

Lisa Mayer »unendlich traurig«

  • Wolfgang Gärtner
    vonWolfgang Gärtner
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(gae/pm). Lisa Mayer machte aus ihrem Herzen keine Mördergrube. Die 24-jährige Topsprinterin war am Samstag gegen 19.15 Uhr »einfach nur unendlich traurig«. Im Vorfeld der deutschen Leichtathletik-Meisterschaften in der Dortmunder Helmut-Körnig-Halle hatte sie am Donnerstag noch auf Instagram ein Foto gepostet, auf dem sie nach oben - womöglich auf eine Uhr - schaut und sagt:

»Time to shine!« Die Niederkleenerin hatte sich für den ersten nationalen Titel wahrlich einiges vorgenommen. Sicherlich wollte sie eine Medaille, am liebsten ganz oben auf dem Podest stehen.

Aber daraus wurde nichts. Im Endlauf belegte die Athletin des Sprintteams Wetzlar Platz fünf - in guten 7,23 Sekunden. Dass ihr Mitwirken am seidenen Faden hing, wollte sie im Vorfeld der Hallen-DM der Öffentlichkeit nicht unbedingt mitteilen. Die in den vergangenen Jahren von zahlreichen Verletzungen geplagte Mayer hatte seit dem ISTAF in Berlin gesundheitliche Probleme. »Und dann laufe ich die zweitschnellste Zeit der Saison, die am Ende nur zu Rang fünf reicht. Wahnsinn!«

In ihrem Vorlauf lief nicht alles nach Plan. Kurz vor dem Startschuss hob sie die Hand, weil in der Halle eine Hürde umgefallen war, die sie in ihrer Konzentration störte. Also wieder den Fokus auf 100 Prozent legen. Das klappte, denn sie zog als Erste ihres Laufes in das Finale ein (7,29 Sekunden).

Dort kam es für Mayer fast zu einem Dé·jà-vu. Diesmal wurde sie aber nach dem Startschuss zurückgepfiffen - wie alle anderen auch -, wobei keiner so richtig erklären konnte, woran es letztlich lag. Als der erste Schuss fiel, katapultierte sich Mayer wie schon lange nicht mehr aus ihrem Startblock. Sie hatte die Nase vorne, was ihr sonst nach dem Beginn nie gelingt. Aber dann ertönte ein weiterer Schuss - Fehlstart. Keiner wurde disqualifiziert. Aber wieder litt die Konzentration von Mayer - und letztlich wurde sie Fünfte.

Das Treppchen nach dem 60-Meter-Rennen der Frauen verfehlte ebenfalls Mayers Teamkameradin Rebekka Haase. Hinter der Überraschungssiegerin Amelie-Sophie Lederer (LG München), die in 7,12 Sekunden in die europäische Spitze durchstartete und in diesem Winter nur 200-Meter-Weltmeisterin Dina Asher-Smith (Großbritannien, 7,08) den Vortritt lassen musste, sowie Jennifer Montag (Bayer Leverkusen, 7,19) und Yasmin Kwadwo (LC Paderborn, 7,19) lief Haase in 7,20 Sekunden ihre schnellste Zeit seit 2017, die in Dortmund nur zu Rang vier reichte. Obwohl die 28-Jährige ihre Saisonbestleistung verbesserte, verpasste sie die EM-Norm um eine Hundertstel. »Mir fehlen ehrlich gesagt die Worte. Ich bin sehr enttäuscht, denn nicht nach Polen zu fahren, ist mehr als bitter.« Mayer indes hat die EM-Norm bereits in der Tasche.

Indes hat Mayers Teamkollege Kevin Kranz für den Höhepunkt schlechthin gesorgt. Mit 6,52 Sekunden stellte der 22-Jährige den deutschen Hallenrekord von Julian Reus (LC Top Team Thüringen) aus dem Jahr 2016 ein. Kranz erwischte im Finale mit einer Reaktionszeit von 0,116 Sekunden einen nahezu perfekten Start und zog mit schnellen Schritten der Konkurrenz auf und davon. Die Zeit, die er schon im Vorlauf (6,55) angedeutet hatte, ist gleichbedeutend mit einer neuen europäischen Jahresbestzeit. Im weltweiten Vergleich war in dieser Hallensaison lediglich der ehemalige Hallenweltmeister Trayvon Bromell (USA) vier Hundertstel schneller.

»Ich habe damit gerechnet, dass es ein schnelles Rennen wird, aber nicht mit so einer Zeit«, freute sich der 100-Meter-Freiluft-Meister des Jahres 2018 aus Nürnberg. »Jetzt kann ich mit viel mehr Selbstbewusstsein zu den Hallen-Europameisterschaften nach Polen fahren. Ich denke, wenn ich nicht wieder einen Fehlstart produziere oder stolpere, kann es in Torun auf jeden Fall auch sehr schnell werden.« Bronze hinter Julian Wagner (LC Top Team Thüringen) sicherte sich Michael Pohl vom Sprintteam Wetzlar, der sich sehr zufrieden zeigte: »Meine 6,60 Sekunden haben in diesem wirklich starken Rennen gereicht, um zur EM zu fahren. Dort möchte ich in jedem Fall ins Finale kommen.«

U20-Europameisterin Antonia Dellert (Sprintteam Wetzlar) steigerte ihre persönliche Bestleistung über 60 m um eine Hundertstel auf 7,37 Sekunden, was nach Rang vier in ihrem Vorlauf aber nicht für das Finale reichte. Lara Tornow (7,60) schied ebenso nach ihrem Vorlauf aus wie der aus Wieseck stammende Elias Goer, der 6,86 Sekunden über 60 m zustande brachte.

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